Auch nach dem 4:0-Sieg in Heidenheim ließ sich Max Eberl nicht locken. Als ihn SPORT1 nach seinem persönlichen Befinden kurz vor Weihnachten fragte, erklärte Bayerns Sportvorstand: „Dinge, die wir als Verein entschieden haben, haben sich als richtig erwiesen. Welche Spieler wir geholt haben, wie wir mit den jungen Spielern umgegangen sind und versucht haben, den Campus zu integrieren.“
Immer wieder das Wort „wir“, nie das Wort „ich“ – es ist seit Monaten das Mantra des 51-Jährigen. Selbst als er darauf hingewiesen wurde, dass explizit nach seinem Innenleben gefragt worden sei, blieb er bei seiner Marschroute: „Ich bin gesund, ich bin munter und ich freue mich jetzt auf das Weihnachtsfest.“ Mehr kam nicht.
Das härteste Jahr seiner Manager-Karriere
Dabei wäre es schon interessant, mit welchen Gefühlen Eberl auf die vergangenen zwölf Monate blickt. Genugtuung wäre ein mögliches Gefühl, schließlich dürfte das Jahr 2025 das härteste seiner Manager-Karriere gewesen sein.
Zur Erinnerung: Noch im Herbst wurde offen darüber spekuliert, dass der Sportvorstand aufgrund diverser Attacken von selbst den Hut nehmen könne – oder gar nach der Jahreshauptversammlung abberufen werde. Davon ist mittlerweile keine Rede mehr – auch weil sich das Verhältnis zu Uli Hoeneß wieder verbessert hat. Der Klub-Patron ritt Anfang September die härtesten Attacken auf Eberl, indem er ihm im SPORT1-Doppelpass bescheinigte, beratungsresistent und „ziemlich empfindlich“ zu sein.
Dass diese Worte nicht spurlos am Sportvorstand vorbeigingen, konnte man wenige Tage später auf einer Pressekonferenz regelrecht spüren. Doch Eberl verzichtete darauf, sich zu wehren, und wendete lieber einen rhetorischen Trick an: Statt auf den Vorwurf der „Empfindlichkeit“ zu reagieren, tat er so, als habe Hoeneß von „Empfindsamkeit“ gesprochen – ein kleiner, aber feiner Unterschied.
„Empfinden heißt fühlen. Es heißt, für etwas bereit sein, für etwas zu kämpfen. Wenn du nicht fühlst, wenn du nur einen Job machst … wenn man das will, dann ist das sehr kalt“, erklärte Eberl damals und wischte das Thema weg. Zur Wahrheit gehört aber auch: Er hat aus den Angriffen durchaus seine Lehren gezogen. Der Sportvorstand konsultiert nun häufiger Hoeneß und auch Karl-Heinz Rummenigge, die beide im mächtigen Aufsichtsrat sitzen. Damit beendete er das Rumoren, zog seinen Kopf aus der Schlinge und wurde dafür gleich doppelt belohnt: Vom Klub-Patron hört man keine öffentliche Kritik mehr und auf der Jahreshauptversammlung demonstrierte er sogar den Schulterschluss mit Eberl.
Der erholte sich obendrein schnell von jenem schweren Sommer, der ihm noch vor dem heißen Herbst Kritik eingebracht hatte. Das Wirtz-Theater und das Woltemade-Fiasko – in beiden Transfer-Schlachten stand der FC Bayern am langen Ende als Verlierer da. Und damit vor allem der Sportvorstand, der zunehmend um die öffentliche Meinung kämpfen musste – auch weil er in verbale Fettnäpfchen trat oder ihm unterstellt wurde, sich zu flapsig auszudrücken.
Es sind Feinheiten
Im Fall Woltemade führte das dazu, dass Eberl vorgeworfen wurde, er habe den Nachnamen des Nationalspielers als „komisch“ bezeichnet. Wer es gut mit dem Sportvorstand meinte, stellte jedoch fest, dass er es lediglich seltsam finde, über Spieler zu sprechen und sie dabei nur beim Nachnamen zu nennen. Es sind Feinheiten, die außerhalb Münchens für keine oder lediglich wenig Aufregung sorgen würden. Im überhitzten Bayern-Kosmos kommt es allerdings auf jedes Detail an, das manchmal seltsame Blüten treibt.
Fakt ist: Eberl hat 2025 zu spüren bekommen, dass Mönchengladbach und Leipzig nicht München sind – und unter Hoeneß zu arbeiten, nochmal mehr Kraft kostet. Stand jetzt hat er den Attacken – wie er selbst sagen würde – „mannhaft“ standgehalten. Vielleicht lobt er sich im kommenden Jahr auch mal selbst.