Es war der 27. Oktober 2021, als der große FC Barcelona am Boden lag. (NEWS: Alle aktuellen Infos zu La Liga)
Soeben hatte er 0:1 bei Rayo Vallecano verloren, die Mannschaft schlich mit hängenden Köpfen vom Platz im Madrider Stadtviertel Vallecas – ausgerechnet dort, wo der große Erzrivale gar nicht weit ist.
Real Madrid hatte die Katalanen drei Tage zuvor ebenfalls besiegt, mit 2:1 im altehrwürdigen Camp Nou, das so viele Pleiten gegen die Königlichen noch nicht gesehen hat.
Jene Pleite bei Rayo wiederum war die letzte, die der damalige Chefcoach Ronald Koeman verantworten durfte respektive musste.
Nach läppischen 15 Punkten aus elf Ligaspielen sowie zwei 0:3-Pleiten gegen Benfica Lissabon und den FC Bayern musste der Niederländer in Katalonien seinen Hut nehmen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan von La Liga)
Drei Monate und 25 Tage später sieht die Welt der Blaugrana gänzlich anders aus. Man könnte fast sagen: sie ist auf den Kopf gestellt, und das in einem positiven Sinne.
Aubameyang mit Dreierpack für Barcelona
Unter Trainer und Legende Xavi, der Anfang November für Koeman übernommen hatte, fuhr Barca am Sonntag seinen ersten Auswärtssieg der Saison ein, bei dem die Katalanen mehr als drei Tore schossen.
1:4 stand auf der Anzeigetafel des Estadio Mestalla in Valencia. Also: 4:1 für Barcelona. Zufall?
Wenn man auf die Liste der Torschützen und Vorlagengeber schaut, vielleicht nicht. Dreimal ist dort Pierre-Emerick Aubameyang zu lesen, jener Name, der nach seinem spektakulären Winterwechsel für einen Neuanfang bei Barca stehen soll und in Valencia zum ersten Mal auf dem Startelf-Bogen von LaLiga zu finden war – und dann gleich drei Treffer erzielte.
Der FC Barcelona muss in der Europa League gegen Neapel ran. Trainer Xavi wurde vor der Partie nach PSG-Star Kylian Mbappé befragt und war darüber überhaupt nicht glücklich.
„Er hat seine ganze Karriere lang Tore gemacht. Er nutzt die Räume gut. Er ist reif, intelligent, bescheiden und positiv. Ich bin begeistert von ihm. Die Treffer werden ihm Selbstvertrauen geben“, schwärmte Xavi nach der Partie von seinem neuen Stürmer, der Anfang Februar seinen Vertrag beim FC Arsenal ausgelöst und so den Weg nach Spanien freigemacht hatte.
Doch dass Barca dem überforderten FC Valencia vier Tore eingeschenkt hatte, lag beileibe nicht nur am 32 Jahre alten Gabuner.
Auch der Rest der Mannschaft funktionierte, bewegte sich gut, nutzte die Räume, sah immer den besser postierten Nebenmann – fast so, als wäre der Geist der Guardiola-Jahre zurückgekehrt, als Xavi das Mittelfeld beherrschte wie vor ihm vielleicht nur Johan Cruyff.
FC Barcelona: Pedri der neue Xavi?
Stellvertretend für diese Zeit könnte heute Golden Boy Pedri stehen, der mit einem Distanz-Hammer in Valencia fast das 4:1 erzielt hätte – fast, weil der Ball zwar tatsächlich im Tor landete, aber später vom spanischen Schiedsgericht dem glücklichen Aubameyang zugeschrieben wurde.
Der Ex-BVB-Stürmer hatte den Ball unfreiwillig mit dem Rücken abgefälscht und ihn so unhaltbar gemacht.
„Was er macht, wie er das Spiel lenkt, das Tempo – es ist fantastisch“, pries Xavi seinen Schützling, den er in der 60. Minute eingewechselt hatte. (DATEN: Die Tabelle von La Liga)
Obwohl erst 19, spiele er „spektakulär“ und auf „höchstem Niveau“. Auf der ganzen Welt gebe es „kein größeres Talent als ihn. Er macht den Unterschied. Er ist kein normaler Spieler. Es gibt nur wenige wie ihn.“
Greift Barca nach mehr?
Was bedeutet es also, wenn Xavi aus dem Schwärmen über sein Team nicht mehr herauskommt und die Saison ja durchaus noch einige Spiele zu gehen hat? Ist da etwa noch mehr möglich, als zunächst gedacht?
Die Fakten zumindest könnten zum Träumen anregen. In den vergangenen drei LaLiga-Partien schossen die Katalanen insgesamt zehn Tore, haben seit dem 4. Dezember kein Spiel mehr verloren.
Auf Platz vier stehend ist der Weg an die Spitze dennoch sehr weit. Bei einem Spiel weniger sind es 15 Punkte auf Real Madrid – vermutlich zu viel, um noch ganz oben anzugreifen.
Alternativ bleibt die Europa League, die am kommenden Donnerstag gleich ein „weiteres Finale“ bietet, wie Xavi es formulierte. Dann nämlich ist Barca beim SSC Neapel zu Gast, es geht um den Einzug ins Achtelfinale des Wettbewerbs (SSC Neapel vs. FC Barcelona ab 21 Uhr im SPORT1-Liveticker).
Das Hinspiel endete 1:1 – alles und nichts ist möglich.
Pierre-Emerick Aubameyang hat nach seinem Abschied vom FC Arsenal gegen Trainer Mikel Arteta verbal nachgetreten. Nun wehrt sich der Spanier gegen die Vorwürfe des Ex-Bundesliga-Profis.
Angesichts der Form der Blaugrana und der Dynamik, die sich in den vergangenen Wochen entwickelt hat, könnte tatsächlich Ersteres zutreffen.
Auch Dembélé spielt groß auf
Dafür spricht auch, dass selbst Sorgenkinder wie Ousmane Dembélé plötzlich befreit aufspielen. Der 24-Jährige legte das 3:0 für Frenkie de Jong traumhaft auf, machte auch sonst eine gute Partie.
Weitere Neuzugänge wie Ferran Torres oder Adama Traoré überzeugen ebenso mit Toren oder Vorlagen, haben es geschafft, sich in kürzester Zeit einzufinden.
Auch das mag ein Verdienst von Xavi sein, der sich offensive Unterstützung sehnlichst gewünscht und prompt von Präsident Joan Laporta bekommen hat. Barca nimmt wieder ambitionierte Ziele ins Visier.
Ein Umstand, der am 27. Oktober 2021 nach der 0:1-Pleite in Vallecas auf lange Sicht unmöglich schien.