Die aktuelle Formel-1-Saison wird nach Belieben von Red Bull um Weltmeister Max Verstappen dominiert. Deswegen wird derzeit viel darüber diskutiert, wie man den Sport interessanter machen kann.
Nun hat sich auch Ex-F1-Pilot Hans-Joachim Stuck in diese Debatte eingeschaltet. „Das halte ich für total unfair“, sagte die Rennsport-Legende bei Eurosport mit Blick auf eine mögliche Änderung bei den Tests oder der Budgetobergrenze.
Er sieht viel mehr woanders großen Handlungsbedarf seitens des Weltverbandes FIA. „Viel wichtiger wäre, dass sich die FIA mal selbst organisiert und solche Sperenzien wie das Pace Car im Regen und derartigen Schmarrn sein lässt“, kritisiert er.
Besonders der Einsatz des Safety Cars bringt ihn auf die Palme. „Ein Start hinter dem Pace Car – das ist doch Volksverarschung“, poltert der 72-Jährige. Damit ist er auch nicht alleine, denn er habe nach dem Rennen in Spa von „Bekannten vor Ort gehört, dass sie sich verarscht gefühlt haben“.
Formel 1: Stuck fordert Einführung des synthetischen Kraftstoffes
Zudem präsentiert der zweimalige Le-Mans-Sieger zahlreiche Ideen, was die FIA besser machen sollte. So sollen sie mehr auf die Kosten achten und eine einheitliche Aerodynamik einführen, was bei der Indy-Car-Serie schon gang und gäbe ist.
Den größten Bedarf sieht er allerdings beim Sprit. „Das Allerwichtigste wäre, dass man ab 2024 endlich mit synthetischem Kraftstoff fährt. Wo sind wir denn eigentlich, dass das noch nicht längst der Fall ist?“, sagte Stuck.
Derzeit sind nur 10 Prozent des Sprits synthetisch. Dies wird sich allerdings 2026 ändern. Dort sollen es dann die geforderten 100 Prozent sein. Für Stuck zu spät, denn der Sport müsse eine „Vorreiterrolle“ einnehmen: „Wir bauen Oldtimer um, die mit synthetischem Kraftstoff fahren … aber warum macht das die Formel 1 nicht? Was ist das für ein Verein? Das finde ich unmöglich!“
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Stuck fordert mehr Teams in Formel 1 und nimmt FIA in die Pflicht
Wenig Verständnis hat er zudem an der ablehnenden Haltung der Formel-1-Teams hinsichtlich neuer Rennställe. In den vergangenen Monaten gab es zahlreiche Bewerbungen bei der FIA.
„Wenn die FIA sich dann dem Willen jener Teams beugt, die gegen solche Neulinge sind, da frage ich mich: Haben die noch alle Tassen im Schrank?“, schildert Stuck verständnislos.
Der Weltverband müsse sich viel mehr freuen, dass ein neues Team hinzukommen möchte und sich nicht vor den aktuellen Rennställen verstecken: „Unter einem Jean Todt (Ex-FIA-Präsident, Anm. d. Red.) wären derartige Dinge nie passiert. Das muss man so deutlich sagen.“
Eine Erweiterung des Fahrerfeldes hätte in seinen Augen nur Vorteile, zumal es „zwei Hände voll“ an Fahrern gäbe, die einen Platz in der Königsklasse verdient hätten. „Die Masse macht es doch auch cool und so hätten mehr Leute die Chance, sich zu beweisen“, meint der gebürtige Bayer.
Stuck mit Rat an Mick Schumacher – Seitenhieb gegen Steiner
Einer dieser neuen Plätze könnte dann auch Mick Schumacher einnehmen. Die deutsche Formel-1-Hoffnung ist derzeit nur Testfahrer bei Mercedes – eine durchaus gefährliche Rolle für Stuck.
„Mit Sicherheit wird er zurzeit viel lernen, sowohl mit Tests als auch Simulatorarbeit. Aber wie er an ein Cockpit kommt, muss sich noch herausstellen. Wenn du dich nicht im Rennen zeigen und beweisen kannst, gerätst du leider schnell aus dem Fokus der Öffentlichkeit“, glaubt der frühere F1-Pilot.
Deswegen rät er dem Sohn von Michael Schumacher auch von einem zweiten Jahr in dieser Rolle ab. Schließlich hat sich Schumacher einen Platz bei einem Team verdient – dafür braucht der 24-Jährige aber auch das richtige Umfeld.
„Er soll seine Fähigkeiten noch einmal unter Beweis stellen dürfen und zwar in einem Auto, das er verdient, und mit einem anständigen Teamchef. Nicht wie Günther Steiner, der nicht weiß, wie man Leute führt und weiterbringt“, sagt Stuck.