Australiens Nationaltrainer Tony Popovic hat seinen Torwart-Wechsel kurz vor dem Elfmeterschießen im WM-Sechzehntelfinale gegen Ägypten verteidigt. „Wir hatten einfach das Gefühl, dass Mats Erfahrung den Unterschied ausmachen würde. Am Ende hat es nicht funktioniert, aber nicht wegen einer Fehlentscheidung von Mat oder mangelndem Können. Sie haben einfach sehr gute Elfmeter geschossen“, sagte Popovic.

Anders sah das die heimische Presse. Die Auswechslung des zuvor starken Patrick Beach (22) für Stellvertreter Mathew „Mat“ Ryan (34) in der 119. Minute werde „als einer der umstrittensten taktischen Fehlgriffe in die australische Fußballgeschichte eingehen“, schrieb The Sydney Morning Herald. Ryan hielt keinen einzigen der vier ägyptischen Elfmeter, Australien verlor mit 2:4 im Shootout.

Laut Fox Sports Australia war erst das zweite Mal in der WM-Geschichte, dass ein Trainer einen solchen Wechsel kurz vor dem Elfmeterschießen wagte. 2014 hatte der damalige Bondscoach Louis van Gaal im Viertelfinale gegen Costa Rica in der 120. Minute Tim Krul für Jasper Cillessen eingewechselt – der Ersatzkeeper führte die Niederlande mit zwei gehaltenen Elfmetern ins Halbfinale.

Kurios: Auch Ryan hatte die Situation selbst schon einmal erlebt, nur anders herum. In der WM-Qualifikation 2022 gegen Peru wurde der damalige Kapitän kurz vor dem Elfmeterschießen für Andrew Redmayne vom Platz genommen, der mit zwei gehaltenen Elfmetern schließlich zum Helden wurde.

Der 34-jährige Ryan hatte in seiner Karriere zuvor (ohne Elfmeterschießen) zwölf von 69 Elfmetern gehalten. Der 22-jährige Beach stand hingegen bei einer mageren Quote von eins aus acht. „Popovic setzte auf nackte Erfahrung in einem historischen Moment – und verlor alles“, schrieb Fox Sports Australia.

„Es tut weh, wenn du so nah dran bist. Das ist schwer zu ertragen“, sagte Popovic. Dennoch könne er dank der gezeigten Leistungen bei dieser WM „nicht stolzer sein auf jeden einzelnen Spieler. Wir müssen das jetzt mitnehmen und daran wachsen. Ich bin mir sicher, dass diese Spieler viele Jungs und Mädchen in der Heimat inspiriert haben.“