Es hatte alles, was ein epischer NFL-Auftakt braucht: Strömender Regen, ein Platzverweis wegen einer Spuck-Attacke, ein einstündiges Blitzgewitter und am Ende ein zittriger, aber heroischer Goal-Line-Stand. Als Dak Prescott 1:54 Minuten vor dem Ende beim vierten Versuch das finale Ei unvollständig in den nassen Rasen von Philly feuerte, erlöste er die durchnässten Reste der Eagles-Schar im Lincoln Financial Field. Um exakt 00:18 Uhr Ortszeit war der erste Saisonsieg des Titelverteidigers amtlich – ein harter Arbeitssieg der Marke „Charaktertest“.

Jalen Hurts im Michael-Jordan-Modus

Dabei fing alles so glanzvoll an. In der Kabine enthüllten die Eagles vor dem Kickoff heimlich ihr neues Championship-Banner für die Saison 2024. Und auf dem Platz marschierte die Offense um Quarterback Jalen Hurts los, als hätte es die Sommerpause nie gegeben. Drei Drives, drei Touchdowns – das gab es zum Saisonstart eines Champions seit den Green Bay Packers 2011 nicht mehr.

Hurts selbst lief für zwei Touchdowns und lieferte den Moment des Abends: Nach einem Score zuckte er mit den Schultern und feuerte den Ball auf die Tribüne. Ein direkter Gruß an Kumpel und Mentor Michael Jordan, der als Edelfan im Stadion saß. „Wenn du so einen speziellen Gast auf der Tribüne hast, gibt es nur eine Option: Du musst gewinnen“, grinste Hurts nach dem Spiel. Auch Neuzugang Saquon Barkley trug sich mit einem Lauf in die Scoring-Liste ein, erwischte mit insgesamt 60 Yards aber ansonsten einen eher zähen Arbeitstag.

Der Spuck-Skandal bricht über Philly herein

Dass die Partie überhaupt bis zur letzten Sekunde auf Messers Schneide stand, lag an zwei völlig absurden Wendepunkten. Der erste Aufreger ereignete sich, bevor das Spiel überhaupt richtig Fahrt aufnehmen konnte. Kaum war die Partie angepfiffen, war sie für Eagles-Verteidiger Jalen Carter auch schon wieder vorbei. Nach einem heftigen Wortgefecht mit Dallas-Quarterback Dak Prescott verlor der Defensiv-Star komplett die Beherrschung und spuckte seinem Kontrahenten aufs Trikot.

Die Schiedsrichter fackelten nicht lange: Platzverweis! Carter droht nun eine saftige Geldstrafe der Liga, die dieses Jahr extrem hart bei Unsportlichkeiten durchgreift. Prescott ruderte nach dem Spiel etwas zurück und erklärte, er habe nur wie gewohnt geradeaus gespuckt, was Carter wohl falsch verstanden habe. Der Eagles-Tackle entschuldigte sich nach der Kabinen-Predigt seines Quarterbacks kleinlaut.

Wenn Blitze das Drehbuch schreiben

Als wäre der emotionale Hexenkessel nicht schon genug gewesen, schaltete sich im dritten Viertel beim Stand von 24:20 auch noch das Wetter ein. Heftige Blitze über dem Stadion zwangen die Teams zu einer 65-minütigen Zwangspause in den Katakomben. Das sportliche Kuriosum: Nach der langen Unterbrechung passierte auf dem Scoreboard absolut gar nichts mehr, beide Abwehrreihen vernagelten im nassen Rasen ihre Endzonen.

„Das waren heute extrem merkwürdige Umstände.“

– Eagles-Coach Nick Sirianni über das zähe Finish.

Auf Seiten der Cowboys war es ein bitterer Abend für Brian Schottenheimer, der sein Debüt als Head Coach der Texaner prompt verlor. Und das, obwohl Dallas den Erzrivalen am Rande einer Niederlage hatte. Nach einer unnötigen Härte-Strafe gegen Philly schnupperte Dallas im Schlussviertel an der Führung, doch Running Back Miles Sanders fumbelte den Ball tragisch an der 10-Yard-Linie.

Während Dallas nun im Heimauftakt gegen die Giants schleunigst Wiedergutmachung betreiben muss, wartet auf die Eagles direkt der nächste Kracher: Ein episches Super-Bowl-Rematch gegen die Kansas City Chiefs.