In manchen Belangen wiederholt sich die Geschichte des Fußballs der Frauen, oder vielmehr: Es wiederholt sich, wie die Geschichte für verschiedene Länder erzählt wird. Zunächst einmal ist da der Sport: Fußball. Dann die Männer und Frauen, die anfangen, sich für diesen Sport zu begeistern. Doch während man die einen gewähren lässt und schließlich oft auch fördert, werden die andere eingeschränkt, verspottet – und irgendwann mit Verboten belegt.

Die Verbote haben unterschiedliche Gründe, oder: werden unterschiedlich begründet. Oft geht es um die vermeintlich mangelnde Eignung von Fußball für Frauen – oder umgekehrt. Manchmal fehlt es schlicht an Geld. In vielen Ländern gerade auf dem afrikanischen Kontinent spielt die Kolonialherrschaft eine Rolle: Weil Frauen in England nicht spielen dürfen, wird das Verbot auch in den britischen Kolonien gefordert und Missachtung bestraft.

Deutschland – „ein Negativbeispiel“

Frauen spielen häufig parallel zu den Strukturen, in denen ihnen Fußball verboten wird, weiter. Der Sport ist populär. Irgendwann fallen die Verbote und das Framing lautet bis heute seitens etlicher Verbände, Frauen hätten überhaupt erst ab diesem Zeitpunkt Fußball gespielt. Verbandsgeschichte statt Sportgeschichte. Es gibt Verbände, die damit besser umgehen, sich zur Verantwortung bekennen, die mit dem durch sie verhängten Verbot einhergeht. Andere tun das nicht: „Deutschland ist da tatsächlich ein Negativbeispiel in Europa, würde ich sagen.“

Sascha Düerkop muss es wissen. Er beschäftigt sich seit einigen Jahren ganz intensiv mit der Geschichte des Fußballs der Frauen weltweit. Zuvor war er als einer der beiden Gründer des Verbands Generalsekretär von CONIFA, der „Confederation of Independent Football Associations“. Fußball abseits des Rampenlichts hat ihn immer mehr interessiert, als die 90 Minuten auf dem Platz. Gemeinsam mit Franziska Blendin recherchiert er, wieso der DFB seit fast 30 Jahren eine falsche erste Torschützin der Bundesliga führte. So fing es an.

Das ist der Podcast „Legende verloren“

Aus der Recherche entwickelten die beiden mit einem wachsenden Team den Podcast „Legende verloren“. Darin widmen sie sich mit prominenten (Ex-)Fußballerinnen der Historie des Sports. Sie überarbeiten Daten zur Bundesliga der Frauen, die der DFB falsch auf seinen Seiten führt, sammeln Informationen und melden sich immer wieder beim Verband. Der pflegt die Ergebnisse der vielen aufwändigen Recherchen zwar bei sich ein, reagiert aber nicht auf die eifrige Crew. Düerkop sieht das recht gelassen, verstehen kann er es aber nicht.

Als der einstige Verbandsgründer online über einen Artikel von Chuka Onwumechili zum Fußball der Frauen in Nigeria stolpert, schreibt er Onwumechili an. Im bereits bestehenden Netzwerk entsteht die Idee, die Geschichte der kickenden Frauen in ausführlichen Artikeln zu erzählen und in Sachen Eckdaten schlicht zusammenzutragen. Die Longreads zu all den „Forgotten Heroines“, so auch der Name der Seite, soll als Grundlage dienen für alle, die im Fußball der Frauen schreibend und berichtend unterwegs sind, so die Idee des Teams.

Aha-Momente bei Recherche „super erfüllend“

Bei der zurückliegenden EM haben sie genau das gemerkt: Ihr Artikel zu Island wird vielfach zitiert. Während des Turniers widmen sie sich einer weiteren Aufgabe und beginnen, auf der Plattform Wikipedia in Artikeln zur Fußballgeschichte verschiedener Länder die Frauen mit einzuarbeiten, da diese bislang fehlte. „Das ist einfach nicht richtig.“ Rund 30 Texte haben sie auf diese Weise bereits bearbeitet. All das braucht Zeit und bräuchte eigentlich finanziellen Support, den gibt es aber nicht. So geht ihre Arbeit eben langsamer voran, erklärt Düerkop, der über die vielen Aha-Momente bei Recherchen sagt: „Es ist einfach super erfüllend.“

Neben diesen zeitaufwändigen Hobbys hat der Mathematiker noch eines, das vor allem ins Geld geht: Er sammelt Trikots von Nationalmannschaften. Insgesamt 700 davon hat er heute, eigentlich ein Fall fürs Museum. In Köln hat er sie sogar schon mal angeboten, dort wollte man sie aber im Keller einlagern und nur zu Turnieren ein paar hervorholen. Zudem hätte er keinen Zugang zu seiner Sammlung gehabt. Also hängen die Leibchen weiterhin bei Düerkop – über eine Leihgabe für ein interessiertes Museum würde er aber jederzeit sprechen.