London/Köln – 35 Lederbälle kostete den argentinischen Klub Rosario Central einst die Verpflichtung des blutjungen Angel Di Maria, Manchester United kommt nicht ganz so billig davon.

59,7 Millionen Pfund und damit umgerechnet nicht ganz 75 Millionen Euro überweist Englands Rekordmeister für den Offensivspieler nach Madrid (News) – und verstärkt damit einen besorgniserregenden Trend in der Premier League (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Real-Ausschussware Di Maria wird Rekordtransfer, der FC Liverpool tut sich Mario Balotelli an, dazu kommt jede Menge Mittelmaß für jede Menge Geld: Bei Englands Erstligisten sitzt das Pfund locker wie nie.

Die 20 Klubs haben inklusive Di Maria die Rekord-Ablösesumme von über 870 Millionen Euro investiert – trotz der Daumenschrauben des Financial Fair Plays. Bis zum Transferschluss am 1. September könnte sogar noch die Milliarden-Marke fallen.

„Wir scheuen uns nicht, beträchtliche Summen zu investieren“, hatte ManUniteds Vizepräsident Ed Woodward verkündet: „Dabei interessiert nicht, ob es ein Rekordtransfer ist. Es muss ein Elite-Spieler sein, der bei uns zum Star wird.“

Im Falle Di Marias, der an diesem Dienstag den Medizincheck absolvierte, pulverisieren die „Red Devils“ die Rekordmarke von 58,5 Millionen Euro, die Chelsea 2011 für Fernando Torres bezahlte (

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Und dies für einen Spieler, der bei Real nach den Verpflichtungen von James Rodriguez und Toni Kroos ohne Perspektive war.

„Es ist nicht nur Di Maria. Wir wollen auch Vidal und Messi“, scherzte Uniteds Teammanager Louis van Gaal, brachte es damit aber auf den Punkt: Beim Versuch, nach dem Katastrophen-Vorjahr wieder zur Großmacht zu werden, bedient sich Manchester der finanziellen Brechstange.

Für die international wenig bekannten Ander Herrera (Bilbao/36 Millionen) und Luke Shaw (Southampton/37,5) zahlte United Mondpreise – schließlich spülen die Mega-Deals mit Trikotsponsor Chevrolet (65 Millionen Euro pro Jahr ab 2014/15) und Ausrüster adidas (95 Millionen Euro pro Jahr ab 2015/16) reichlich Geld in die Kassen.

Auch Liverpool hat kaum finanzielle Zwänge. 81 Millionen Euro hatten die Reds für Luis Suarez aus Barcelona kassiert, 130 Millionen wieder investiert – bevor nun Skandalnudel Balotelli für 21 Millionen kam.

Der angenommene Charakter eines Spielers spielt dabei offenbar keine Rolle.

Auf die Frage, was ihm an England missfalle, antwortete Balotelli in seiner Zeit bei Manchester City: „Presse, Wetter, Essen, Fahrweise.“ Später wollte er dies nur auf Manchester bezogen wissen – Liverpool ist da natürlich ganz anders.

ManCity selbst hat UEFA-Auflagen wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay zu erfüllen, leistete sich dennoch für 40 Millionen Euro Frankreichs Newcomer Eliaquim Mangala.

Chelsea gönnte sich Diego Costa (38 Millionen) und Cesc Fabregas (33), Arsenal Alexis Sanchez (38), Everton Romelu Lukaku (35). Selbst der teuerste Bundesliga-Transfer des Sommers, Bayerns Mehdi Benatia vom AS Rom (News), knackte dagegen nicht einmal die 30-Millionen-Marke.

Auch die zweite Reihe prasste fröhlich mit: West Ham holte den Ecuadorianer Enner Valencia (15 Millionen), Swansea den früheren Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson (Island/11), Queens Park den Niederländer Leroy Fer (10), Southampton den Iren Shane Long (14,9) und den Serben Dusan Tadic (14) – Unsummen für Durchschnitts-Legionäre.

Dass Englands Nationalmannschaft unter diesen Transfer-Exzessen leidet, ist längst bekannt. Allein, es wird geflissentlich ignoriert.