Es war eine wahrhaft goldene Möglichkeit.
Im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid bot sich Chelsea-Stürmer Romelu Lukaku in der 69. Minute eine exzellente Gelegenheit zum Torabschluss. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)
Freistehend vor Real-Keeper Thibaut Courtois kam der 28-Jährige zum Kopfball – setzte diesen jedoch klar neben das Tor. Dabei kam der abgefälschte Ball mit verhältnismäßig wenig Geschwindigkeit auf den Belgier zugeflogen – zudem hätte er genügend Zeit gehabt, um ihn anständig zu platzieren. Geändert hat dies jedoch nichts.
Lukaku vergibt Großchance gegen Real
An der Stamford Bridge sorgte die verpasste Großchance für ein Raunen im Publikum, wäre beim zu diesem Zeitpunkt bereits herrschenden 1:3-Rückstand ein Anschlusstreffer doch so wichtig gewesen.
Die vergebene Chance steht dabei sinnbildlich für die derzeitige Verfassung des Angreifers. Für knapp 115 Millionen Euro wurde er im Sommer von Inter Mailand verpflichtet. Die Chelsea-Verantwortlichen jubilierten und priesen ihren Neuzugang. Allzu viel ist davon aktuell nicht mehr übrig.
In den vergangenen zehn Spielen stand Lukaku nur zweimal in der Startelf, darunter im FA Cup gegen Middlesbrough. In 36 Spielen gelangen ihm zwölf Tore, nur fünf davon in der Premier League. Wirklich viel Spielzeit konnte er zuletzt nicht sammeln.
Mangelt es Lukaku an Tuchels Liebe?
Auch gegen Real wurde er erst in der 64. Minute für Christian Pulisic eingewechselt, als Chelsea dringend einen Treffer benötigte. Seiner Mannschaft entscheidend weiterhelfen konnte er nicht. Warum aber gelingt es dem Stürmer nicht, sein eigentlich vorhandenes Potenzial abzurufen?
Für den früheren ManCity-Verteidiger Micah Richards eine klare Sache. Demnach leide der Belgier an einem „Mangel an Liebe“ des Trainers, das erklärte Richards bei CBS Sports. „Wenn man sich nicht geliebt fühlt, dann ist die Kommunikation gestört.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)
Für Ex-Liverpool-Profi und TV-Experte Jamie Carragher kann das schwierige Verhältnis zu Thomas Tuchel dagegen nicht als Erklärung dienen.
„Es liegt nicht am Trainer, es liegt an Lukaku“, stellte er klar: „Es geht nicht um die Liebe des Managers. Man gibt 100 Millionen Pfund für einen Spieler aus, der in diesen Spielen den Unterschied ausmachen soll, und er schafft es nicht einmal, richtig in die Mannschaft zu kommen.“
Nicht auf einer Stufe mit Benzema und Lewandowski
Zwar sähen die Zahlen des Belgiers häufig „fantastisch“ aus, „aber ich habe immer das Gefühl, wenn wir über Lukaku sprechen, gibt es ein Aber“, meinte Carragher.
Und weiter: „Er ist ein sehr guter Spieler, aber wenn man über Benzema, Harry Kane oder Lewandowski spricht, ist er für mich immer ein bisschen unterlegen. Ich stelle den Trainer in dieser Situation überhaupt nicht in Frage.“
Hat Lukaku Glauben an sein Spiel verloren?
Auch Ex-West-Ham-Coach und Kroatien-Trainer Slaven Bilic äußerte zum Stürmer seine Meinung. Demnach könnte es für Lukaku ein Problem sein, bei Chelsea nicht der unumstrittene Star zu sein – ganz im Gegensatz zu seiner vorherigen Station bei Inter Mailand.
„Sie haben Jorginho, Kovacic, Kanté, Havertz, der im Champions-League-Finale getroffen hat. Sie haben noch andere Spieler außer ihn. Vielleicht muss er die absolut unumstrittene Nummer 1 einer Mannschaft sein?“
Aber: „Seine Chance war besser als beide Chancen von Benzema – und er hat sie vergeben. Dafür muss man kritisiert werden“, so Bilic weiter.
Für Ex-Chelsea-Angreifer Tony Cascarino ist die Frage nach den Gründen für die Durststrecke bei Lukaku ebenfalls schwer zu beantworten. „Ich weiß wirklich nicht, was mit ihm im Moment los ist. Ich sehe einen Spieler, der den Glauben an sein Spiel völlig verloren hat“, konstatierte er bei talkSPORT.
Tuchel sauer wegen Lukaku-Fehlschuss
Wie und ob sich die vergebene Chance im Spiel gegen Real auf das Verhältnis zwischen Spieler und Trainer auswirkt, ist völlig unklar. Verbessern dürfte es die Beziehung gewiss nicht.
„Ein sehr wichtiger Fehlschuss. Es gibt keine Auswärtstore mehr, und wenn man einen Rückstand von einem Tor hat, dann bedeutet das mehr“, zeigte sich Tuchel nach dem Spiel über der vergebene Chance seines Stürmers enttäuscht.
Abhilfe schaffen kann da wohl nur noch eine Glanzleistung im Rückspiel am kommenden Dienstag.
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