Eine Legacy schreibt sich nicht nur auf dem Spielfeld – auch abseits dessen haben sich große Sportlerpersönlichkeiten in den Ruhmeshallen, Gazzetten und Gedächtnissen ihrer Fans verewigt.
Wenn allerdings auch die Teamkollegen plötzlich spüren, dass es ernst wird bei einem ihrer Superstars, dann schreibt sich eine große sportliche Erzählung. Wie bei Steph Curry am Sonntag mit seinem 50-Punkte-Spiel in Game 7 der ersten Playoff-Runde gegen die Sacramento Kings, mit denen er den Dubs ein Aufeinandertreffen mit den LA Lakers um LeBron James und Dennis Schröder ermöglichte.
Doch bereits am Samstag wussten Draymond Green, Jordan Poole und Co.: Unsere Nummer 30 macht ernst! Denn Curry hob zu einer Rede an, im neunten Stock der Oracle Arena – und sie sollte geschichtsträchtig werden.
Wie aus einem Bericht von The Athletic hervorgeht, habe Curry nach der lust- und kraftlosen Niederlage der Warriors in Game 6, und der damit verpassten Chance auf das Weiterkommen, nicht schlafen können.
Ebenso wenig wie Forward Draymond Green. Dieser textete Curry wohl, dass er bereit für eine Rede sei.
Und Curry? Im Stile eines Leaders entgegnete ihm nur: Lass mich das mal machen!
Curry: „Ich spreche nicht viel, aber ich habe etwas zu sagen!“
Vor der Videoanalyse beim Samstagstraining erhob Curry mehreren Quellen zufolge dann seine Stimme. „Ich spreche nicht viel“, sagte er zum Team, „aber ich habe etwas zu sagen.“
Und es sollte eine Rede folgen, die für Gänsehaut sorgte. Curry erklärte, dass er an seine Teamkameraden glaube. Im Gegenzug bat er um ihr Vertrauen.
Jeder der urlaubsreif sei und nicht bereit sei, alles zu gehen, bräuchte gar nicht in den Bus nach Sacramento steigen. Wenn sie in den Bus steigen, würde er nochmal prüfend schauen, um sicher zu gehen, dass sie ihn bei seiner Mission unterstützen. Und wenn sie in den Bus steigen, versprach er, dass er liefern würde. Mit seinem Spiel, seinem Glauben und ihrer Solidarität würden sie gewinnen.
Er beschwor sie, alle Gefühle beiseite zu legen – was als Botschaft an Jordan Poole, Jonathan Kuminga und andere Spieler gemeint sein könnte, die wegen der mangelnden Spielzeit und der Rolle im Team unglücklich sein sollen – und sich auf die gemeinsame Mission zu konzentrieren. Jeder, der sich von seinen Emotionen steuern lassen würde, sollte lieber zu Hause bleiben.
Und die Rede zeigte Wirkung. Nicht nur bei Curry selbst, der noch nach Anmerkungen fragte. Vocal-Leader Draymond Green schrie daraufhin: „Genug gesagt, Champ! Niemand hat mehr etwas! Das ist es. Was kann man noch sagen?“
Wiggins, Green und Poole beeindruckt
Auch die anderen Teamkollegen waren tief beeindruckt. „Es hat mich geschüttelt“, sagte Andrew Wiggins. „Nr. 30 (Rückennummer von Curry; Anm. d. Red.), ist anders, Mann.“
Auch der zuletzt unglücklich wirkende Jordan Poole hatte nichts als Bewunderung für Curry übrig: „Er hat den gleichen Vorteil wie alle anderen Großen. Mamba-Mentalität, all das Zeug. Steph hat das alles. Das ist es, was ihn so besonders macht. Vielleicht ist seine Herangehensweise ein bisschen anders als die der anderen Jungs, aber wir wissen, dass er ein Killer ist. Jeder auf der Welt weiß, dass er ein Killer ist.“
Nach der Rede von Superstar Curry übernahm dann auch der Leitwolf des Teams, Draymond Green, nochmal das Wort.
Er pflichtet Curry bei und nahm seine Kollegen in die Pflicht: „Du bist in einem Bereich, in dem du entweder einknicken oder dich erheben kannst. Sobald er das getan hat, hast du keine andere Wahl als dich zu erheben. Er hat jeden verdammt noch mal eingespannt.“
Zeitgleich startet er noch einen eigenen Appell: „Wenn du in diesen Bus steigst, verpflichtest du dich gegenüber diesem Team. Egal, ob du null Minuten oder 40 Minuten spielst. Ihr verpflichtet euch, alles zu tun, was nötig ist. Bereitet euren Geist und euren Körper auf diese Chance vor, die wir haben. Wir haben uns neulich blamiert. So gehen wir nie wieder raus.“
Das Team hörte auf die beiden Leader und ging energiegeladen raus. „Er ist dieser Typ“, sagte Gary Payton II nach dem Spiel, „wenn er spricht, sollten alle zuhören. Denn Curry ist normalerweise ruhig und lässt sein Spiel für sich selbst sprechen. Aber er musste sagen, was er zu sagen hatte, weil er wusste, was für eine Stimmung das war … und ich glaube nicht, dass er dieses Spiel aufgeben wollte. Also führte er und wir folgten ihm.“
Nach seiner emotionalen Rede ließ Curry dann auch noch spektakuläre Taten folgen. Mit 50 Punkten auf dem Parkett lieferte er einen Rekord für ein entscheidendes Spiel 7!