Nach den Abgängen von Kapitän Ilkay Gündogan und Riyad Mahrez muss Manchester City nun den nächsten Verlust verkraften – zumindest auf Zeit.
Denn auch Mittelfeld-Stratege Kevin De Bruyne wird den Skyblues erstmal bis ins neue Jahr fehlen. „Drei bis vier Monate“, könnte der belgische Ausnahmekönner laut Trainer Pep Guardiola verpassen, wenn sein Muskelfaserriss am Oberschenkel eine Operation erfordern sollte.
Der Wegfall der beiden kreativen Köpfe in der Zentrale und Mahrez auf den Außen ist den Citizens auf dem Feld deutlich anzumerken. Wie die schier unbesiegbare Mannschaft aus dem Vorjahr sahen die Skyblues weder im Finale des Community Shields gegen den FC Arsenal (1:1, 1:4-Niederlage i.E., noch mit De Bruyne), noch beim UEFA-Supercup gegen den FC Sevilla, aus.
Gegen die Andalusier retteten sich die Citizens erst im Elfmeterschießen (1:1, 5:4-Sieg i.E.), nachdem Sevilla über weite Strecken des Spiels geführt hatte und sogar die Möglichkeit auf das 2:0 gehabt hatte. Immerhin der Liga-Auftakt konnte souverän mit 3:0 gegen die Clarets aus Burnley bestritten werden, wenngleich dieser durch den frisch in die Premier League aufgestiegenen Gegner nur wenig Schlüsse zulässt.
„Gegen ein City ohne Gündogan und De Bruyne spielt man als Gegner jetzt viel lieber“
„Gegen ein Manchester City ohne Gündogan und ohne De Bruyne spielt man als Gegner jetzt viel lieber“, betonte der schottische Ex-Profi Ally McCoist als TV-Experte bei TNT Sports und stellte klar: „Ich glaube wirklich nicht, dass City so stark ist wie in der letzten Saison, mit dem Personal und dem Verlust ihres Schlüsselspielers (De Bruyne, d. Red.). Das muss einen Effekt haben.“
Manchester-United-Legende Rio Ferdinand pflichtete ihm bei und argumentierte deshalb, dass Guardiola und Co. auf dem Transfermarkt aktiv werden müssten, um die entstandenen Lücken zu füllen.
„Sie müssen jemanden finden, der Tore schießen kann“, forderte Ferdinand deshalb – schließlich schossen Gündogan (elf) und De Bruyne (zehn) in der abgeschlossenen Spielzeit in allen Wettbewerben zusammen starke 21 Tore, die die Mannschaft nun ersetzen muss.
Mahrez, De Bruyne und Gündogan: 87 Torbeteiligungen fallen weg
Ganz zu schweigen von De Bruynes Qualität als Vorlagengeber, die nun erstmal wegfallen wird – der Belgier lieferte letzte Saison unglaubliche 31 Assists auf Erling Haaland und Co.
„Er ist einer der wichtigsten Spieler für den Verein“, sagte Citys Mittelfeld-Anker Rodri nach dessen Verletzung und untertrieb damit wohl für viele, die den Belgier sogar noch höher einordnen würden.
Zusätzlich dazu erwähnte Ferdinand auch noch den Wegfall von Mahrez, der sich diesen Sommer nach Saudi-Arabien verabschiedete. Somit fallen „drei große, einflussreiche Spieler in Bezug auf Tore und Assists“ weg. Mit Mahrez‘ 28 Torbeteiligungen sind es in Summe 87 Scorerpunkte, wenn man die Ausbeute der drei Stammkräfte aus der vergangenen Saison addiert.
City will wohl Olmo – aber lässt Leipzig den Spanier gehen?
So kommt es auch, dass der Name Dani Olmo nach der Verletzung von Kevin De Bruyne plötzlich wieder heißer in Manchester diskutiert wird, wie auch der Transfer-Experte Gianluca Di Marzio berichtet: „Man City beobachtet Dani Olmo aufmerksam. RB Leipzig ist nicht bereit, ihn zu verkaufen – es wird erwartet, dass die deutsche Mannschaft eine sehr hohe Ablösesumme verlangen wird.“
Olmo, der bei seiner Vertragsverlängerung bis 2027 im Juni noch attestierte, mit den Roten Bullen „die nächsten Schritte gehen“ zu wollen, besitzt laut Fabrizio Romano erst im kommenden Sommer eine Ausstiegsklausel, die auf 60 Millionen Euro taxiert sein soll.
In diesem Sommer könnte Leipzig für den Spanier, der im deutschen Supercup gegen Bayern mit drei Toren brillierte, also noch eine deutlich höhere Ablöse verlangen – oder dem Wechsel einen Riegel vorschieben. Denn Geld braucht Leipzig im Grunde sowieso nicht – und durch die 230 Millionen Euro an Transfereinnahmen in diesem Sommer schonmal überhaupt nicht. Oder ist Leipzig Geld doch wichtiger als die Schale?
Statt Olmo: Setzt Pep auf Paquetá und Youngsters?
Während Ferdinand einen baldigen Transfer von West Hams Brasilianer Lucas Paquetá vermutet, wünscht sich Ex-City-Star Joleon Lescott, dass sich nun auch die jungen Talente beweisen dürfen: „Ich hoffe, dass einer der jungen Spieler – James McAtee, Cole Palmer – die Chance bekommt, ebenfalls einen Beitrag zu leisten.“
Gerade dem 21-jährigen Palmer, der gegen Sevilla und Arsenal jeweils das einzige Tor für die Skyblues markieren konnte, wird zugetraut, dass er die bei den Citizens entstandene Lücken teilweise füllen könnte. Guardiola scheint diesbezüglich jedoch weniger optimistisch zu sein, wie seine jüngsten Aussagen durchblicken lassen.
Manchester City gewann den UEFA Super Cup 2023 gegen Sevilla nach Elfmetern. Trainer Pep Guardiola lobte dabei besonders seinen Keeper Ederson, der die Citizens oft im Spiel gehalten hatte.
„Als er hier ankam, war ich der Meinung, dass er gehen wollte, aber jetzt weiß ich nicht, was passieren wird“, sagte Guardiola am Mittwochabend. Offenbar zeigten Brighton & Hove Albion und West Ham United bereits Interesse an Palmer.
Außerdem betonte der City-Coach: „Ich glaube nicht, dass ein Leihgeschäft zustande kommen wird. Entweder bleibt er oder er wird verkauft, aber ich denke, eine Leihe wird nicht stattfinden.“
Wie es bei Palmer weitergeht, wird erst die Zukunft zeigen. In Anbetracht der Abgänge wird aber auch Guardiola wissen, dass er auch auf einen potenziellen Abgang von Palmer reagieren müsste. Ebenso, wie noch auf die Verletzung von De Bruyne reagiert werden muss – was aller Voraussicht nach auch geschehen wird, wenn man sich Citys Einkaufs-Politik der letzten Jahre in den Kopf ruft.