Es waren klare Worte, die Hermann Gerland am Samstag im Hinblick auf die Nachwuchsförderung in Deutschland fand. (U21-EM-Qualifikation: Tabelle)
„Wir müssen dahin kommen, dass wir ganz klar sagen: Im Nachwuchsbereich steht die Ausbildung der Spieler im Vordergrund und nicht der Erfolg der Mannschaft“, forderte der Co-Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft auf der Pressekonferenz einen Tag nach der 0:4-Niederlage gegen Polen.
Besonders die Dribbler kommen für den Geschmack des 67-Jährigen in den Übungseinheiten der Vereine zu kurz, der über zwei Jahre als Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Bayern fungierte. Man müsse den Spielern wieder beibringen, zu dribbeln und Trainingseinheiten mit Begrenzung der Ballkontakte reduzieren. „Wenn die nur bis 17 gepasst haben, dann können die mit 19 nicht dribbeln, die schaffen das nicht mehr“, erklärte Gerland.
- STAHLWERK Doppelpass mit Reiner Calmund und am Sonntag ab 11 Uhr LIVE im TV und im Stream auf SPORT1
Dafür sei vor allem eine Veränderung der Trainingsinhalte im Nachwuchsbereich notwendig: „Gib den Kindern einen Ball in kleinen Gruppen. Lass sie Tore schießen, eins gegen eins spielen und dribbeln, auch wenn sie dem Ball oder mal ein Spiel verlieren. Das ist doch nicht so schlimm, hinterher müssen die gut sein, aber im Kindesalter einfach lernen.“ (U21-EM-Qualifikation: Spielplan und Ergebnisse)
Gerland fordert Umdenken bei FC Bayern und Co.
Die Situation in den Nachwuchsleistungszentren wie beim FC Bayern sei teilweise fatal für die Entwicklung der Talente, die wieder dazu gebracht werden müssten, Freude für den Fußball zu entwickeln. Tugenden wie Fairness und Pünktlichkeit sollten ebenso vermittelt werden, wie die Freude am Fußball spielen.
„Die U19 des FC Bayern München hat 29 Spieler im Kader. Das heißt, wenn der Trainer nicht auswechselt und alle sind gesund, gucken 18 zu. Das ist ein Unding für die jungen Leute. Die müssen Fußball spielen“, prangerte der Bochumer an, für den der Fokus der Vereine auf Spieler mit starkem Passspiel zu weit geht.
Zu einer erfolgreichen Entwicklung gehöre seiner Meinung nach auch, Übungen für klassische Spielertypen wie den Mittelstürmer in die Trainingseinheiten einzubauen, erklärte Gerland: „Wenn einer nie Kopfballtraining gemacht hat, wie soll der auf einmal köpfen können? Wie soll der Mittelstürmer eine Flanke verwerten, wenn er das nie trainiert hat?“
„Dann lachen sie alle über das Pendel, aber wenn Mats Hummels mal nicht gut genug war im Kopfball oder David Alaba, dann sind sie zu mir gekommen und haben gesagt, ‚Trainer lass uns mal ans Pendel gehen, ich muss mal wieder richtig in der Luft stehen.‘ Dann haben sie 20 Kopfbälle gemacht und dann waren sie zufrieden. Aber heute ist das nicht mehr modern“, ergänzte Gerland und sprach dabei über seine Erfahrungen als langjähriger Co-Trainer des FC Bayern.
Alles zur Bundesliga bei SPORT1:
- Alle Bundesliga News
- Spielplan & Ergebnisse der Bundesliga
- Bundesliga Liveticker
- Tabelle der Bundesliga
- Bundesliga Highlight-Videos
- Statistiken der Bundesliga