Am Ende stand sie ganz allein da, diese große Torhüterin – trotz all des Zuspruchs ihrer Mitspielerinnen, trotz des Trost spendenden Applauses und der Wärme des deutschen Publikums auf den Stadionrängen in Zürich.

Was passiert war, war trotzdem nicht rückgängig zu machen: Der unorthodoxe Ball von Spaniens Weltfußballerin Aitana Bonmatí, der so unverhofft ins kurze Eck einschlug – und mitten ins Herz aller deutschen Zuschauerinnen und Zuschauer.

Ann-Katrin Berger scheiterte mit Deutschland im Halbfinale
Ann-Katrin Berger scheiterte mit Deutschland im HalbfinaleAnn-Katrin Berger scheiterte mit Deutschland im Halbfinale

„Da nehme ich die Schuld auf mich. Die kurze Ecke muss zu sein und deswegen bin ich umso enttäuschter von mir selbst“, sagte eine verloren wirkende Berger nach der Niederlage (0:1 nach Verlängerung) im ARD-Interview.

Berger: „Tut mir unfassbar leid“

Direkt nach Schlusspfiff hatte sie sich gestellt, alles so hingenommen, wie es eine große Fußballerin in der Stunde der Niederlage eben hinnehmen muss. In ihren Zügen spiegelte sich die Traurigkeit über den einen Ball, den sie nicht bekommen hatte – den einen Ball unter so vielen anderen.

„Wir hatten Berger studiert und manchmal war der vordere Pfosten leer“, sagte Bonmatí etwa zu derselben Zeit in einem anderen Interview. Was sie natürlich meinte: das kurze Eck, dem Berger in jenem Augenblick zu wenig Beachtung geschenkt hatte, weil sie offensichtlich mit einer Flanke rechnete.

„Da kann ich noch so viele Paraden machen – der hätte einfach meiner sein sollen. Deswegen tut es mir unfassbar leid, nicht für mich, sondern für die Mannschaft. Weil die hat alles gegeben“, sagte Berger, die in einem Trikot der Spanierin Esther González, ihrer Vereinskollegin bei Gotham FC, zum Interview erschienen war.

Ausgerechnet Ann-Katrin Berger sieht beim Gegentor gegen Spanien, das das Aus bedeutet, unglücklich aus. Im Anschluss nimmt sie die Schuld auf sich.

Ausgerechnet Ann-Katrin Berger sieht beim Gegentor gegen Spanien, das das Aus bedeutet, unglücklich aus. Im Anschluss nimmt sie die Schuld auf sich.

Berger „auf gar keinen Fall schuld“

Bundestrainer Christian Wück nahm seine Torhüterin in Schutz: „Da gibt’s überhaupt keine Vorwürfe, weder an Sid (Sidney Lohmann, wegen Ballverlust; Anm. d. Red.) noch an Anne (Berger; Anm. d. Red.). Das kann passieren. Aus meiner Sicht haben wir ein richtig gutes Turnier gespielt.“

Für den 52-Jährigen war der Treffer ein „Geniestreich“ von Bonmatí.

Und auch Kapitänin Janina Minge hob die Gesamtleistung Bergers hervor: „Jeder weiß, dass uns Anne so oft hier im Turnier gehalten hat. Dass so ein Ball dann reingeht, ist natürlich extrem bitter. Aber es hätten auch schon fünf Bälle vorher reingehen können, die Anne überragend hält. Von daher ist Anne auf gar keinen Fall schuld.“

Trotz eines großen Kampfes platzt der Titeltraum für die DFB-Frauen. Viel vorzuwerfen hat sich das Team allerdings nicht, wie Giovanna Hoffmann untermauert.

Trotz eines großen Kampfes platzt der Titeltraum für die DFB-Frauen. Viel vorzuwerfen hat sich das Team allerdings nicht, wie Giovanna Hoffmann untermauert.

Verteidigerin Rebecca Knaak sah in dem Tor „den blödesten Ball von allen, das tut einfach weh“.

Die 34 Jahre alte Torhüterin hatte Deutschland erst ins Halbfinale gebracht. Im Viertelfinale gegen Frankreich hielt sie zwei Elfmeter und traf selbst.

Carsten Arndt, Jahrgang 1988, studierte Sport- und Medienmanagement in München. 2013 wurde er Freier Mitarbeiter bei SPORT1. Im Juni 2016 wechselte er als Redakteur zu Eurosport und war dort unter anderem...