Gold-Heldin Denise Herrmann-Wick entfloh nach der letzten großen Party in Windeseile dem Oberhofer Sauwetter. Die Retterin der deutschen Biathleten sehnte sich nach Ruhe und Entspannung im Kreise ihrer Liebsten in ihrer Wahl-Heimat Ruhpolding. (NEWS: Alles Wichtige zum Biathlon)

Am Rennsteig hat die „Mami“ des Teams mit ihrem Medaillenrausch die Bilanz geschönt, sie überstrahlte als Lichtgestalt einige Probleme – doch ewig wird sie das mit ihren 34 Jahren nicht mehr tun. Der Blick in die Zukunft schwankt deshalb zwischen Hoffnung und Sorge.

Wie schnell könnte ein mögliches Loch nach Herrmann-Wick gestopft werden?

„Es kann natürlich funktionieren wie bei einer Magdalena Neuner oder Laura Dahlmeier, dass es relativ fließend übergeht nach dem Juniorenbereich. Das wünscht man sich natürlich immer, dann hat man wieder einen neuen Superstar“, sagte Frauen-Trainer Kristian Mehringer. Aber da gelte es, in Deutschland „den Ball flach zu halten“. (NEWS: Björndalen faltet DSV zusammen)

„Kleine Delle“ – Sorge vor allem bei den Biathlon-Männern

Insbesondere bei den schon in Oberhof medaillenlosen Männern ist ein Durchstarter nicht in Sicht.

Da gilt es, „eine kleine Delle zu überwinden“, betonte Bundestrainer Mark Kirchner. Man müsse realistisch eingestehen, „dass wir zwei, drei Jahre brauchen, bis wir von unten die nächsten hochkriegen“, ergänzte Sportdirektor Felix Bitterling.

Sie blicke dennoch gar nicht „so sorgenvoll“ in die Zukunft, sagte Dahlmeier dem SID. Es werde dann zwar vielleicht nicht mehr „diesen einen Leistungsträger“ geben. „Aber mannschaftlich sind wir ganz gut aufgestellt.“ (SERVICE: Alle Rennen und Ergebnisse)

DSV-Bundestrainer lobt Nachwuchs bei den Frauen

Bei den Frauen sehe die Lage ohnehin „freundlicher“ aus, so Mehringer. Bereits bei der WM zeigten Sophia Schneider und Hanna Kebinger „zum idealen Zeitpunkt“ mit ihren 25 Jahren auf. „Die, die irgendwann übernehmen sollen, pirschen sich so langsam ran“, urteilte Bitterling. Große Stücke halten alle Verantwortlichen und Experten neben Lisa Spark (22) vor allem auf Selina Grotian (18), die bei der EM der Erwachsenen jüngst einen kompletten Medaillensatz abgeräumt hatte.

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nCAPTION: Biathlon WM: Denise Herrmann-Wick und Sophie Schneider holen Silber
nDESCRIPTION: Die deutsche Damen-Staffel gewinnt bei der Biathlon-WM in Oberhof Silber hinter Italien. Bronze geht an Schweden.

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Es gehe darum, diese Talente nicht zu verheizen, sondern sie „zielführend Richtung Weltspitze zu bringen“, führte Mehringer aus: „Da sind wir sehr gut aufgestellt. Es kommen einige nach, die sehr gut ausschauen.“

Dahlmeier hofft durch die Heim-WM generell auf einen „Aufschwung“. Es könne nun wieder einen kleinen Biathlon-Boom geben, weil die Menschen gesehen hätten, was es für „ein toller Sport“ sei.

Gerade bei den Männern wäre das dringend nötig. Da seien die Junioren schon beim Erreichen des DSV-Systems meist „läuferisch zu weit weg“, monierte Bitterling. (DATEN: Weltcupstände im Biathlon)

Für Verbesserungen soll eine neu geschaffene Trainer-Taskforce sorgen, die Stützpunkte und Landestrainer unterstützt. „Aber manches braucht ein bisschen“, betonte Kirchner.

Auf neue Stars müssen die deutschen Biathlon-Fans zumindest bei den Männern also sicher noch etwas warten.