Der Bergische HC wird künftig keine Spiele mehr in der Klingenhalle in Solingen ausrichten können. In der Vereinsführung des Handball-Bundesligisten herrscht Fassungslosigkeit über die Situation.
„Man hat die Bundesliga regelrecht verpennt. Das war ein Sterben auf Raten“, kritisierte BHC-Boss Jörg Föste im Gespräch mit der Sport Bild. Laut dem 62-Jährigen sind die Schuldigen schnell gefunden: „Politik und Verwaltung haben hier fahrlässig und sehenden Auges den Standort verfallen lassen.“
Die Botschaft, die mit der Entscheidung einhergehe, sei fatal: „Man gibt das Gütesiegel Handball-Hochburg ab – gerade zu dem Zeitpunkt des Booms dieser medienwirksamen Sportart. Das ist in puncto Stadtmarketing eine Art Offenbarungseid.“
Die Klingenhalle in Solingen wurde 1973 eröffnet. Seitdem wurden an der Spielstätte kaum Maßnahmen zur Modernisierung unternommen. Laut Föste sei der Niedergang der Halle „stetig fortgeschritten“. So mussten etwa in der letzten Saison die sanitären Anlagen aufgrund von Legionellen geschlossen werden.
Handball-Bundesliga: Halle erfüllt Anforderungen nicht
Mittlerweile erfüllt die Halle nicht mehr die aktuellen Anforderungen. „Wegen der Einführung des Videobeweises zur neuen Saison muss eine Review-Area geschaffen werden. Das ist in der Klingenhalle aber nicht darstellbar, ohne 150 Sitzplätze zu verlieren“, erklärte Föste.
„Wir hatten mit der Mitsubishi Electric Halle und dem PSD Bank Dome in Düsseldorf sowie der Wuppertaler Uni-Halle und eben der Klingenhalle vier Heimspielstätten. Unser neuer Fernsehpartner Dyn kann aber maximal drei Hallen mit einer Permanent-Kamera ausstatten“, führte der BHC-Boss aus.
Seine Kritik an der Stadt Solingen fällt deutlich aus: „In 27 Jahren Bundesliga-Handball ist man nicht in der Lage gewesen, die Infrastruktur den Erfordernissen anzupassen. Stattdessen plant man lieber den gefühlt 40. Kunstrasenplatz für einen Achtligisten.“
BHC verliert Heimstätte: Stadt Solingen in der Kritik
Dementsprechend fühlt sich der Handball-Bundesligist im Stich gelassen: „Wir sind mit allen im Dialog gewesen. Aber es ist uns nicht wirklich gelungen, Politik und Verwaltung einen Zugang zum Profisport zu vermitteln.“
Aus der Politik meldete sich Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach zu Wort. „Die Halle stammt aus dem Jahr 1973, hat einen Sanierungsbedarf von über 20 Millionen Euro, und die Kapazität ist mit rund 2500 Sitzplätzen begrenzt und nicht ausbaufähig. Sie entspricht den Forderungen der Handballliga an Kapazität, Fernsehtauglichkeit und Bewirtungsmöglichkeiten immer weniger“, stellte er klar.
Der OB weckte jedoch Hoffnung, da sich seinen Angaben nach private Investoren für den Bau und Betrieb einer Mehrzweckhalle in Solingen interessieren sollen.
Vorerst werden allerdings keine Bundesliga-Spiele in Solingen stattfinden. In der kommenden Saison wird der Bergische HC seine Heimspiele zunächst nur noch in der Unihalle in Wuppertal und in Düsseldorf in der Mitsubishi Electric Halle austragen.