Hallo Liebe F1-Freunde,

der Grand Prix von Australien und seine diversen Gefühlswelten – überschäumende Euphorie, Lächeln der Zufriedenheit und Schmerzen prägen das Bild.

Die Ferraristi weltweit laben sich an lange vermissten Endorphin-Ausstößen, genießen den Glücks-Rausch, den der zweite Saisonsieg von Charles Leclerc auslöst.

Die Rote Göttin ist auf allen Strecken siegfähig, Leclerc hat selbst beim Re-Start die Attacken von Verstappen locker abgebügelt. Das Gesamt-Paket aus Maranello ist derzeit das beste im Feld. Es besticht vor allem durch Zuverlässigkeit. Ein wesentlicher Faktor im Kampf um die WM-Titel!

Mercedes: Wolff lächelt wieder

Bei Mercedes sieht man wieder einen lächelnden Teamchef. Toto Wolff freut sich über Zuverlässigkeit und Steigerungspotenzial, das man nutzen kann. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Die Silberpfeile sind die einzigen, die mit beiden Autos in allen bisherigen drei Rennen in die Punkte gefahren sind. Hamilton und Russell standen dabei jeweils einmal auf dem Podium. (BERICHT: „Keinen Spaß“: Verliert Hamilton Lust?)

Für die klare Nummer 3 im derzeitigen Leistungspaket ist Platz 2 in der Konstrukteurs-WM mehr, als eigentlich auf dem Papier drin ist. Ankommen ist essentiell, die Kinderkrankheiten, wie das enorme Bouncing, lassen sich aussortieren im Laufe der Zeit.

Mit einem breiten Grinsen verlassen auch Andreas Seidl und sein McLaren-Team Down Under. Zu Beginn der Saison begehrte Beute der Naschkatzen im Feld, durch die Plätze 5 und 6 wieder gehobener Mittelfeldstandard. Mit Tendenz Richtung Podiumspotenzial.

Verstappen drohen Schmerzen

Probleme verstehen und abstellen. Die papaya-orange Lösungssuch- und -Findungskompetenz erzeugt Durchstart-Motivation und bringt den gewünschten Push-Effekt fürs ganze Team.

Der versemmelte Saisonauftakt hat bei Mercedes und McLaren akute Schmerzen ausgelöst, war wegweisend zur Diagnose und hat entsprechende Behandlungen initiiert. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Red Bull und vor allem Max Verstappen drohen dagegen unter Schmerzen zu leiden, die chronisch werden könnten. Unliebsame Haupteffekte von chronischer Pein sind innere Erschöpfung und die Neigung aufzugeben. Dem gilt es entschieden gegenzusteuern. (NEWS: Presse zerlegt Red Bull nach Verstappen-Aus)

Verstappen ist ein Emotionsvulkan. Fortsetzende Niederlagen führen bei ihm mit Sicherheit zu immer lauter werdenden Unmutsäußerungen. Zwei Ausfälle in den ersten drei Rennen gab es für ihn zuletzt 2015 in seiner ersten F1-Saison mit Toro Rosso. (STIMMEN: „Katastrophe“: Verstappen tobt nach Aus)

Sainz in paradoxer Lage

Der Niederländer ist für die Teamführung schwer zu kontrollieren. Mit einem überaus langjährigen Vertrag hat man alles auf ihn gesetzt und ihm die Königsrolle gegeben. An ihm und seinem Verhalten werden sich viele im Team orientieren.

Entscheidend bei den Zuverlässigkeitsproblemen seines Boliden wird sein, wie hoch die Schmerztoleranz von Verstappen ist. Sein Ehrgeiz übertrifft alles, Niederlagen nagen an seinem Ego. Und das lässt er alle schnell spüren.

Die Ausfälle in Bahrain und Melbourne, jeweils auf Platz 2 liegend, haben rechnerisch 36 Punkte gekostet. Das sind 36 Nadelstiche in eine dünne Haut! Lebt er seinen sich steigernden Frust aus, kann er das gesamte Team damit in den Keller runterziehen. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Carlos Sainz drohen affektive Schmerzen, ein Gefühl, das sich quälend und lähmend äußert, und eine emotionale Langzeitwirkung ausüben kann. Eigentlich paradox. Denn so gut wie jetzt, war der Spanier noch nie in seiner F1-Karriere.

Sainz wie einst Webber und Barrichello?

33 Punkte in drei Rennen, zwei Podiumsplatzierungen in diesem Zeitraum und Platz 3 in der Fahrerwertung – alles Bestwerte.

Aber der Teamkollege gewinnt mit dem gleichen Material zweimal, ist souveräner Tabellenführer und der materialmäßig unterlegene Georg Russell hat mehr Punkte auf dem Konto. Das ist die andere Seite.

Der innere Druck lässt den Spanier beim Start in Melbourne einen gravierenden Startfehler begehen, Mick Schumacher kassiert ihn mit dem Haas auf der Strecke und in der Folge verabschiedet sich Sainz nach kapitalem Fahrfehler unrettbar ins Kiesbett.

Aus der Nummer 2 Rolle bei Ferrari kommt er jetzt schon nicht mehr raus. Was das für sein Gefühlsleben und seine Rolle auf dem Grid bedeutet, darüber kann er sich mit Bottas, Barrichello und Webber unterhalten.

Vettel mit vielen Problemzonen

Auf alle Fälle eine schmerzhafte Erfahrung. Er sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass er nie Weltmeister werden wird. Ansonsten droht er an dem daraus entstehenden Phantomschmerz zu zerschellen.

Die Schmerzwelten von Sebastian Vettel haben von allem etwas. Der Aston Martin ist eine Warmluftpumpe, von vorne bis hinten behaftet mit Problemzonen, die innerhalb einer Saison nicht auszubügeln sind. Damit kann der viermalige Weltmeister nur schlecht aussehen.

In der Formel1 findet in den letzten Jahren ein Generationswechsel statt, der nicht nur die Fahrer, sondern auch die Fans der Formel1 betrifft.

In der Formel1 findet in den letzten Jahren ein Generationswechsel statt, der nicht nur die Fahrer, sondern auch die Fans der Formel1 betrifft.

Die körperlichen Wirkungen durch Corona sind von den Schmerzen nach seinem heftigen Einschlag im Rennen abgelöst worden. Zudem plagen ihn die Nöte der Ukraine und sein Verantwortungsgefühl für die geschundene Umwelt.

Inwieweit sein 70iger Jahre Hippie-Rebellen-Look bei Teambesitzer und Milliardär Stroll, der sich als polyglotter Wirtschaftsmogul sieht, und sich gerne mit Symbolen von Reichtum umgibt, sensorische Schmerzen auslöst, kann nur vermutet werden. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Williams: Albon gelingt Kunststück

Eine gute Eigenschaft der Menschen ist die Möglichkeit, zu vergessen und zu verdrängen. Für Williams waren die vergangenen Jahre äußerst schmerzhaft als notorischer Abonnent auf die Rote Laterne.

Positive Erlebnisse überdecken Narben, lassen optimistisch nach vorne schauen. Und diese Wirkung könnte der erste seit langem ergatterte WM-Punkt durch Alexander Albon haben.

57 von 58 Runden auf nur einem Reifensatz – von ganz hinten am Ende vorne auf Platz 10. Eine Risikostrategie, die ein ganzes Team feiern lässt und Hoffnung gibt.

Wer von den Geschlagenen in Australien gut im Wunden-Lecken ist und über Steh-Auf-Männchen-Qualität verfügt, werden wir in Imola sehen.

Bis dahin PEDAL TO THE METAL – Ihr Peter Kohl.

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Peter Kohl, Jahrgang 1962, ist in Oberstdorf im Oberallgäu aufgewachsen. Wintersport liegt ihm deshalb im Blut. Er war selbst im Leistungssportbereich im Eisschnelllauf unterwegs, bis seine Knie den Anforderungen...