Sie nannten ihn „Big Piet“ – und es war nur logisch, nicht nur weil er mit 1,90 Metern eine ungewöhnliche Erscheinung im Radsport war.

Pieter Daniel „Piet“ Moeskops, der heute vor 61 Jahren gestorben ist, war ein Idol einer vergangenen Radsport-Ära: Fünfmal wurde der Hüne in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts Bahnrad-Weltmeister im Sprint und popularisierte damit den Sport in seiner niederländischen Heimat.

Der vielgerühmte Pionier ist aber auch für einen folgenschweren Skandal in Erinnerung.

Fünfmal Weltmeister im Bahnrad-Sprint

Moeskops wurde am 13. November 1893 als Sohn eines Geflügelhändlers in Loosduinen geboren, heute Ortsteil der Hauptstadt Den Haag. Das Fahrradfahren lernte er bei Lieferdiensten für seinen Vater, bei seinen ersten Versuchen auf der Rennbahn zeigte sich das Talent zum Wettkampfsport – gegen den Willen seines Vaters startete Moeskops dann eine Rennkarriere.

Moeskops wurde insgesamt zehnmal niederländischer Meister im Sprint, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 öffnete sich für ihn die Tür zu internationalen Wettbewerben und einer Profikarriere.

1921 wurde Moeskops in Kopenhagen erstmals Weltmeister, indem er Titelverteidiger Robert Spears aus Australien entthronte. Moeskops wurde in den Jahren darauf zum unumstrittenen Herrscher seiner Disziplin, verteidigte den Titel dreimal. Moeskops war nicht nur schnell, sondern auch ein nervenstarker Taktiker, der Angriffe seiner Konkurrenten gut vorausahnen und beantworten konnte. Weitere große Siege bei den Grand-Prix-Rennen in Amsterdam, Paris und Berlin festigten seinen Ruf.

1926 in Mailand gewann Moeskops seinen letzten WM-Titel – verursachte dabei aber auch einen Eklat, der ihm lange nachhing.

Fahnen-Skandal mit Folgen

Weil in diesem Jahr Moeskops‘ Landsmann Gerard Leene nationaler Meister geworden war, führte der Rivale und nicht Moeskops die niederländische Delegation als Fahnenträger an. Moeskops machte sich dabei einen Spaß daraus, mit einer eigenen „Fahne“ aufzulaufen, einem weißen Handtuch an einem Stock. Als ein erboster Funktionär aus dem eigenen Land Moeskops die Scherzflagge abnehmen wollte, kam es zu einer Rangelei und einem Fausthieb Moeskops.

In der niederländischen Presse wurde Moeskops bei seiner Heimkehr scharf kritisiert und galt als „Flaggenschänder“, der die Ehre der Nation verunglimpft hätte. Der Vorgang führte zu inneren Verwerfungen im nationalen Radsport-Verband, der Moeskops sperrte – was dann wiederum zu einer Spaltung und der Gründung eines neuen Verbands führte.

Moeskops beendete 1933 verletzungsbedingt seine Laufbahn, in seine Fußstapfen trat eine neue, von ihm inspirierte Generation mit den heute ebenfalls legendären Arie van Vliet und Jan Derksen.

Piet Moeskop und seine Erben Jan Derksen und Arie van Vliet (v.l.) bei einer Begegnung in Amsterdam 1963
Piet Moeskop und seine Erben Jan Derksen und Arie van Vliet (v.l.) bei einer Begegnung in Amsterdam 1963Piet Moeskop und seine Erben Jan Derksen und Arie van Vliet (v.l.) bei einer Begegnung in Amsterdam 1963

Eine Freundschaft mehrte den Nachruhm

Nach der aktiven Karriere wurde Moeskops selbst Funktionär, mischte 1939 auch hinter den Kulissen der Tour de France mit – als Fahrer seines guten Freunds Joris van den Bergh, Pionier des niederländischen Sportjournalismus, der mit seiner Arbeit auch viel zur Mystifizierung Moeskops beitrug.

Moeskops lebte nach dem Sport dank erfolgreicher Immobiliengeschäfte in Wohlstand, am 16. November 1964 starb er in Den Haag. Dort und in mehreren anderen Städten sind Straßen nach Moeskops benannt.