Wenn einer eine Geschichte zu erzählen hat, dann ist es wahrlich Villarreals Cedric Bakambu.

Der Mann, der erst kürzlich mit zwei Treffern Leverkusens Träume in der UEFA Europa League jäh beendete und mittlerweile in halb England und sogar beim FC Barcelona auf dem Zettel steht.

Nun hat der mit neun Toren in elf Spielen zweitbeste Torjäger des Wettbewerbs die Möglichkeit, mit dem FC Villarreal gegen Jürgen Klopps FC Liverpool den Grundstein für den Finaleinzug in der UEFA Europa League zu legen (ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Doch bis hierhin war es für den im Pariser Vorort Vitry-sur-Seine geborenen Jungen ein langer, steiniger Weg.

Früh weg von Zuhause

Seine Eltern flohen noch vor seiner Geburt aus dem Kongo, fanden im Speckgürtel der französischen Großstadt eine neue Heimat, bis den damals 15-jährigen Bakambu aus dem 500 Kilometer entfernen Sochaux der Lockruf des professionellen Fußballs erreicht.

Im Grenzort zur Schweiz konnte sich der 1,82 Meter große Bakambu in Ruhe entwickeln, schaffte den Durchbruch in die Ligue 1 und durchlief parallel sämtliche Jugend-Nationalmannschaften Frankreichs.

Nach vier Jahren und 17 erzielten Toren markierte der Abstieg des Traditionsvereins 2014 dann aber auch das Ende Bakambus bei Souchaux.

Trotz Offerten aus Italien, England sowie Deutschland entschied sich der bekennende Fast-Food- und Hip-Hop-Fan für den Schritt in die Türkei zu Bursaspor.

Durchbruch in der Türkei

Es sollte die Station sein, die Bakambus Karriere den entscheidenden Kick gibt, wie er selbst zugibt: „Ich bin bewusst das Risiko eingegangen und habe dort in unglaublich hitzigen Partien große Spiele bestreiten dürfen, was meiner Entwicklung enorm gut getan hat.“

Und wie: Letzten Sommer wechselte der mittlerweile 25-Jährige für sieben Millionen Euro zum FC Villarreal nach Spanien und jagt dort mit seinen derzeit 22 erzielten Toren in 47 Saison-Einsätzen den Rekord von Diego Forlan, der in seiner Debütsaison 25 Mal traf. Ein Investment also, das sich für das „Gelbe U-Boot“ bereits gelohnt hat.

In der Nationalmannschaft ausgepfiffen

Letzten Sommer entschied sich der  U19-Europameister Frankreichs, für die A-Nationalmannschaft des Geburtslandes seiner Eltern, den Kongo, aufzulaufen. Was vielen in seiner zweiten Heimat nicht gefiel.

Bakambu: „Ich hatte noch kein einziges Spiel gemacht, schon haben sie Transparente geschrieben. Das habe ich nicht verstanden. Erst durch den Fußball entdeckte ich mein zweites Heimatland.“

Dass Cedric Bakambu das schreckliche Attentat auf den Brüsseler Flughafen im März 2016 aus nächster Nähe miterleben musste, dabei aber glücklicherweise unversehrt blieb, als er sich auf die Reise zur Nationalmannschaft begeben wollte, ist nur ein weiteres Kapitel seiner bewegten Geschichte.

Im Kracher gegen Liverpool könnte ein weiteres geschrieben werden.

Matthias Schreiber, Jahrgang 1987, studierte in Bamberg und Budapest Kommunikationswissenschaften, Soziologie und Europäische Ethnologie. Nach Praktika in Stuttgart und Nürnberg war er während seines...