Lando Norris legt mit seinem McLaren stark vor, dann schlägt WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli im Silberpfeil zurück – und plötzlich ist auch Max Verstappen wieder vorne dabei: Die Formel 1 bietet bei ihrer Rückkehr in Miami großen Unterhaltungswert. Sportliche Prognosen für den vierten Grand Prix des Jahres (19.00 Uhr MESZ/Sky) sind aber quasi unmöglich. Das potenzielle Wetterchaos in Florida überlagert alles, das Kräfteverhältnis könnte wieder durcheinandergewirbelt werden. Ein Ausblick auf das vierte Saisonrennen.

UNGEWISSHEIT: Kommt das Gewitter? Wie stark wird der Regen? Das Wetter ist im Fahrerlager Thema Nummer eins, niemand weiß so richtig, was passieren wird. Um „ein möglichst großes Zeitfenster für einen erfolgreichen Abschluss des Grand Prix unter optimalen Bedingungen zu gewährleisten“, haben die Organisatoren reagiert und den Start des vierten Saisonrennens um drei Stunden nach vorne verlegt.

BEDENKEN: Sollte das Rennen bei Regen ausgetragen werden, betreten die Piloten Neuland. Schließlich fehlt den Fahrern die Erfahrung mit diesen Autos bei nassen Bedingungen. „Es ist eine extrem flache Strecke, das Wasser bleibt auf der Oberfläche“, sagte Carlos Sainz (Williams), „und ob das sicher genug sein wird oder nicht – bei den nahen Begrenzungsmauern und der Sicht, die wir mit diesen Autos haben – wird sicherlich ein Grund zur Sorge sein.“ Die Verantwortlichen passten im Vorfeld das Reglement an – in der Hoffnung, dass diese Maßnahmen ausreichen.

EISKALT: Im Sprint lief es für Kimi Antonelli gar nicht nach Plan. Wieder den Start verhauen, am Ende noch eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe, nur Platz sechs. Doch der jüngste WM-Leader in der Geschichte des Sports schüttelte sich, ließ den Dämpfer schnell zurück – und zauberte im Qualifying mal wieder auf beeindruckende, ja fast schon weltmeisterliche Art und Weise die schnellste Runde aus dem Hut. Doch der Italiener will nicht an mögliche Titel in der Zukunft denken, der Fokus liegt einzig auf der nächsten Aufgabe. „Es wäre schön“, sagte der Italiener mit Blick auf den Start in Miami, „keine Positionen zu verlieren.“ Sollte ihm das gelingen, ist der dritte Sieg in Serie drin.

HOFFNUNGSSCHIMMER: Direkt hinter Antonelli startet Max Verstappen in das Rennen. Wie bitte? Ja, auch der Chefkritiker persönlich findet plötzlich Gefallen an der neuen Formel 1, die zahlreichen Updates haben den zuvor lahmenden Red Bull beflügelt. „Da ist Licht am Ende des Tunnels“, freute sich der Niederländer, der im Regen immer Sieganwärter ist und Antonelli gleich unter Druck setzen will. Diesen Plan verfolgt auch Sprintsieger Lando Norris im runderneuerten McLaren, der vierte Platz im Qualifying soll nur ein kleiner Ausrutscher gewesen sein.

ERNÜCHTERUNG: Rang elf habe er „schon ein paarmal in diesem Jahr gehabt. Zu oft für meinen Geschmack“, sagte Nico Hülkenberg: „Aber es ist keine schlechte Ausgangsposition.“ An einem Tag zum Vergessen für Audi war der besagte elfte Platz des Emmerichers im Qualifying noch die beste Nachricht für den deutschen Rennstall. Das Werksteam kassiert in seiner Premierensaison einen Dämpfer nach dem anderen, so auch im Sprint, als Hülkenbergs Auto noch vor dem Start Feuer fing und Teamkollege Gabriel Bortoleto nachträglich disqualifiziert wurde. Sollte der Deutsche im Grand Prix aber endlich seine ersten WM-Punkte des Jahres holen, wären diese Rückschläge wohl erstmal vergessen.