Als der Halbzeitpfiff im Villa Park erklang, schien es, als steuere der FC Chelsea im Titelkampf der Premier League auf einen weiteren Rückschlag zu.

Das Team von Trainer Thomas Tuchel hatte sogar Glück, dass es zur Pause gegen Aston Villa 1:1 stand – doch auch bei einem Remis wäre der Rückstand auf Manchester City an der Tabellenspitze weiter angewachsen. (DATEN: Die Tabelle der Premier League)

Also setzte der Chelsea-Coach all seine Hoffnungen in Rekordeinkauf Romelu Lukaku. Der Belgier, der unter normalen Umständen in der Startelf gestanden hätte, kam für Abwehrspieler Trevoh Chalobah in die Partie.

Tuchels Plan ging auf: Zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff versenkte Lukaku eine Flanke von Callum Hudson-Odoi mit dem Kopf zum umjubelten 2:1 für die Gäste.

Lukaku beendet Torflaute in der Premier League

Für Lukaku war es der erste Ligatreffer seit dem 11. September und das Ende einer längeren Leidenszeit. Ende Oktober war er für rund sechs Wochen mit einer Knöchelverletzung ausgefallen, dann traf den Stürmer während seiner Rückkehr eine Infektion mit dem Coronavirus.

Aus diesem Grund hatte Tuchel gegen Aston Villa im Sturmzentrum zunächst auf Christian Pulisic gesetzt – und nicht auf den jüngst genesenen Lukaku. Doch der zierliche Ex-Dortmunder kam gegen die gegnerische Abwehr gar nicht zur Geltung.

Hingegen stellte Lukaku nach seiner Hereinnahme direkt seine Durchsetzungskraft unter Beweis. Bei seinem Kopfballtor ließ er zudem seine Gegenspieler alt aussehen und glänzte mit gekonntem Timing.

Schließlich rundete Lukaku sein erfolgreiche Comeback in der Nachspielzeit ab, als er noch einen Elfmeter für die Blues herausholte. Diesen Strafstoß verwandelte Jorginho zum 3:1-Endstand. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Premier League)

Riskante Einwechslung von Lukaku

Im Vorfeld der Partie war Tuchel aufgrund einer Einschätzung des medizinischen Personals noch davon ausgegangen, dass es bei Lukaku nicht für 45 Minuten reichen werde. Doch eine uninspirierte erste Halbzeit zwang den Trainer in Absprache mit dem Belgier zu dessen frühzeitiger und riskanter Einwechslung.

Im Nachgang zeigte sich, dass Chelsea ohne Lukaku das Spiel vermutlich nicht gedreht hätte. Mit dem 28-Jährigen zeigte der Klub auf dem Rasen ein völlig anderes Gesicht.

Romelu Lukaku erzielt beim 3:1-Sieg des FC Chelsea gegen Aston Villa das Führungstor. Dennoch war Tuchel alles andere als begeistert, da er den zuvor an Corona erkrankten Belgier gerne noch geschont hätte.

Romelu Lukaku erzielt beim 3:1-Sieg des FC Chelsea gegen Aston Villa das Führungstor. Dennoch war Tuchel alles andere als begeistert, da er den zuvor an Corona erkrankten Belgier gerne noch geschont hätte.

„Er hat eine sehr gute Leistung gezeigt“, lobte Tuchel seinen Torjäger. Doch angesichts der medizinischen Ausgangssituation schien der Ex-BVB-Trainer ansonsten alles andere als begeistert.

„Lukaku war heute der Game-Changer, aber wissen wir, ob wir die Verantwortung hatten, ihn ins Spiel zu bringen? Wir waren alle mal zehn Tage mit einer Erkältung im Bett – da würde ich nie im Leben ein Match im Villa-Park spielen.“

Lukaku: „Habe eine Leistung wie diese gebraucht“

Am 2. Oktober hatte Lukaku zum letzten Mal ein Spiel über die vollen 90 Minuten bestritten. So bleibt es fraglich, ob der Belgier nach einer Halbzeit im Villa Park bereits am Mittwoch gegen Brighton wieder voll einsatzbereit ist.

Immerhin: Die Formkurve von Lukaku zeigt nun im Ansatz nach oben. Der Angreifer hatte zuvor in 16 Einsätzen für die Blues nur fünf Tore erzielt – und die Fans an den Chelsea-Fluch mit der Trikotnummer 9 erinnert.

„Ich habe eine Leistung wie diese gebraucht“, sagte ein erleichterter Lukaku nach dem Spiel gegen Aston Villa. Ein Fußballer wolle natürlich immer auf dem Platz stehen, führte er aus und ergänzte: „Es war gut, dass wir gewonnen haben und ich bin persönlich glücklich.“

Chelsea Titelchancen steigen mit fittem Lukaku

Auch die britische Presse war für Lukaku voll des Lobes und sprach dem Torjäger für die kommenden Monate eine entscheidende Bedeutung zu. „Wenn die Blues um den Titel mitspielen wollen, müssen sie Lukaku fit halten“, schrieb etwa die Daily Mail.

In der Premier League hat Chelsea nach zuletzt nur drei Siegen aus sieben Partien immer noch die schwierige Aufgabe, den Anschluss an Tabellenführer ManCity (47 Punkte) zu wahren. Die Londoner stehen aktuell hinter dem punktgleichen FC Liverpool mit 41 Zählern auf dem dritten Rang.

„Wir sind jetzt die Jäger“, meinte Lukaku. „Die letzten Ergebnisse für uns waren nicht die besten, und jetzt müssen wir jagen. Wir müssen jedes Spiel wie ein Endspiel behandeln. Wir haben gewonnen, jetzt müssen wir weitermachen.“

Fest steht: Sollte Lukaku so weitermachen wie gegen Villa, steigen Chelseas Chancen im Titelkampf sehr deutlich. Doch dazu muss der Starstürmer in erster Linie fit bleiben.