Der neue Hoffnungsträger legte sich mit dem Bundestrainer an, die scheidende Leitfigur beschimpfte einen abwesenden Youngster.

Statt alle Kräfte für den noch aus eigener Kraft zu realisierenden Achtelfinal-Einzug zu bündeln, begannen die deutschen Basketballer noch vor ihrem letzten Gruppenspiel bei der EM in Berlin gegen Spanien (ab 17.30 Uhr im LIVETICKER) die Selbstzerfleischung.

Der verlorene Kampf mit Italien, bei dem die Gastgeber vor der Verlängerung den Sieg aus den Händen gegeben hatten, hinterließ zwei frustrierte und verärgerte NBA-Stars.

King in der Defensive überfordert

Dennis Schröder, über weite Strecken überragender Spielmacher mit 29 Punkten, wiederholte seine unverhohlene Kritik an der Taktik von Chris Fleming in mehreren Interviews.

Und Nowitzki, dem ein unrühmliches Ende seiner großen Karriere im Nationalteam droht, bezeichnete angesichts der Personalnot unter den Körben Daniel Theis‘ Absage als Frechheit.

Schließlich könne der vor zweieinhalb Monaten an der Schulter operierte 23-Jährige ja schon wieder 30 Minuten lang bei Testspielen für die Brose Baskets Bamberg mitmischen.

Im DBB-Team verschafft stattdessen Alex King Nowitzki Pausen, war aber defensiv gegen Italien überfordert und schied – genau wie Robin Benzing – noch vor der Overtime mit fünf Fouls aus.  

Die Langen werden wieder gebraucht

NBA-Einsteiger Pleiß stand erstmals nicht in der Starting Five („Ich akzeptiere die Entscheidung des Coaches“) und erhielt auch in der Schlussphase kein Vertrauen. Johannes Voigtmann, zweiter Center und im Turnier mit einigen Aussetzern, kam überhaupt nicht zum Einsatz.

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Doch irgendwie müssen die Langen vor dem Duell mit den Spaniern, welche die letzten sieben Spiele gegen Deutschland durchschnittlich mit 19 Punkten Differenz gewannen, aufgebaut werden. Deren wichtigster Mann ist der 2,15 Meter große Center Pau Gasol, zugleich Topscorer der EM.

„Wir müssen die letzte Energie zusammenkratzen und dürfen nicht den Kopf hängen lassen“, fordert Pleiß ein letztes Aufbäumen.

Rückhalt für Schröder bröckelt

Schröder ist zumindest körperlich intakt, zog sich nur einen leichten Pferdekuss zu, als er in der Verlängerung zum Korb stürmte und nach ungeahndetem Kontakt mit Danilo Gallinari zu Boden ging.

Doch im Innern des Spielmachers, der 29 Punkte erzielt, aber in der Overtime drei Ballverluste begangen hatte, brodelt es.

Der Rückhalt schwindet für den 21-Jährigen, der von Nowitzki selbst zum neuen Anführer erkoren worden war und viele Einzelaktionen unternimmt.

„Hätten mehr Ballbewegung gebraucht“

„Im Großen und Ganzen bin ich sehr stolz auf Dennis“, sagt Fleming zwar, aber: „In der Schlussphase hätten wir mehr Ballbewegung gebraucht.“

Nach drei Niederlagen in Folge sagt er über ihn und Paul Zipser: „Wir brauchen noch keine Autopsie zu machen, und darüber reden, warum wir keine knappen Spiele gewinnen können, wenn die beiden Spieler mit den meisten Einsatzminuten 21 sind.“

Und Nowitzki, der Älteste? Denkt noch nicht daran, dass eine weitere Pleite in seiner Heimat sein letztes Länderspiel bedeuten würde. „So gehe ich da nicht rein“, sagt Nowitzi. „Ich werde wieder mein Bestes geben, werde kämpfen und versuchen, für die Mannschaft da zu sein.“

Ein Achtelfinale vor 26.000 Zuschauern im Stadion des OSC Lille gegen Titelfavorit Frankreich wäre zumindest ein weitaus würdigerer Schlusspunkt als ein Vorrunden-Aus im Unfrieden.

Florian Weiß, Jahrgang 1983, studierte in München Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Medien- und Kommunikation und begann seine Karriere bei SPORT1 mit einem Praktikum in der TV-Redaktion von Bundesliga...