Wrestling-Star CM Punk sorgt einmal mehr mit einem Backstage-Besuch bei einer anderen Liga für Gesprächsstoff. Diesmal allerdings Gesprächsstoff der anderen Art.
Fünf Tage, nachdem er völlig überraschend hinter den Kulissen der WWE-Show Monday Night RAW auftauchte und dort letztlich rausgeworfen wurde, schaute das prominenteste Gesicht des Rivalen AEW nun bei einer weiteren Promotion rein: der kleineren Liga Impact Wrestling (ehemals: TNA).
AEW-Star CM Punk: Nach WWE nun Impact
Auch Impact gastierte am Wochenende in Punks Heimat Chicago und zeichnete dort mehrere TV-Shows auf – unter anderem auch das Debüt der bei WWE im Streit geschiedenen Naomi, die nun Trinity heißt.
Punk kam wie bei WWE mit alten Kollegen ins Gespräch, ließ diesmal auch Fotos für deren Social-Media-Accounts schießen, Jordynne Grace ließ sich ebenso mit Punk ablichten wie WWE Hall of Famer Ricky Morton, eines der Idole der mit Punk befreundeten AEW Tag Team Champions FTR.
Wie Fightful berichtet, wurde Punk von Impact freundlich willkommen geheißen – was kein Wunder ist: Impact operiert inzwischen in weit kleinerem Maßstab als WWE und AEW und ist kein direkter Konkurrent. Die Aufmerksamkeit, die Punk bringt, kann der Promotion nur recht sein.
Impact war für eine Weile offizielle Partnerliga von AEW, dieser Deal gilt inzwischen jedoch nicht mehr: Impact-Chef Scott D‘Amore pflegt inzwischen eine Äquidistanz zu AEW und dem Marktführer WWE, mit dem es zuletzt auch Kooperationen gab, etwa in Form von Mickie James‘ Royal-Rumble-Auftritt im vergangenen Jahr.
Bei RAW-Besuch am Montag der Halle verwiesen
Punk war am vergangenen Montag überraschend hinter den WWE-Kulissen erschienen – eine anscheinend spontane Idee, nachdem er bei einem Flug aus Florida in die Heimat auf mehrere WWE-Wrestler getroffen war.
Wie der Pro Wrestling Insider unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, gab es unter anderem kurze Gespräche mit Ex-Champion The Miz und Firmenvorstand „Triple H“ Paul Levesque, mit denen er in der Vergangenheit Konflikte hatte.
Nach einiger Zeit wurde Punk jedoch von Sicherheitskräften der Halle verwiesen, aus unbekannten Gründen. Wie der Wrestling Observer inzwischen berichtet, sind viele, aber nicht alle bei WWE der Meinung, dass Firmeneigentümer Vince McMahon den Platzverweis verfügt hätte.
Überraschung und Irritation bei WWE und AEW
Laut übereinstimmenden Medienberichten hat Punks Besuch Kollegen in beiden Promotions überrascht und viele auch irritiert, vor dem Hintergrund seiner besonderen Geschichte mit beiden Ligen: Zu WWE hatte Punk nach der schmutzigen Scheidung 2014 zwischenzeitlich alle Brücken verbrannt, auch bei AEW schien er nach dem großen Eklat beim Pay Per View All Out im Herbst 2022 vor dem Aus zu stehen.
Stattdessen soll AEW-Boss Tony Khan nun ein Comeback mit Punk ausgehandelt haben. Der 44-Jährige – der noch einen längerfristigen Vertrag mit Khan haben soll – soll Star einer neuen, im Juni startenden Samstagsshow namens Collision werden (was mit einem viele Millionen Dollar großen TV-Geldregen verbunden sein dürfte).
Die Frage, warum sich Punk ausgerechnet kurz nach der Enthüllung dieser Nachricht entschied, eine neue Charmeoffensive beim Ex-Arbeitgeber zu starten, sorgt innerhalb der Szene nun für viel Getuschel.
Der Observer berichtete, dass Kollegen auch deshalb Hintergedanken bei Punk vermuten, weil er vor einigen Jahren selbst erbost auf eine teilweise vergleichbare Aktion eines Weggefährten reagiert hätte.
Warum der WWE-Besuch CM Punks so pikant war
Punk hätte es seinem ehemals besten Freund Colt Cabana schwer verübelt, dass er dem damaligen WWE-Trio Kevin Owens, Sami Zayn und Neville (jetzt Pac bei AEW) einen Freundschaftsbesuch abgestattet und mit ihnen gemeinsam Pizza essen gegangen war. Es geschah zu einem Zeitpunkt, als die beiden einen gemeinsamen Prozess gegen WWE-Arzt Chris Amann führten und Punk der Meinung war, dass Cabana und er jeden Kontakt zu WWE-Aktiven meiden hätten sollen (womit Punk wiederum viele alte WWE-Kollegen verärgerte).
Das hässliche Zerwürfnis zwischen Punk und Cabana – nun ebenfalls bei AEW unter Vertrag – war ein wesentlicher Faktor für die internen Spannungen zwischen Punk und mehreren AEW-Kollegen, die im vergangenen September mit einer beleidigenden Wut-PK Punks und einer Backstage-Prügelei mit den Young Bucks und Kenny Omega geendet waren.
Ex-WWE-Wrestler Lance Storm – ironischerweise jetzt Trainer und Producer bei Impact – sieht Punks Besuch bei WWE vor diesem Hintergrund ein „dreckiges Manöver“. Er vermutet eine „Botschaft“ an AEW-Boss Khan, dass er auch andere Optionen hätte, sollte sein AEW-Comeback wieder im Unfrieden enden.
Dass Punk daran interessiert ist, das zerrüttete Verhältnis zu WWE reparieren, wurde schon vor Jahren klar, als er sich von WWE-Partnersender Fox für die TV-Show „Backstage“ engagieren ließ, in der er Einschätzungen zum WWE-Programm abgab und dabei auch erstmals wieder mit dort ebenfalls involvierten WWE-Stars vor der Kamera stand. Vince McMahon ignorierte damals aber die Comeback-Avancen, stattdessen griff letztlich AEW zu.
AEW angeblich vor weiterer Personal-Enthüllung – Mercedes Moné?
Eine andere Theorie, die zu Punks WWE-Besuch kursiert: Es könnte auch Guerilla-Marketing gewesen sein, um Aufmerksamkeit auf sein Comeback zu lenken. Womöglich auch heimlich abgestimmt mit AEW-Boss Khan, der die Angelegenheit bislang nicht kommentiert hat.
Punks offenherzige Visite bei Impact war nun in jedem Fall eine virale PR-Maßnahme, an der niemand Anstoß nehmen dürfte – und letztlich auch ein cleverer Schachzug, um die Schärfe aus der Diskussion um seine Agenda zu nehmen. Nach dem Motto: Guckt mal, ich schaue hier doch einfach nur bei Kollegen vorbei, hier und dort.
Die Spannung vor Punks geplantem Comeback erhöhte sich am Wochenende auch durch eine Meldung des Observer, der berichtet, dass für die Collision-Premiere am 17. Juni noch ein weiteres „Comeback oder Debüt“ eines großen Stars in Planung sei.
Einige Indizien deuten auf Mercedes Moné, die ehemalige Sasha Banks – bei deren erstem Match für AEW-Partnerliga NJPW Punk ebenfalls vor Ort war. Moné – bei WWE Partnerin von Naomi / Trinity – ließ in der vergangenen Woche auch aufhorchen, in dem sie bei Twitter mehrfach Punks Motto „It‘s clobbering time“ zitierte.