Seit einem halben Jahr ist er Fußball-Rentner, schaute in seiner Freizeit zuletzt bei der Darts-WM im Ally Pally vorbei, noch immer allerdings beschäftigt sich Ex-Torjäger Nils Petersen intensiv mit dem deutschen Fußball.
Der 35-Jährige analysiert als TV-Experte bei Amazon Prime die Champions League, hat dabei unter anderem auch seinen Ex-Verein FC Bayern im Blick – und beobachtet dabei eine Entwicklung, die nicht jedem Münchener Fan gefallen dürfte.
Nils Petersen: FC Bayern hat Selbstverständnis verloren
„Die Ergebnisse stimmen meist“, sagt der 35-Jährige bei Sky: „Da waren auch ein paar Ausreißer nach oben dabei: 8:0 gegen Darmstadt, 7:0 gegen Bochum, 4:0 in Dortmund. Dazu sind sie ungeschlagen in der Champions League durch die Gruppe gekommen. Das Pokal-Aus in Saarbrücken und das 1:5 in Frankfurt sind die Ausreißer in die andere Richtung.“
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Mit Platz zwei in der Liga könne man sicherlich leben, meinte Petersen: „Nichtsdestotrotz ist das Selbstverständnis ein Stück weit verloren gegangen. Mit dem Pokal-Viertelfinale, das wir im vergangenen April mit Freiburg in München gewonnen haben, und dem Trainerwechsel ging es los, dass der eine oder andere Gegner auch nicht mehr mit lähmendem Respekt nach München gereist ist. Es war dann eher das Gefühl: die Bayern sind besiegbar. Das hat sich ein bisschen durchgezogen, obwohl die Resultate in Ordnung sind.“
Verwundert registriert Petersen, dass den Bayern ihre alles überstrahlende Dominanz abhanden gekommen ist. „Sie spielen die Gegner zurzeit nicht mehr an die Wand: Als Gegner hatte man in manchen Partien kaum mehr atmen können, kam kaum aus der eigenen Hälfte.“
Petersen – zwischen 2011 und 2012 bei Bayern aktiv – spricht aus leidvoller Erfahrung vieler Begegnungen, die er später mit Werder Bremen und dem SC Freiburg mit den Münchenern hatte. Nun allerdings sagt er: „Bayern ist etwas anfälliger geworden. Sie sind als Mannschaft okay, aber dem einen oder anderen Spieler wie etwa Joshua Kimmich fehlt momentan eben auch das Selbstbewusstsein, das Spiel komplett zu dominieren.“
Viel Freude an Harry Kane
Beeindruckt zeigt sich Petersen dagegen von Harry Kane, der in 15 Bundesliga-Partien bereits 21 Mal getroffen hat und auf dem besten Weg ist, Robert Lewandowskis Rekord von 41 Treffern aus der Saison 2020/21 zu brechen.
„Er hat sich sehr schnell an die Liga gewöhnt“, sagt Petersen: „Ich würde mich für ihn freuen, ich mag ihn als Spielertypen. Er ist eine sehr angenehme Erscheinung, eine authentische Persönlichkeit. Er ist nicht nur der Vollstrecker, sondern nimmt auch viel am Spiel teil.“
Petersen ist nach eigenen Angaben „echt dankbar, dass wir solch einen Spieler in der Bundesliga haben. Ich kenne niemanden, selbst bei gegnerischen Fans, die ihn nicht bewundern – und das, obwohl er Bayern-Spieler ist.“