Marc-Andre ter Stegen hätte bei der U21-EM eine Menge Geld verdienen können.

Dass sich Schweden in der Vorrunde gegen Italien und England durchsetzen und ein Halbfinale gegen Dänemark (ab 20.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) spielen würde, hätten vor Turnierbeginn wohl die wenigsten geglaubt.

Jonas Nohe vor Ort bei der U21-EM in Tschechien
Jonas Nohe vor Ort bei der U21-EM in Tschechien

Wie ter Stegen darauf kam? „Die haben einen Spieler, den ich sehr gut kenne. Und wenn er schon nicht oft spielt, dann weiß ich, dass die Qualität dort richtig hoch ist.“

Die Rede ist von Branimir Hrgota, ehemaliger Teamkollege ter Stegens bei Borussia Mönchengladbach, der im bisherigen Turnierverlauf erst 52 Minuten zum Einsatz kam.

Auch in Gladbach saß Hrgota zum Ende der vergangenen Saison meist auf der Bank. Jetzt aber ist er nur noch zwei Siege vom bisher größten Triumph seiner Karriere entfernt.

Vor dem EM-Halbfinale gegen Dänemark spricht Hrgota im SPORT1-Interview über die Olympia-Pläne von Zlatan Ibrahimovic, seine Zukunft in Gladbach und seinen ganz persönlichen Traum fürs EM-Finale.

SPORT1: Herr Hrgota, England ist raus, Italien ist raus, Schweden steht im Halbfinale der U21-EM – inwieweit hat Sie das selbst überrascht?

Branimir Hrgota: Natürlich hatten wir eine sehr schwere Gruppe. Aber für jeden Spieler von uns war es das Ziel, das Halbfinale zu erreichen – und jetzt sind wir hier, obwohl wir gegen Portugal nur ein paar Minuten vom Ausscheiden entfernt waren.

SPORT1: Ihr ehemaliger Teamkollege Marc-Andre ter Stegen sagt, man erkenne die Qualität der schwedischen Mannschaft allein daran, dass Sie nicht so viel zum Einsatz kommen. Wie beurteilen Sie Ihr Team und Ihre eigene Rolle?

Hrgota: Als wir zur Europameisterschaft gekommen sind, hatte der Trainer seine Mannschaft schon zusammen. Ich war bei der A-Nationalmannschaft und das hat es für mich schwierig gemacht, in die Startelf zu kommen. Aber natürlich haben wir ein großartiges Team. Wir spielen mit viel Herz, haben einen tollen Teamgeist. Das ist der Hauptgrund, warum wir im Halbfinale stehen.

SPORT1: Die Qualifikation für Olympia 2016 in Rio haben Sie schon in der Tasche. Was bedeutet das für Sie?

Hrgota: Das ist einfach großartig für jeden Einzelnen von uns. Auch für Schweden ist das eine tolle Sache, eine Mannschaft bei diesem Olympischen Turnier dabei zu haben. Das wird sicher ein tolles Erlebnis.

SPORT1: Sogar Zlatan Ibrahimovic hat schon Interesse geäußert, in Rio zu spielen. Er war sich aber nicht sicher, ob er einen Platz in der Mannschaft bekommen würde. Was meinen Sie?

Hrgota: Ich glaube, dazu muss ich nicht viel sagen (lacht). Wir alle wissen, wer Zlatan ist und was er kann. Wenn er bei Olympia spielen will, dann wird er auch spielen.

SPORT1: Sie kennen ihn von der A-Nationalmannschaft. In der Öffentlichkeit wird er als sehr exzentrisch wahrgenommen – wie haben Sie ihn als Teamkollegen erlebt?

Hrgota: Er ist eigentlich genau wie jeder andere auch. Natürlich bekommt er wegen seiner Fähigkeiten auf dem Platz sehr viel Aufmerksamkeit. Aber daneben ist er einfach ein netter Typ.

SPORT1: Im Halbfinale der EM wartet jetzt das skandinavische Duell mit Dänemark. Welche Erwartungen haben Sie an das Spiel?

Hrgota: Dänemark hat auch eine sehr gute Mannschaft. Sie sind in der Gruppenphase vor Deutschland gelandet, das sagt einiges über sie aus. Wir wollen unser Bestes geben – hoffentlich ist das gut genug, um ins Finale zu kommen. Und hoffentlich spielen wir dann gegen Deutschland.

SPORT1: Dafür müssten die Deutschen im anderen Halbfinale Ihren Gruppengegner Portugal bezwingen. Wie schätzen Sie Deutschlands Chancen ein?

Hrgota: Ich glaube, dass die Deutschen da sehr gute Chancen haben. Wenn man sich die ganzen Spieler auf dem Feld anschaut, dazu ter Stegen, der ein großartiger Torwart ist. Ich glaube, dass er seinen Kasten gegen Portugal sauber halten wird.

SPORT1: Wenn man noch einmal auf die vergangene Saison in Gladbach zurückschaut, dann haben Sie gerade am Ende nicht mehr allzu viel gespielt. Welche Gründe gab es aus Ihrer Sicht dafür?

Hrgota: Das sollten Sie Lucien Favre fragen. Er ist derjenige, der die Mannschaft aufstellt.

SPORT1: Ihr Vertrag in Gladbach läuft noch bis 2016. Beschäftigen Sie sich angesichts der fehlenden Einsatzzeit mit einem Wechsel?

Hrgota: Darüber denke ich im Moment noch nicht nach. Wenn ich nach der EM zurückkomme, dann wird man sehen. Gladbach ist ein großartiger Verein, aber ich muss natürlich auch daran denken, was das Beste für mich ist.

SPORT1: Und vorher spielen Sie im EM-Finale gegen Deutschland und Ihren alten Kumpel Marc-Andre ter Stegen …

Hrgota: Ja, auf jeden Fall (lacht). Das wäre eine großartige Sache – und dann schieße ich im Finale ein Tor gegen ter Stegen und Schweden gewinnt.

Jonas Nohe, Jahrgang 1989, aufgewachsen in Kehl am Rhein an der deutsch-französischen Grenze. Ab 2009 Studium der Kommunikations- und Politikwissenschaft mit Bachelor-Abschluss an der LMU München. Von...