ABGEKARTET: Ein Spieler der USA sieht eine Rote Karte (die man geben kann, wenn man die Regeln ernst nimmt). Die Amerikaner schimpfen, Außenminister Marco Rubio spricht von Betrug. Da hat sein Präsident aber schon längst zum Telefon gegriffen und persönlich beim Friedenspreisstifter der FIFA um einen Gefallen gebeten (oder war es eine Anweisung?). Folge: Folarin Balogun wird entsperrt, kriegt Rot auf Bewährung. FIFA-Präsident und Donald-Trump-Buddy Gianni Infantino ist nichts mehr heilig. Der Fußball steht nach diesem abgekarteten Spiel vor einer Zäsur, weil er dem Mann, der ihn lenken soll, offensichtlich völlig egal ist.

A-HA: Erling Haaland blieb erstaunlich gelassen. Allerdings: Sein Dauergrinsen bekam er nicht mehr aus dem Gesicht. Um ihn herum tobte eine norwegische Party, sein Vater Alfie, Ex-Nationalspieler, tanzte auf der Tribüne mit einem Glas Sekt, dann wurde im Stadion lauthals gesungen zum Evergreen „Take on me“ der norwegischen Band a-ha. Und, natürlich, gerudert. „Das ist das größte Spiel in der norwegischen Fußballgeschichte“, sagte Doppelpacker Haaland (79. und 90.) über das 2:1 (0:0) gegen den Rekordweltmeister. Norwegen bleibt die einzige Nation, gegen die Brasilien schon gespielt, aber in fünf Partien noch nie gewonnen hat. Nicht zuletzt, weil Bruno Guimaraes (14.) einen Foulelfmeter gegen den überragenden norwegischen Torhüter Örjan Nyland vergab. Der Anschluss durch einen weiteren Strafstoß, den Neymar verwandelte (90.+10), kam zu spät.

ABGEWICKELT: Neymar saß auf dem Rasen und weinte. Er weinte und weinte und weinte. Mitspieler versuchten noch, den Rückkehrer zu trösten, doch es half alles nichts. Am Boden zerstört zog sich der 34-Jährige sein Trikot über das Gesicht – das Achtelfinal-Aus von Brasilien stürzte ein ganzes Land in tiefe Trauer. Schon wieder. Es sei „unerklärlich, was da passiert ist“, sagte Kapitän Marquinhos, „wir müssen uns bei allen entschuldigen, dass wir es heute nicht geschafft haben“, sagte Kapitän Marquinhos nach dem 1:2 (0:0) gegen die Skandinavier: „Wir haben vier Jahre bis zur nächsten WM und hoffen dann, dass wir da gewinnen.“ Neymar wird dann wohl nicht mehr dabei sein. Er hat mehr oder weniger deutlich seinen Rücktritt angekündigt.

ABGEKÄMPFT: Nach dem Thriller in der Höhenluft von Mexiko-Stadt hatte Harry Kane keine Stimme mehr. Er war außer Atem, er war heiser, nicht zuletzt vom gemeinsamen Singen von „Wonderwall“ mit den euphorisierten englischen Anhängern. „Sorry, meine Stimme ist weg, ich habe die ganze Zeit gesungen, ich kann nicht wirklich reden“, entschuldigte sich Kane bei der Reporterin der BBC gleich nach dem Schlusspfiff. 3:2 (2:1) gewannen die Engländer, die ab der 54. Minute nach dem Platzverweis von Jarell Quansah in Unterzahl waren – und es war in der Tat ein atemraubendes Spiel auf mehr als 2200 Metern Höhe. Jude Bellingham (36./38.) schockte die Gastgeber mit einem Doppelschlag innerhalb von 98 Sekunden, Kane (60.) traf per Foulelfmeter. Mexiko blieb durch die Anschlusstreffer von Julian Quinones (42.) und Raúl Jiménez (69., Foulelfmeter) immer dran – und verlor letztlich doch erstmals in seiner Geschichte ein WM-Spiel im ikonischen Nationalstadion in Mexiko-Stadt.