Verpassen die Niederlande nach 2018 wieder eine Weltmeisterschaft?
Nach dem 2:2 gegen Montenegro beginnt bei Oranje das große Zittern. Noch ist die Mannschaft von Louis van Gaal mit 20 Punkten Tabellenerster, doch am letzten Spieltag kommt es zum Showdown mit Norwegen (Dienstag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER), das mit zwei Punkten Rückstand auf Rang drei liegt. (DATEN: Tabellen der WM-Qualifikation)
Dazwischen hat sich die Türkei mit Stefan Kuntz (18 Punkte) nach dem 6:0 gegen Gibraltar geschoben. Bei einem türkischen Sieg gegen Montenegro müssten die Niederlande also dringend punkten, um nicht auf Platz drei abzurutschen.
Die Presse ließ kein gutes Haar an der Elftal, die am Samstag in den letzten zehn Minuten eine 2:0-Führung verspielte. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der WM-Qualifikation)
„Blamage für Oranje“
„Was für eine Blamage für Oranje“, schrieb Het Nieuwsblad: „Der Weg zur Weltmeisterschaft war frei. Aber die Männer von Louis van Gaal haben das Geschenk in Montenegro nicht angenommen. Mit Blick auf die zwei späten Gegentreffer analysierte die niederländischsprachige Zeitung aus Belgien: „Die Niederländer wussten plötzlich nicht mehr, woran sie waren.“
Die spanische Marca meinte: „Nach dem Verpassen der letzten WM könnte sich das Unglück wiederholen“. Und Voetbal International aus den Niederlanden schrieb: „Oranje verschenkt alles.“ Das Algemeen Dagblad fand „amateurhaft“. Die Lage vor dem Geister-„Endspiel“ in Rotterdam gegen Norwegen? „Hoffnungslos“, ächzte der Fernsehsender NOS verzweifelt.
Depay schimpft: „Das ist superdumm“
Trainer Louis van Gaal schien nach dem Remis ratlos. „Ich kann mir das nicht erklären“, sagte der frühere Bayern-Trainer.
- „STAHLWERK Doppelpass“ mit Reiner Calmund und Inka Grings am Sonntag ab 11 Uhr LIVE im TV und im Stream auf SPORT1
Deutlicher wurde Memphis Depay. „Das ist superdumm. Das ist ein harter Schlag“, erklärte der Barca-Star bei NOS: „Wir lassen uns selbst, die mitgereisten Fans und die Fans zu Hause im Stich. Wir hatten es selbst in der Hand.“
Im Gefühl des sicheren Sieges habe man nur noch „tikkie-breed“ gespielt, also brotlose Kunst gezeigt. „Kindisch“, fand das Mittelfeldboss Frenkie de Jong.
Virgil van Dijk vom FC Liverpool meinte: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Unglaublich. Ich bin sprachlos. Ob ich wütend bin? Natürlich!“ Er und seine Teamkollegen hätten in der zweiten Halbzeit „unverschämt“ gespielt.
Montenegros „heldenhafter Wirbelsturm“
Ex-Nationalspieler Pierre van Hooijdonk erkannte eine „unangebrachte Arroganz“ bei van Gaals Team. Rafael van der Vaart kritisierte den Bondscoach persönlich: „Er hat gewechselt, als wäre die Qualifikation schon gesichert.“
Das „Finale“ um ein Katar-Ticket steht unter keinem guten Stern: Verteidiger Stefan de Vrij hat sich verletzt, zudem muss Oranje wegen der angespannten Corona-Lage vor leeren Rängen spielen. Der Verband schimpfte über „politische Armut“ und ätzte, die Entscheider wüssten „nicht mehr, was sie tun“.
Die Regierungsentscheidung sei „unlogisch“, sagte auch van Gaal.
Beim Gegner war die Freude dagegen groß. Die Zeitung Pobjeda sprach von einem „roten Wirbelsturm, der dafür gesorgt hat, dass die Niederländer noch nicht jubeln können“. Montenegro sei „heldenhaft und historisch“ und habe „einen Punkt gegen diese Weltmacht“ geholt.