Knapp 22 Jahre sind vergangen, seit Sven Hannawald als letzter DSV-Adler die Tournee gewonnen hat. Seitdem scheiterten die deutschen Skispringer mal mehr und mal weniger knapp. Bundestrainer Stefan Horngacher erkennt darin aber weniger einen viel zitierten Tournee-Fluch, sondern sieht in den Heimspringen zu Beginn eine besondere Herausforderung.

„Für deutsche Skispringer ist es allgemein sehr schwierig, weil die Serie für sie mit einem Heimspiel in Oberstdorf beginnt. Vor vollem, lautstarkem Haus und mit sehr hohen Erwartungen. Das erzeugt einen enormen Druck“, verdeutlichte Horngacher im Kölner Stadt-Anzeiger. „Dann geht es weiter nach Garmisch-Partenkirchen, da ist das Paket aus Erwartungen und Druck nicht kleiner, im Gegenteil“, unterstreicht der Bundestrainer die Problematik.

Vierschanzentournee: Horngacher sieht andere Nationen im Vorteil

Erst bei den Springen in Österreich (Innsbruck und Bischofshofen) stünden dann „die Österreicher im Fokus“. Nutzen konnten die deutschen Skispringer das aber in den letzten Jahren auch nur selten. Vielmehr zerschellten ein ums andere Mal die Tournee-Hoffnungen am Innsbrucker Bergisel. Doch auch die österreichische Durststrecke zieht sich inzwischen seit knapp neun Jahren, als der auch in diesen Jahr favorisierte Stefan Kraft triumphieren konnte.

„Springer anderer Nationen fällt die Tournee daher eventuell leichter, beziehungsweise, sie können tatsächlich den einzelnen Weltcup sehen und nicht so sehr das große Ganze“, sieht Horngacher einen gewissen Heim-Nachteil, selbst wenn das „nicht als Ausrede gelten“ soll.

Horngacher: „Die Tournee ist der Wahnsinn

In den letzten zehn Jahren konnten sich die DSV-Adler mehrmals über Weltmeistertitel und Olympiasiege freuen, jedoch blieb der für Horngacher wichtigste Triumph stets aus.

„Im Skispringen ist die Tournee für mich ganz vorne. Weltmeisterschaften und Olympische Spiele sind natürlich auch extrem wichtige Wettkämpfe, aber die Tournee ist einfach der Wahnsinn. Sie ist das große Skisprung-Ereignis des Jahres“, unterstrich der Coach die Wichtigkeit des Events.

DSV-Trio macht Jagd auf Kraft

Nach dem Tournee-Debakel im Vorjahr, als Andreas Wellinger als bester Deutscher Gesamt-Elfter wurde, ist das Team immerhin im Vorfeld besser gerüstet. Andreas Wellinger, Pius Paschke und Karl Geiger belegen im Gesamt-Weltcup hinter Stefan Kraft die Ränge zwei, drei und vier. Noch weiß Horngacher nicht, wer aus seinem Trio „die Nasenspitze vorne“ haben wird.

„Zurzeit ist Andreas Wellinger schon richtig gut in Form, schafft es aber noch nicht, so stabil zu sein, dass jeder Sprung mit einer Topweite endet“, bewertet er die Ausgangslage des Olympiasiegers aus dem Jahr 2018 und hofft darauf, dass dieser „in einen Flow“ komme. Doch auch Tüftler Karl Geiger „weiß, wie es geht“. Zudem schwebe Pius Paschke auf einer „Euphoriewelle“, weshalb er dem 33-Jährigen viel zutraue.

Ob die Tournee-Durststrecke beim abschließenden Springen in Bischofshofen zu Ende gehen könnte, hängt aber auch an der Performance von Top-Favorit Kraft ab. Dieser sei derjenige „der alles niedermäht und sich in einer Überform“ befinde. „Ihn bei der Tournee zu schlagen, wird schwierig werden“, weiß auch Horngacher.