Von Jonas Nohe

München – Noch läuft es nicht so richtig rund bei Borussia Dortmund.

Die sonst so gut geölte Hochgeschwindigkeits-Maschinerie des BVB hat auf den ersten Metern der neuen Saison noch Anlaufschwierigkeiten.

Die ersten Testspiele wurden allesamt gewonnen. Die Gegner hießen aber auch noch nicht Bayern München oder Real Madrid, sondern Hessen Kassel oder 1. FC Heidenheim.

Und zuletzt beim Drittligisten VfL Osnabrück stimmte dann nicht einmal mehr das Ergebnis. Mit dem 1:1 riss die Siegesserie des BVB in den Testspielen.

Trotzdem blickt man in Dortmund einen Monat vor dem Bundesliga-Start optimistisch in Richtung neue Spielzeit – und das, obwohl bis auf die Neuzugänge Ciro Immobile und Dong-Won Ji noch alle WM-Teilnehmer im Urlaub weilen.

Denn der BVB hat seine Transfer-Hausaufgaben nach dem Transfer von Weltmeister Matthias Ginter erledigt und geht so breit aufgestellt wie nie in die Saison. SPORT1 skizziert die neuen Möglichkeiten in Dortmund.

Mkhitaryan torhungrig, Subotic zurück

Dort haben sie mit Wohlwollen die ersten Testauftritte von Henrikh Mkhitaryan zur Kenntnis genommen. In seiner Premierensaison beim BVB oft Grenzgänger zwischen Genialität und Unsichtbarkeit, ließ der Armenier in den ersten beiden Spielen mit drei Treffern aufhorchen.

Zum anderen gibt es positive Neuigkeiten aus dem Lazarett. Marco Reus und Jakub Blaszczykowski könnten bis zum Bundesliga-Start fit sein, Neven Subotic feierte gut acht Monate nach seinem Kreuzbandriss sogar schon sein Comeback.

„Es ist ein schönes Gefühl, wieder zurück zu sein. Ich hatte jede Menge Spaß“, sagte der Innenverteidiger nach 16 Minuten Einsatzzeit in Heidenheim.

SHOP: Jetzt BVB-Fanartikel kaufen

Selbst der langzeitverletzte Rückenpatient Ilkay Gündogan gibt Anlass zur Hoffnung. „Er fühlt sich so wohl wie seit Monaten nicht mehr“, erklärte Trainer Jürgen Klopp zuletzt. Er freue sich „auf den Tag, an dem er uns wieder zur Verfügung steht.“

Ginter als jüngster Coup

Bis es soweit ist, darf sich der BVB-Coach an einigen neuen Gesichtern erfreuen.

Als jüngsten Coup brachten die Verantwortlichen für etwa zehn Millionen Euro den Transfer des frischgebackenen Weltmeisters Ginter vom SC Freiburg unter Dach und Fach.

„Wir sind froh und auch ein bisschen stolz, dass er sich so früh und eindeutig zu Borussia Dortmund bekannt hat“, sagte Sportdirektor Michael Zorc nach der Verpflichtung. Man habe sich „ganz bewusst dazu entschieden, mit vier starken Innenverteidigern in die Saison zu gehen.“

Jede Position doppelt besetzt

Der Vorteil: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als es dem BVB-Kader oft an der nötigen Breite fehlte, ist für die kommende Saison jede Position mindestens hochwertig doppelt besetzt.

Das ist Dortmunds neuer Kader:

Gerüchten, dass die Dortmunder nun womöglich Mats Hummels oder Marco Reus noch abgeben könnten, trat Klopp daher entschieden entgegen.

„Ich kann allen versichern, dass es keinerlei Anzeichen gibt, dass die beiden weg wollen. Marco und Mats werden in der neuen Saison bei uns spielen“, erklärte der Fußballlehrer in einer Gesprächsrunde der „Ruhr Nachrichten“.

Härtefälle drohen

Aber auch Klopp ist sich der Brisanz bewusst, die der neue Personalluxus mit sich bringt.

„Ab September sitzen vielleicht Spieler auf der Tribüne oder auf der Bank, die woanders spielen würden. Die aber dann in der Woche danach wieder in der Startelf stehen“, kündigte Klopp an und betonte: „Wir müssen auf alle Situationen vorbereitet sein.“

Das gilt vor allem auch für den Sturm, wo der zum FC Bayern abgewanderte Torjäger und Alleinunterhalter Robert Lewandowski ersetzt werden muss.

Sturm als größtes Fragezeichen

Mit Serie-A-Torschützenkönig Immobile, Ji und Adrian Ramos kamen dafür gleich drei neue Angreifer, die auf ihrer Position für eine in Dortmund bisher ungewohnte Vielfalt und Breite sorgen.

Und trotzdem bleibt der Sturm das größte Fragezeichen im Borussen-Konstrukt.

„Das wird das spannende Thema in der kommenden Saison sein“, sagte auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der „Welt“: „Es darf nicht vergessen werden, dass wir einen der besten Angreifer Europas verloren haben. Das muss erst mal aufgefangen werden.“

„Veränderungen im Spielstil“

Während Abwehr- und Mittelfeldreihe eingespielt sind, müssen die neuen Rädchen an vorderster Front erst noch ineinander greifen. Watzke kündigte bereits „Veränderungen im Spielstil“ an. Ein neues System für neue Erfolge?

Möglich, denn die Spieler dafür hat der BVB. Ob die Stoßstürmer Immobile und Ramos gemeinsam funktionieren, scheint eher fraglich. In Kombination mit dem beweglichen Ex-Augsburger Ji wäre eine Doppelspitze aber durchaus vorstellbar.

Auch dahinter kann Klopp variieren – dank zahlreicher flexibel einsetzbarer Spieler.

Kevin Großkreutz ist wohl das Paradebeispiel des vielzitierten „polyvalenten Profis“. Auch Reus, Mkhitaryan, Gündogan oder Jonas Hofmann sind zumindest im Mittelfeld auf vielen Positionen einsetzbar.

So wäre auch ein 4-4-2 – egal, ob mit Raute oder zwei defensiven Mittelfeldspielern – oder das in der vergangenen Saison schon von Zeit zu Zeit praktizierte 4-3-3 denkbar.

Watzke warnt vor Verfolgern

Unabhängig von der Spielweise bleiben die Ziele in Dortmund dieselben: Im Pokal möglichst der Finaleinzug, Überwintern in der Königsklasse und die erneute direkte Champions-League-Qualifikation.

Dabei müsse man aber „auch schauen, wer von hinten kommt: die Werksklubs aus Wolfsburg und Leverkusen, dazu Schalke“, sagte Watzke mit Blick auf die neue Bundesliga-Saison. Am 23. August steht zum Auftakt direkt das Duell mit den Leverkusenern an.

Spätestens dann sollte die BVB-Maschinerie wieder auf Hochtouren laufen.