Marcel Kittel und John Degenkolb feierten. Und nicht nur sich selbst.
In einer Diskothek am Triumphbogen bejubelten die beiden Top-Sprinter das erfolgreichste Abschneiden in der Geschichte der Tour de France.
„Das war die beste Tour, die wir je hatten“, fand Kittel, der am Sonntag mit seinem Sprintsieg auf den Champs Elysees den Rekord perfekt machte und Champagnerduschen am Teambus von Giant-Shimano verteilte.
Mit sieben Etappenerfolgen hatten Kittel (4), Tony Martin (2) und Andre Greipel (1) die bisherige Bestmarke aus den Jahren 1977 und 2013 übertroffen.
„Es zeigt, dass der deutsche Radsport Weltspitze ist, das ist beeindruckend“, sagte Kittel.
Erfolg soll auf andere Ebenen
Dank der Sprintdominanz und Martins Zeitfahr-Qualitäten ging im Schnitt jede dritte Etappe an einen deutschen Fahrer.
Mit etwas Glück wären weitere Siege des zweimal zweitplatzierten John Degenkolb hinzugekommen. Die deutschen Radprofis sind erfolgreich wie nie.
Nun wollen sie, dass ihre Disziplin auch auf anderer Ebene wieder auf die Beine kommt: Der Ruf des Radsports ist in Deutschland durch die Dopingskandale besonders gebeutelt, zahlreiche Fans und Geldgeber haben sich abgewandt.
Die Erfolge einer neuen, unbelasteten Generation – und ihr offensiv vorgetragenes Bekenntnis zum Anti-Doping-Kampf – soll ihn wieder salonfähig werden.
Appell an die Öffentlich-Rechtlichen
„Das ist ein großes Signal an alle Fans in Deutschland, an die Medien in Deutschland, ohne jetzt ins Detail zu gehen“, sagt Kittel.
Allen voran wünschen sich die deutschen Fahrer eine Rückkehr der Tour-Live-Berichterstattung in die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten.
Schon vor der Tour wertete es Kittel im SPORT1-Interview als positives Signal, dass die Deutschen Meisterschaften zumindesten in den dritten Programmen zu sehen waren: „Das große Ziel, ein deutsches Team in der ProTour zu haben oder die Tour wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen, ist noch nicht erreicht, aber die Richtung stimmt und das Interesse wächst wieder.“
Hoffnung auf Werbe-Effekt
Nach der Tour erneuerten die deutschen Profis ihren Wunsch, dass sich künftig nicht mehr nur der Sportsender „Eurosport“ sich ihrer annehmen möge.
„Wir können den Radsport in Deutschland ein stückweit revolutionieren. Ich hoffe, dass uns jetzt Vertrauen geschenkt wird, die Schritte auch von der anderen Seite gegangen werden und wir wieder Live-Übertragungen haben“, sagte Degenkolb bei „Sky Sport News HD“.
Dies könne weitere Sponsoren anlocken und möglicherweise sogar zu einer Wiederbelebung der Deutschland-Tour führen.
Lobende Worte aus der ARD
Die Leistungen der deutschen Fahrer bleiben den Verantwortlichen von ARD und ZDF jedenfalls nicht verborgen.
„Auch wir verfolgen die Entwicklungen im Radsport, insbesondere bei der Tour de France, sehr genau und finden es sehr positiv, dass es momentan einen deutschen Nachwuchs gibt, der durch Offenheit und sein klares Bekenntnis zum sauberen Sport und ebenso jüngst durch Erfolge zu überzeugen weiß“, sagt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky:
„Vor diesem Hintergrund werden ARD und ZDF nach der Tour de France 2014 in Ruhe über die Zukunft der medialen Präsenz des Radsports in ihren Programmen beraten.“