Bemerkenswerter Paukenschlag im Skilanglauf: Der norwegische Dominator Johannes Hösflot Kläbo hat die norwegische Nationalmannschaft verlassen – und damit die ohnehin große Unruhe in seinem Heimatverband weiter verstärkt.

Kläbo begründete seine am Sonntag mitgeteilte Entscheidung damit, dass er wegen der Einsparungen in der Langlauf-Sparte kein gutes Gefühl dabei habe, im Vergleich zu seinen Kollegen über die Maßen von der Verbandsförderung zu profitieren.

Der Verband hatte zuletzt nach über 20 Jahren seinen Großsponsor Norengros verloren und reduziert deswegen unter anderem die Größe des Kaders von 24 auf 20.

Kurz vor der Benennung des Kaders am Montag zog daraus auch ein profilierter Teamkollege Kläbos Konsequenzen: Der 34 Jahre alte Hans Christer Holund – Weltmeister 2021 in Oberhof über die 15-km-Distanz – teilte Langlauf-Sportchef Espen Bjervig kurzfristig am Morgen sein Karriere-Ende mit. „Er hat schon in der Nacht ziemlich spät angerufen“, verriet Bjervig.

Holund war noch im März bei der WM in Planica Teil der norwegischen Gold-Staffel um Kläbo.

Kläbo sieht Freunde im Team „schlecht behandelt“

Auch Kläbo macht mit seinem Entschluss einen Kaderplatz frei – als solidarische Maßnahme, wie er in einer Pressemitteilung betont: „Mit meinem Rücktritt hat der Skiverband die Möglichkeit, seine Kosten zu senken und stattdessen Geld für andere Athleten auszugeben.“ Er habe mehrere Freunde im Team, „von denen ich das Gefühl habe, dass sie in diesem Rückzugsprozess schlecht behandelt wurden“.

Er werde „in engem Kontakt mit meinen Nationalmannschaftskollegen bleiben, auch wenn ich nicht mehr Teil der Nationalmannschaft sein werde“. Kläbo folgt dem Beispiel des früheren Stars Petter Northug, der einst ebenfalls eigene Wege gegangen war.

In dieselbe Kerbe schlug auch der zurücktretende Holund: „Es war eine schwierige Entscheidung, aber mit zwei kleinen Kindern und vielen anderen Projekten fühlt es sich richtig an, nun anderen, hungrigen Athleten den Vortritt zu lassen“, schrieb er bei Instagram.

Hans Christer Holund tritt komplett zurück
Hans Christer Holund tritt komplett zurückHans Christer Holund tritt komplett zurück

Viel Porzellan in Norwegen zerschlagen

Dass im norwegischen Team viel böses Blut entstanden ist, verdeutlichten am Montag auch die Reaktionen der Profiteure von Kläbos und Holunds Abgang.

Die eigentlich ausgebooteten und nun doch wieder ins Team gerutschte Didrik Tonseth und Sindre Björnestad Skar vertrauten dem Sender und Portal NRK an, dass sie ihre nachträgliche Berufung nicht als Happy End empfinden, das „Chaos“ lasse sie wütend zurück.

„Letzten Donnerstag wurde mir gesagt, dass es keinen Platz für mich im Team gibt. Du bist raus. Es kam sehr plötzlich“, schilderte Tonseth die Situation, er sei „sauer“, dass er nicht schon nach dem Weltcup-Finale klare Ansagen bekommen hätte: „Wenn ich die Botschaft direkt nach Lahti bekommen hätte, wäre es hart, aber fair gewesen, aber jetzt denke ich, dass es einfach hart und unfair ist.“

Auch Skar berichtete von zwiespältigen Gefühlen: „Es fühlt sich an, wie wenn ich auf einer Party bin, zu der ich eigentlich nicht eingeladen worden bin.“

Sportchef Bjervig reagierte, dass er Tonseths und Skars Frust verstehen könne, die Rahmenbedingungen seien nur eben schlicht nicht früher klar gewesen: „Ja, man hätte viele Dinge anders machen können, aber man muss respektieren, dass wir uns in einem Kürzungsprozess befinden.“

Skilanglauf: Kläbo riskiert mit seinem Schritt ein Startverbot

Zusätzlich brisant: Der 26-Jährige Kläbo riskiert mit seinem Schritt ein Startverbot im Weltcup. Die Regeln sehen eigentlich vor, dass dort nur die Mitglieder der norwegischen Auswahl antreten dürfen. Dass die Regel tatsächlich angewandt wird, ist zu bezweifeln, wenn man bedenkt, wie wertvoll Kläbo als Star und Aushängeschild für die Verantwortlichen der Sportart ist.

„Wir hoffen und glauben, dass sie das ändern, damit ich auch in der nächsten Saison im Weltcup laufen kann, sofern ich gut genug bin“, sagte der fünfmalige Olympiasieger und neunmalige Weltmeister. Bjervig sagte, der Verband „respektiere“ den Schritt seines Stars, hoffe aber auf dessen Rückkehr.

Johannes Hösflot Kläbo verlässt den norwegischen Verband
Johannes Hösflot Kläbo verlässt den norwegischen VerbandJohannes Hösflot Kläbo verlässt den norwegischen Verband

„Ich bin nicht überrascht, das lag in der Luft“, sagte die frühere Ausnahmelangläuferin Therese Johaug, die ebenfalls aus Norwegen stammt. Sie bedauere Kläbos Schritt, glaube aber nicht an ein Startverbot, ergänzte die 34-Jährige, die im vergangenen Jahr zurückgetreten ist und nun ein Kind erwartet.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)