Im strömenden Regen von London entluden sich mit dem Schlusspfiff die Emotionen. Zwei quälend lange Jahrzehnte des Wartens sind vorüber: Der FC Arsenal hat sich erstmals seit 2006 wieder ins Endspiel der Champions League gekämpft.

Die Gunners boten keinen Hurra-Fußball, knackten aber das Defensivbollwerk von Atlético Madrid beim 1:0 (1:0) im Halbfinal-Rückspiel und dürfen weiter vom ersten Triumph überhaupt in der Königsklasse träumen.

Mikel Arteta feiert mit Arsenal den Finaleinzug
Mikel Arteta feiert mit Arsenal den FinaleinzugMikel Arteta feiert mit Arsenal den Finaleinzug© IMAGO/Offside Sports Photography

Bukayo Saka (45.) schoss die Londoner nach dem 1:1 in der Vorwoche in Madrid zum zweiten Mal ins Endspiel. „Es ist eine wunderschöne Geschichte, und ich hoffe, dass sie in Budapest ein gutes Ende nimmt“, sagte der Matchwinner bei Amazon Prime.

Arsenal im Finale – folgt der FC Bayern?

Im Finale wartet allerdings die größtmögliche Aufgabe: In Budapest (30. Mai) bekommt es das weiter ungeschlagene Team um Nationalspieler Kai Havertz mit Bayern München oder Vorjahressieger Paris Saint-Germain zu tun. William Saliba hatte kurz nach Abpfiff keine Präferenzen. „Um ehrlich zu sein, ist es mir egal. Bayern und Paris sind so gut. Wir werden das Spiel morgen genießen und hoffentlich das Finale gewinnen“, sagte er bei Amazon Prime.

Die letzte Finalteilnahme endete dramatisch. 2006 unterlag der englische Topklub dem FC Barcelona im Endspiel mit 1:2. Jens Lehmann, der damals nach einer Notbremse mit Rot vom Platz flog, saß am Dienstag als Tribünengast im Emirates. Die neue Generation der Gunners will nun die große Sehnsucht nach dem Henkelpott stillen.

„Was dieser Verein in den letzten Jahren durchgemacht hat – Dinge, die einem als Spieler wehtun“, sagte Mittelfeldstar Declan Rice. „Wir haben sozusagen wieder die Wende geschafft. Wir hatten eine Phase, in der wir nicht unsere beste Leistung gezeigt haben. Wir haben etwas nachlässig gespielt, aber jetzt haben wir wieder zu unserer Form zurückgefunden.“

Arteta: „All das macht Sinn“

Trainer Arteta, der auf der Ehrenrunde mit seiner Mannschaft ausgelassen feierte, sagte:  „Es ist ein fantastischer Abend, diesen Moment gemeinsam mit den Spielern und allen im Verein zu erleben – ein unglaubliches Gefühl. All das, was wir tun und durchmachen, macht Sinn, und ich sehe so viele glückliche Gesichter, die stolz auf das sind, was wir leisten.“

Im Angesicht eines möglichen Titelgewinns war Arsenal in der Vergangenheit immer wieder mal die Puste ausgegangen. Auch in der laufenden Saison schrumpfte der zwischenzeitlich große Vorsprung des Premier-League-Spitzenreiters auf Verfolger Manchester City zuletzt signifikant. Doch mit dem 3:0-Sieg am vergangenen Wochenende gegen den FC Fulham und dem Patzer von ManCity beim FC Everton (3:3) gelang Arsenal ein Statement, das auch Schub für die Königsklasse verlieh.

Auch TV-Experte Wayne Rooney erkannte eine gewisse Reife bei den Arsenal-Profis. „Man sieht Mannschaften, die in der Champions League das Viertelfinale und Halbfinale erreichen, und jetzt sind sie noch einen Schritt weiter gegangen – diese Reife und die Tatsache, dass sie nun schon seit einigen Jahren zusammen spielen, zeigen sich wirklich“, sagte der frühere englische Nationalspieler.

Bukayo Saka bejubelt das 1:0
Bukayo Saka bejubelt das 1:0Bukayo Saka bejubelt das 1:0© IMAGO/News Licensing

Atlético blieb hingegen der dritte Finaleinzug nach 2014 und 2016 unter seinem Trainer Diego Simeone verwehrt. „Ich denke, wir hatten in der ersten Hälfte zu viel Respekt. Es sieht so aus, als ob wir darauf warten, dass etwas passiert und dann wachen wir auf“, sagte Atlético-Keeper Jan Oblak. „Es war nicht genug, um gegen so ein gutes Team wie gegen Arsenal zu gewinnen.“

Havertz kommt nicht zum Einsatz

Havertz, der den FC Chelsea 2021 zum Champions-League-Sieg geschossen hatte, zuletzt aber häufig von Verletzungsproblemen geplagt war, verpasste das Hinspiel angeschlagen und stand nun wieder im Kader. Für einen Einsatz reichte es aber nicht.

20 Jahre, hatte Teammanager Mikel Arteta betont, habe Arsenal auf diese Finalchance hingearbeitet: „Es ist in unseren Händen.“ In der Nacht zu Dienstag zündeten Anhänger in der Nähe des Atlético-Hotels sogar Feuerwerkskörper, um die Spanier um den Schlaf zu bringen.

Arsenal tut sich lange schwer

Dennoch wirkten die Atlético-Profis hellwach. Während die Gäste ihr schnörkelloses Umschaltspiel aufblitzen ließen und vereinzelt für Offensivgefahr sorgten, biss sich Arsenal die Zähne an der berüchtigten Defensive der Rojiblancos aus.

In der Ligaphase hatte sich Atlético in Nordlondon noch eine satte 0:4-Klatsche eingefangen, das Hotel wurde diesmal gewechselt, aus Aberglaube? Nein, nein, versicherte Simeone und ergänzte augenzwinkernd, die neue Unterkunft sei „einfach günstiger“.

Simeone lässt größte Ausgleichschance aus

Es half – jedenfalls bis kurz vor der Pause. Arsenal erspielte sich kaum Chancen, forderte nach einem leichten Stoßen gegen Leandro Trossard vergeblich einen Strafstoß beim deutschen Referee Daniel Siebert (34.) und durfte doch jubeln. Saka staubte ab, nachdem Jan Oblak einen Trossard-Abschluss stark pariert hatte.

Artetas Team, das in der Liga dank eines Patzers von Manchester City wieder auf Meisterkurs liegt, schenkte die Führung nach der Pause beinahe her. William Saliba verlängerte den Ball unfreiwillig zu Atléticos Giuliano Simeone, der die Riesenchance liegen ließ (51.). Für Arsenal verpasste Viktor Gyökeres die mögliche Entscheidung (66.) – und eröffnete damit eine intensive Schlussphase.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)