Die Geschichte des LeBron James hat etwas von Don Quijote.

Nachdem seine vierte Finals-Niederlage besiegelt war, wirkte der Superstar der Cleveland Cavaliers auf dem Weg von der Kabine zur Pressekonferenz tatsächlich wie der Ritter von der traurigen Gestalt.

Wieder hatte er über die Schmerzgrenze hinaus gegen einen übermächtigen Gegner gekämpft und sich wie Cervantes‘ tragischer Held der Illusion vom Sieg hingegeben, um am Ende doch wieder ohne Lohn dazustehen.

„Ich weiß nicht, was schlimmer ist. Ich habe zweimal die Playoffs verpasst und nun viermal die Finals verloren. Mittlerweile denke ich, die Playoffs zu verpassen, wäre leichter zu verkraften. Es tut schon sehr weh“, sagte James. Da waren sie wieder seine Dämonen.

Fehlschlag für James

Dabei sollte doch diesmal alles anders werden. Als Held in strahlend Cavaliers-goldener Rüstung war er im Sommer 2014 in seine Heimat zurückgekehrt, um Cleveland die erste große Meisterschaft seit 1964 zu bringen.

Mit den All-Stars Kyrie Irving und Kevin Love bekam er zwei hochkarätige Knappen zur Seite gestellt. Endlich schien der „King“ bereit, aus Michael Jordans Schatten heraustreten zu können und den Makel des weltbesten Individualisten mit dem manchmal zu großen Ego abzustreifen.

„Alles was mich antreibt, ist die Meisterschaft. Dafür quälst du Körper und Geist. Wenn es nicht reicht, war die Saison ein Fehlschlag. Dann hast du nicht getan, was nötig war“, erklärte James seine Philosophie.

Große Verletzungspech trifft Cavaliers

Diesen Druck erlegt sich der viermalige MVP selbst auf. Die beiden Titel mit dem Starensemble in Miami haben die Meinung vieler Kritiker nicht verändert.

Denn auch dort setzte es nach vollmundigen Ansagen („nicht einen, zwei oder drei Titel…“) zwei Finals-Pleiten. Nur in Cleveland kann er – auch wegen der 0:4-Finals 2007 gegen die damals ebenfalls zu starken San Antonio Spurs – sein Vermächtnis und seine Wahrnehmung ändern.

Dabei war spätestens nach Irvings Gang ins Lazarett zu Love und Anderson Varejao klar, dass es gegen die jüngeren, talentierteren und schlicht als Team besseren Warriors kaum reichen würde.

Übermenschliche Finals-Zahlen

Wie Don Quijote ritt James dennoch zur Attacke und rang Golden State mit selbst von Jordan nie erreichten Mega-Statistiken zwei Spiele ab – die Cavs hätten sogar 3:0 führen können.

An unglaublichen 57,7 Punkten war er im Schnitt direkt beteiligt, holte 13,3 Rebounds, verteidigte alles von MVP Steph Curry bis Draymond Green und spielte selbst den Point Guard. Vier von elf Journalisten wollten ihn trotz Niederlage als MVP der Serie sehen.

„Wie er selbst gesagt hat: Er ist der beste Spieler der Welt. Ich glaube, der Respekt für LeBron in der Basketball-Welt ist in dieser Serie gewachsen“, sagte NBA-Star Chris Paul.

Wille und Leidenschaft unbestritten

Natürlich hat er nun mehr Finals verloren als Jordan, Magic Johnson und Larry Bird zusammen, aber wie wäre es Jordan 1998 ohne Scottie Pippen und Dennis Rodman ergangen?

Natürlich steht er – oftmals zu Recht – für seine markigen Aussagen und Entscheidungen (Stichwort: Decision) in der Kritik. Die Aura eines Jordan geht ihm ab. Dass er zu wenig investiert, kann James aber niemand vorwerfen.

Die Workouts mit seinem Fitness-Guru Mike Mancias sind ebenso legendär, wie die Kompressionsstrümpfe, die er im Flugzeug auf dem Weg zu oder von Spielen trägt.

Was passiert im Sommer?

Und so wird James auch im Sommer weiterkämpfen und seine Ausstiegsklausel womöglich sogar nutzen, um neu zu verhandeln, das Team um sich herum zu verbessern und das Management an der kurzen Leine zu halten.

Aufgeben ist ohnehin nicht die Art des mittlerweile 30-Jährigen. Diese Monster-Finals haben ihm viel Respekt eingebracht. Zufrieden wird Ritter James aber erst sein, wenn er endlich seine Windmühlen besiegt.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
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