Romelu Lukaku hat sich mit seinen Äußerungen zum Jahreswechsel wenige Freunde gemacht. (Alle News und Hintergründe zur Premier League)
Vor allem das Verhältnis zu Thomas Tuchel stellt der Starstürmer in Diensten des FC Chelsea gerade vor eine echte Zerreißprobe. (NEWS: Alles zur Premier League)
Er fühle sich unzufrieden mit dem System seines deutschen Trainers, hatte Lukaku in einem Interview mit Sky Sports Italia ziemlich unverhohlen formuliert: „Ich bin nicht glücklich mit der Situation hier in London.“
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Und Tuchel? Der Ex-Coach von Borussia Dortmund wiederum war alles andere als amused über den mit 115 Millionen Euro teuersten Klub-Transfer: „Das gefällt uns natürlich nicht. Es bringt Nebengeräusche, die wir nicht brauchen.“
Lukaku: Kritik an Tuchel und Chelsea-System
Ausgerechnet vor dem Knaller gegen den FC Liverpool und Jürgen Klopp (Premier League: FC Chelsea – FC Liverpool, So., ab 17.30 Uhr im LIVETICKER) knirscht es an der Stamford Bridge gewaltig. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Premier League)
Es ist schwer absehbar, inwieweit die Konfrontationen neben dem Verfolgerduell und Titelkampf in der Premier League gar nachhaltige Auswirkungen auf den Saisonverlauf, die Ambitionen Chelseas und den Hauptprotagonisten selbst haben werden.
Soviel aber schon mal vorweg: Die Blues, zuletzt mit gerade mal einem Sieg aus den jüngsten vier Ligaspielen eh schwach unterwegs, haben mit Lukaku eine Baustelle am Hals, die womöglich nicht mehr zu reparieren sein könnte.
Zumal der Belgier mehr als nur die Systemfrage stellt und damit Tuchel in Misskredit bringt: Lukaku kokettiert auch mit einer Rückkehr zu Inter Mailand.
Es wirkt beinahe so, als wolle der 28-Jährige seinen Abgang zum Ex-Klub schon erzwingen: „Ich habe immer gesagt, dass ich Inter in meinem Herzen tragen werde. Ich weiß, dass ich eines Tages zurückkehren werde, ich hoffe es wirklich. Ich liebe Italien, jetzt ist der richtige Moment, um darüber zu sprechen.“
Beim 3:0-Sieg gegen Newcastle traf Chelsea-Verteidiger Reece James doppelt. Trainer Thomas Tuchel scherzte, dass er seine Stürmer Lukaku oder Werner dann vielleicht woanders aufstellen sollte.
Rückkehr zu Inter Mailand offenbar als Herzenswunsch
Für den richtigen Moment mag man es in der gegenwärtigen Situation seines Teams kaum halten – eher drängt sich der Eindruck auf, Lukaku spiele die Klaviatur des egoistischen Solo-Virtuosen. Wieder einmal.
Zur Erinnerung: 2019 hatte der Torjäger im Zuge seines Abschied-Wunsches aus England in Richtung Italien schon Manchester United brüskiert, war dabei zeitweilig gar dem Training der Reds ferngeblieben, um sich stattdessen im Dress des Nachwuchses vom RSC Anderlecht – einem weiteren früheren Verein Lukakus – zu trimmen.
Nun also der Affront gegenüber Chelsea. Und das mittels einer Kommunikation, für die der Stürmer-Exzentriker bei genauer Betrachtung die schlagkräfigsten Argumente nur bedingt auf seiner Seite zu haben scheint.
Was stimmt: In Tuchels überwiegendem 3-4-2-1-System blieb Lukaku bisher meist die Rolle des Alleinunterhalters an vorderster Front, wenngleich er dabei persönlich davon profitierte, den Vorzug vor Timo Werner zu bekommen.
Bei Chelsea kein zweiter Mittelstürmer neben Lukaku
Bei Inter dagegen hatte das 1,91 Meter große und 95 Kilo schwere „Biest“, wie sie Lukaku in England nennen, in einem 4-4-2 hauptsächlich neben Sturmpartner Lautaro Martínez gewirkt. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Premier League)
Und das mit großem Erfolg angesichts von 24 Saisontoren und zehn Assists sowie dem ersten Scudetto der Nerazzurri seit mehr als zehn Jahren.
In Belgiens Nationalteam indes, wo er mit 68 Treffern in 101 Länderspielen Rekordtorschütze ist, sieht sich Lukaku in der Offensive durchaus taktischen Zwängen unterworfen im Verbund mit Kevin de Bruyne und Eden Hazard.
Die Ironie dabei: Im EM-Viertelfinale ging die Ausrichtung der Roten Teufel ausgerechnet gegen das nun von Lukaku zum Rückkehr-Wunschziel ausgerufene Italien in die Hose.
Conte als großer Förderer in Serie A
In Mailand hatte ihn der damalige Coach Antonio Conte (seit November bei Tottenham Hotspur) seinerzeit schnell zum Wunschspieler auserkoren.
Eine Wertschätzung, wie sie der Ausnahmespieler bei seiner Rückkehr im Sommer nach Chelsea, wo er zwischen 2011 und 2013 bereits gespielt hatte, von Tuchel öffentlich zumindest nicht viel weniger ausgeprägt widerfahren war („Romelu ist einer der Jungs wie Haaland, Lewandowski und Kane, eine echte Nummer 9″).
Und doch scheint es um das Verhältnis zwischen Star und Trainer nicht gut genug bestellt zu sein. Oder überschätzt sich Lukaku gar folgenschwer?
Womöglich gründen die Aussagen des Belgiers, der bisher nur auf sieben Tore und zwei Assists in 18 Einsätzen kommt, auch auf persönlichem Frust hinsichtlich der laufenden Saison.
Thomas Tuchel verteidigt Neuzugang Romelu Lukaku, der gegen Manchester City einen schlechten Eindruck gemacht hat. Der Chelsea-Trainer erklärt, wie wichtig die Verbindung zu den Mitspielern ist.
Corona-Infektion setzt Lukaku zu
Zuletzt war der Mann mit Schuhgröße 49 auch von einer Corona-Infektion außer Gefecht gesetzt worden. Tuchel schonte ihn bei der Rückkehr auch bewusst, dosierte die Spielzeit, obwohl der Angreifer drängte.
„Mir geht es körperlich gut“, sagte Lukaku nun, er wolle auch „weiterhin professionell bleiben“. Und mangels Optionen in der Offensive ist es auch nicht ausgeschlossen, dass Tuchel gegen die Reds trotz des Zerwürfnisses auf Lukaku setzen wird.
So oder so: Die Botschaft für eine Flucht zurück in die Serie A – nirgendwo anders gelang Lukaku eine bessere Trefferquote – klingt wenig missverständlich.
Spannende Frage nur, wie dann die Tifosi reagieren würden. Als Lukaku den italienischen Meister verließ, war das den Fans extrem sauer aufgestoßen, es wurde unter anderem auch ein Wandgemälde am Giuseppe-Meazza-Stadion beschmiert.
Auf der Insel jedenfalls bergen Lukakus Statements große Sprengkraft – während Tuchel nun eine alte Aussage über seinen offenbar doch nicht so pflegeleichten Star auf die Füße zu fallen droht.
„Es ist einfacher, Lukaku zu trainieren als Neymar oder Mbappé“, hatte der Deutsche im Oktober beim „Festival dello Sport“ in Anspielung auf seine vorherige Station bei Paris Saint-Germain gesagt.