Das hatte sich Marc-André ter Stegen ganz anders vorgestellt.

Das Duell mit Manuel Neuer war mit Spannung erwartet worden beim Champions-League-Viertelfinale zwischen dem FC Barcelona und dem FC Bayern. Die jüngsten Aussagen von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hatten ihr Übriges getan, dass Fußball-Deutschland auf das Aufeinandertreffen der beiden Nationalkeeper hinfieberte.

„Manuel ist Weltklasse, ter Stegen auf dem Weg dahin“, hatte Rummenigge im Vorfeld des Duells gesagt. Eine Aussage, die nicht jeder teilt. Ter Stegen selbst sicher auch nicht. Nun kam es also zum direkten Duell. Doch während Neuer Schlussmann hinter einer hungrigen und fokussierten Mannschaft war, kämpfte ter Stegens Team doch eher mit stumpfen, eingerosteten Waffen, am Ende stand ein 2:8-Debakel historischen Ausmaßes.

Ter Stegen muss früh hinter sich greifen

Bereits nach vier Minuten musste der Barca-Keeper das erste Mal hinter sich greifen, als Thomas Müller unhaltbar abzog. Als Neuer drei Minuten später auf der Gegenseite von seinem eigenen Abwehrspieler David Alaba ebenfalls überwunden wurde, war die Welt aus Barcelona-Sicht für ein paar Minuten wieder in Ordnung.

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In der Anfangsphase waren die Katalanen durchaus präsent und gefährlich, eine Führung wäre möglich gewesen. Doch in der Folge wurde der Verlauf des Abends immer offensichtlicher. Die Bayern schnürten den spanischen Vizemeister ein, Lionel Messi & Co. suchten ihr Heil in durchaus gefährlichen Kontern, die sie aber nicht konsequent zu Ende spielten. Und wenn sie es doch taten, war Neuer zur Stelle, der ein paar Mal gegen Suarez retten musste. (SPORT1-Note: 2)

Anders sah es auf der Gegenseite aus. Die Bayern stellten Barca mit ihrem Pressing vor Riesenprobleme, störten das Aufbauspiel des Gegners ungemein früh.

Gerard Piqué fordert nach der krachenden Niederlage gegen den FC Bayern Veränderungen im Klub. Sich selbst schließt das Klub-Urgestein davon nicht aus.

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Das 2:1 fiel dann wenige Minuten später – aus Sicht von ter Stegen äußerst unglücklich. Ivan Perisic zog von links ab, ter Stegen hielt den Fuß rein. Da Clement Lenglet den Ball aber vorher noch abfälschte, sprang der Ball vom Bein des Keepers ins Tor.

Ungewöhnlich viele Fehlpässe

Das dominante Auftreten des deutschen Rekordmeisters zeigte Wirkung, auch bei ter Stegen. Der sonst so stark mitspielende Torwart streute ungewöhnlich viele Fehlpässe ein.

„Ter Stegen war nicht wiederzuerkennen. Er strahlte keine Ruhe aus“, urteilte die spanische Zeitung Sport. Die as bezeichnete die Spieleröffnung der Katalanen als „griechische Tragödie“. Der deutsche Keeper war da nicht ausgenommen.

Und die Fehlpässe des 28-Jährigen wurden teilweise echt gefährlich. Bei einem kurzen Zuspiel auf den Verteidiger wurde dieser direkt attackiert, woraufhin Robert Lewandowski frei vor ter Stegen auftauchte. Nur eine Fußparade verhinderte das zwischenzeitliche 1:4 nach einer halben Stunde.

Das 2:1 der Bayern war das einzige Tor, was ter Stegen mit Glück hätte verhindern können. Danach war der deutsche Keeper nur noch zu Bemitleiden. Vier Gegentore in der ersten Hälfte kassierte in der Königsklasse noch kein Barca-Torwart, acht Tore insgesamt auch nicht.

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Neuer hat Mitleid

Vor allem in der zweiten Hälfte, als die Katalanen sich relativ früh ihrem Schicksal ergaben, war ter Stegen der einzige, der sich noch wehrte. Ohne seine Paraden hätte das Spiel sogar zweistellig für die Bayern ausgehen können.

Alphonso Davies bereitet mit einem Traumsolo das 5:2 der Bayern vor. Im Fantalk werden Vergleiche zu Lionel Messi laut.

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Während die Bayern für Superstar Lionel Messi kein Mitleid empfanden, sah es bei ter Stegen etwas anders aus. „Es tut mir ein bisschen leid für Marc, dass er so viele Tore kassiert hat. Für uns ist es natürlich gut, aber das wünscht man natürlich keinem Teamkollegen aus der Nationalmannschaft“, erklärte 34-Jährige bei Sky.

Worte, die ter Stegen kaum trösten dürften. Er wollte Fußball-Deutschland ein weiteres Mal beweisen, dass er mindestens ebenbürtig zur deutschen Nummer eins ist – auch wenn er das eigentlich gar nicht mehr muss.

Stattdessen erlebte er die wohl bittersten 90 Minuten seiner Karriere. Und er war nicht ganz unschuldig daran.

Maximilian Schwoch, Jahrgang 1989, geboren in Haan, aufgewachsen in Hamburg. Studierte Sportjournalismus in Hamburg. Nach seinem Studium mit Praktika, unter anderem bei Transfermarkt.de. Absolvierte von...