Wenn Bones Hyland das Spielfeld betritt, bekreuzigt er sich.

Nun sind solche Gesten im Profisport nichts Ungewöhnliches und werden unzählige Male in den Stadien und Arenen weltweit gezeigt. Wenn der Rookie der Denver Nuggets jedoch eingewechselt wird, kommt es tatsächlich fast einem Wunder gleich. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NBA)

Denn vor fast vier Jahren bekam der junge Mann aus Wilmington (Delaware) von einem Arzt die Schocknachricht, dass seine Basketballkarriere beendet sei.

Zuvor musste Hyland aus dem ersten Stock seines brennenden Hauses springen, wobei er sich die Patellasehne im rechten Knie riss. Glück im Unglück: Er kam mit dem Leben davon. Die Großmutter und sein elf Monate alter Cousin starben in den Flammen.

Schockdiagnose: Basketballkarriere soll vorbei sein

„Jedes Mal, wenn ich eingewechselt werde, bekreuzige ich mich. Ich bin dankbar, in dieser Situation zu sein, dankbar überhaupt noch Basketball zu spielen, denn vor vier Jahren sagten die Ärzte, ich könne nie wieder Basketball spielen“, erinnert er sich an diese Zeit.

Dass er nun doch in der besten Basketballliga der Welt aufläuft, hat er seinem unbändigen Ehrgeiz zu verdanken. Statt die Arztdiagnose hinzunehmen, absolvierte er ein hartes Reha-Programm und schaffte es tatsächlich in das Basketballprogramm der Virginia Commonwealth University.

Nach einem durchwachsenen ersten Jahr platzte in der zweiten Saison der Knoten. Er legte 19,5 Punkte im Schnitt auf und warf sich so in die Notizbücher der Scouts. Zusätzlich gab es noch den Player-of-the-Year-Award der Atlantic 10 Conference.

Hyland kämpft sich in die NBA

Im Draft 2021 wurde er dann tatsächlich an Position 26 von den Denver Nuggets ausgewählt. Wenn es nach Hyland selbst gegangen wäre, hätte er sogar noch früher gezogen werden müssen: „Ich bin der beste Scorer in diesem Draft. Ich gehe viel klüger als die anderen Guards mit dem Ball um, ich werfe besser und kann tiefere Dreier treffen.“

Kleine Anekdote aus dem Draft: Aufgrund seines schmächtigen Körpers bekam er den Spitznamen Bones verpasst. Getauft wurde er eigentlich auf den Namen Nah‘Shon. Ein mehr als passender Name für den Guard. Einem jüdischen Midrasch (Auslegung religiöser Texte, Anm.d.Red.) zufolge ging Nahshon kopfvoran in das Rote Meer bis es sich teilte, um so den Hebräern den Marsch durch das Rote Meer zu ermöglichen.

Philadelphia feiert den Gäste-Rookie

Auch Hyland stellte sich allen Schwierigkeiten, bis er seinen großen Traum von der NBA erfüllen konnte. Und auf dem Weg dorthin hat er die Personen, die ihm an seinem schlimmsten Tag zur Seite standen nicht vergessen: die Feuerwehrleute aus Wilmington.

Als er mit den Nuggets bei den Philadelphia 76ers spielte, gerade einmal 30 Autominuten von Wilmington entfernt, hatte er ebendiese Feuerwehrmänner samt deren Familien eingeladen. Das führte zu der skurrilen Szene, dass in Philadelphia ein Rookie der Gastmannschaft lautstark von den Zuschauerrängen angefeuert wurde.

Und Nah‘Shon machte seinem Namen einmal mehr alle Ehre: Er erzielte 21 Punkte von der Bank, davon drei Dreier in Folge im letzten Viertel sowie ein weiterer Dreier in der Crunchtime.

Damit war er selbst mit den Superstars Joel Embiid und Nikola Jokic auf Augenhöhe und führte Denver zu einem 114:110-Auswärtssieg. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NBA)

Hyland lebt seinen Traum

„Zurück in meine Heimatstadt zu kommen, in die Nähe meiner Stadt, 30 Minuten entfernt, und hier eine Show abzuliefern, das ist für mich ein wahr gewordener Traum“, beschrieb er nach dem Spiel dieses Erlebnis.

Viel wichtiger sei ihm jedoch, dass er überhaupt Basketball spielen könne. „Ich versuche, da rauszugehen und mit Freude und Elan zu spielen und einfach immer ich selbst zu sein.“

Vor vier Jahren schien ihm dieser Traum für immer verwehrt.

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