Die NFL hat in den vergangenen Wochen und Monaten mit zahlreichen Blockbuster-Transfers für Aufsehen gesorgt. (NFL-Transfers – die größten Trades und heißesten Gerüchte im TICKER)
Neben der Verpflichtung von bereits etablierten Spielern haben sich die Teams aber auch mit dem NFL Draft beschäftigt. Schließlich möchte jede Franchise möglichst Spieler finden, die das Gesicht der Mannschaft in den kommenden Jahren prägen können.
Eines sei aber schon vorweggenommen. Ein guter Quarterback ist nicht zu finden unter den aussichtsreichsten College-Spielern. Aber Tom Brady ist ja im Jahr 2000 auch erst an 199. Stelle in der sechsten von sieben Runden gewählt worden.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wird es dann ernst. In der ersten Runde ist der Druck auf die Verantwortlichen besonders groß. Denn ein Fehlgriff kann über die Zukunft des jeweiligen General Managers entscheiden. (SERVICE: NFL-Wissen – die wichtigsten Begriffe im Football)
Runde 1 beim mit Spannung erwarteten NFL-Draft 2021 ist über die Bühne gegangen. Es gab schon früh eine Überraschung.
Schon bei der Frage nach dem ersten Draftpick haben die Jacksonville Jaguars eine schwierige Frage zu beantworten. SPORT1 wirft daher einen Blick auf die zehn größten Talente. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NFL)
Thibodeaux oder Hutchinson – Wer wird der erste Pick im Draft?
1. Kayvon Thibodeaux, Defensive End, Oregon
Der Mann aus dem sonnigen Kalifornien ist ein absolutes Top-Talent auf seiner Position als Edge Rusher. Schon in jungen Jahren galt er als enorm begabt und wurde von ESPN als bester High-School-Spieler seines Jahrgangs ausgezeichnet. (SERVICE: NFL-Wissen – die Positionen im Football)
In seinen drei Jahren am Oregon College hat der Quarterback-Jäger, der schon in der sechsten Klasse 1,92 Meter groß war, richtig abgeliefert. Dem 21-Jährigen gelangen in drei Jahren 19 Sacks und 35 Tackles for Loss.
Der Hüne stemmte am College mit seinem damaligen Teamkollegen und heutigen Quarterback der Los Angeles Chargers, Justin Herbert, Gewichte. So ist er immer athletischer geworden. (SERVICE: NFL-Wissen – die wichtigsten Regeln im Football)
2. Aidan Hutchinson, Defensive End, Michigan
Ein starker Pass Rusher ist auch der Mann, der Zeit seines Lebens im Norden der USA gelebt hat. Wie Thibodeaux gilt er als Kandidat für den ersten Pick des diesjährigen Drafts.
Der 21-Jährige hat Football im Blut, denn sein Vater Chris spielte ebenfalls hochklassig Football. Er schaffte jedoch nicht den Sprung in die NFL, aber hat seinem Sohn eine wichtige Lektion erteilt.
„Was immer ihr tut, und es ist mir egal, ob ihr gut seid, ihr solltet immer euer Bestes geben. Wenn ihr das nicht macht, dann haben wir ein Problem“, erzählte er seinen Kindern.
Die Worte haben bei Aidan Anklang gefunden. Er arbeitet hart und spielte an der High School sogar als Wide Receiver und Tight End. Am College stand er dann hauptsächlich in der Defensive Line.
Besonders in seinem letzten Jahr lieferte der Quarterback-Jäger, der täglich mehr als 3,5 Liter destilliertes Wasser trinkt, richtig ab. Mit 14 Sacks führte er sein Team in das Finale um die College-Meisterschaft und landete auf Platz zwei bei der Wahl zum besten College-Football-Spieler des Jahres.
Kyle Hamilton und die Frage nach seinem Wert
3. Kyle Hamilton, Safety, Notre Dame
Hoch gehandelt wird auch Hamilton. Der 21-Jährige wuchs in Kreta und Russland auf, da sein Vater Derrek dort Basketball spielte. Die sportlichen Gene übernahm er und spielte in der High School Football und Basketball.
Er begann zunächst als Quarterback, schulte nach einer Verletzung aber auf Safety um. Dort entwickelte er sich zum Star und überzeugte auch bei den Fighting Irish. Für viele gilt er aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten als bester Spieler dieses Drafts.
Sein Problem: Seine Position wird nicht sonderlich wertgeschätzt, obwohl sie in der vergangenen Saison zumindest wieder etwas an Relevanz gewann. Somit könnte er aus den Top 3 fallen, angesichts seiner Qualität dürften sich die Teams dahinter aber über ihn freuen…
4. Derek Stingley, Cornerback, LSU
Der Stern von Stingley ging bereits 2019 auf, als er in seinem ersten College-Jahr mit Joe Burrow, Ja‘Marr Chase und Co. den nationalen Titel holte.
Die Football-Gene wurden auch ihm in die Wiege gelegt. Sein Großvater Darryl spielte als Wide Receiver in der NFL, ehe ein schwerer Unfall seine Karriere beendete. Sein Vater Derek Sr. spielte zwar „nur“ Arena Football, brachte aber seinem Sohn bereits im Alter von vier Jahren bei, wie man sich als Cornerback richtig bewegt und nahm ihm regelmäßig mit zum Training.
Der 20-Jährige aus Louisiana erarbeitete sich schnell den Ruf eines überragenden Passverteidigers und landete so bei einem Top-College. In den vergangenen zwei Jahren hat er aufgrund einer Fußverletzung nur zehn Partien absolviert. Beim Combine im April zeigte er aber, dass er körperlich wieder bei 100 Prozent ist.
Neal oder Ekwonu – welcher Left Tackle wird zuerst gedraftet?
5. Evan Neal, Offensive Tackle, Alabama
Ein wahrer Koloss ist der Left Tackle. Mit einer Größe von 2,04 m und einem Gewicht von knapp 153 Kilogramm verfügt Neal über Gardemaße.
Dabei hat der 21-Jährige erst noch lernen müssen, wie wichtig ein athletischer Körper ist. Während seiner Zeit an der IMG Academy traf er auf den langjährigen NFL-Spieler Bryan Bulaga, der ihm noch zu viel Babyspeck attestierte. Das änderte der junge Mann aus Florida, der gegen Fisch allergisch ist, und verlor am College von Alabama in drei Jahren fast 20 Kilogramm.
Dennoch spielte Neal weiter auf einem hohen Niveau und ließ in der vergangenen Saison nur einen (!) Sack zu. Kein Wunder, dass er als einer der besten Offensive Linemen gehandelt wird.
6. Ickey Ekwonu, Offensive Tackle, North Carolina State
Der größte Konkurrent auf seiner Position ist wohl Ekwonu. Der 21-Jährige ist durch seine Pancake Blocks, also wenn er den gegnerischen Spieler auf den Boden rammt, bekannt geworden. In den vergangenen zwei Saisons gelangen ihm unfassbare 117 solcher Blocks.
Dabei sah es jedoch zu Beginn noch nicht aus. Denn der ehemalige Wrestler war bei seinem Wechsel ans College noch längst nicht so gut. Mit harter Arbeit verbesserte der 1,95m große Mann aus North Carolina seine Fußarbeit und Technik und gilt nun als vielversprechender NFL-Spieler.
Gardner erlaubt keinen Touchdown am College
7. Ahmad Gardner, Cornerback, Cincinnati
Für zahlreiche Experten ist Gardner der beste Cornerback im diesjährigen Draft. Im Gegensatz zu Stingley spielte der 21-Jährige in seinen drei Jahren am College konstant auf hohem Niveau. Dabei gelang es ihm sogar, nicht einen einzigen Touchdown zuzulassen.
Der jüngste von drei Brüdern trägt seit seiner Kindheit den Spitznamen „Sauce“, obwohl er laut seiner Mutter das ruhigste Kind im Haus war. Gemeinsam mit der Familie arbeitete er an seinem Traum, in die NFL zu kommen, und dürfte nun der erste Spieler vom Cincinnati-College seit 1971 werden, der in der ersten Runde gedraftet wird.
8. Garrett Wilson, Wide Receiver, Ohio State
In einer stark besetzten Wide-Receiver-Klasse ist es schwer, sich von der Konkurrenz abzuheben. Zwar ist der Ex-Basketballspieler mit 1,82m nicht der Mann für die hohen Bälle, doch für die Big Plays in der Offense sollte es allemal reichen.
In seiner College-Zeit bei den Buckeyes erzielte er 15,5 Yards pro Catch und bewies sichere Hände. Kein Wunder, dass der 21-Jährige, der dieselbe High School besuchte wie Quarterback Baker Mayfield, bei vielen Teams hoch gehandelt wird.
London bester Wide Receiver der letzten Jahre?
9. Drake London, Wide Receiver, USC
Wie Wilson galt auch London in seiner Zeit an der High School als talentierter Basketballspieler. Deswegen wollte er sich an der University of Southern California auch an beiden Sportarten versuchen, spielte jedoch nur zwei Spiele im Basketball-Team.
Der Grund: Der 1,98m große Mann aus Kalifornien ist einfach zu gut als Football-Spieler. Für Draft-Experte Michael Renner von Pro Football Focus ist der 20-Jährige der beste Spieler beim Catch, die er seit Bestehen von PFF vor acht Jahren bewertet hat. Mit seiner Größe ist er ein anderer Spielertyp als Wilson, aber dennoch nicht minder begehrt.
10. Charles Cross, Offensive Tackle, Mississippi State
Der dritte Left Tackle in den Top Ten unterstreicht die hohe Qualität der Spieler auf dieser Position im kommenden Draft. Für einige Experten gilt der 21-Jährige als bester reiner Pass Blocker.
Mit seinen Maßen von 1,98 Meter Körpergröße und 139 Kilogramm Gewicht passt das Talent aus Mississippi perfekt in die NFL. Er muss sich jedoch in der Liga umgewöhnen, da er aus einer Air-Raid-Offense mit großen Fokus aufs Passspiel kommt, die so nicht im Profi-Bereich gespielt wird.