Die langjährige Nationalspielerin Tabea Kemme hat dem Deutschen Fußball-Bund nach dem WM-Aus der DFB-Frauen einen mangelnden Reformwillen vorgeworfen.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass der Verband von innen etwas ändern möchte. Und Vorschläge von außen werden abgeblockt. Die Angst vor einem Machtverlust ist bei den Verantwortlichen zu groß. Dabei würde gerade auch internationale Expertise Deutschland extrem guttun“, schrieb die Olympiasiegerin in ihrer Kolumne für das Nachrichtenportal t-online. Sie ist derzeit für das ZDF als TV-Expertin im Einsatz.

Im DFB-Team habe sie bei der WM in Australien und Neuseeland, wo für Deutschland bereits in der Vorrunde Schluss war, einen kritischen Geist vermisst – wie es bei der EM 2022 noch Almuth Schult gewesen war. „Almuth ist eine Spielerin mit enormer Kompetenz, die den DFB weiterbringen würde. Sie war immer eine Spielerin, die den Mund aufgemacht hat.“ Eine Spielerin, die „Missstände klar und deutlich anspricht und artikuliert, hat bei dieser WM gefehlt“, ergänzte die 31-Jährige.

Wo steht der deutsche Fußball?

Es sei schwer zu sagen, „wo wir genau im deutschen Fußball stehen. Es sind die großen Fragen, die mich umtreiben: Wem beim DFB soll ich eigentlich was noch glauben? Wo ist die absolute Transparenz? Wie stellt sich der hoch verschuldete, größte Weltverband zukünftig auf?“

Während der WM kam sich Kemme rund um den DFB teilweise vor „wie im falschen Film. Der Druck, dem du beim Verband ausgesetzt bist, ist enorm. Dieser DFB-Komplex macht etwas mit dir. Und ich bin froh, dass mir irgendwann klar geworden ist, dass ich eine Marionette des Systems war.“