Bei der WM in Brasilien hat sich das englische Team wieder mal blamiert, die heimische Premier League bleibt dennoch die wohl aufregendste Liga der Welt.

Während in Deutschland der FC Bayern München einmal mehr haushoher Titelfavorit ist und es in Spanien wohl wieder auf den Zweikampf zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona hinaus laufen wird, glaubt Premier-League-Boss Richard Scudamore: „Wir haben die stärkste und ausgeglichenste Klasse. Fünf, sechs, vielleicht sogar sieben Mannschaften können den Titel gewinnen.“ Früher sprach man in England von den „Big four“, heute sind es mit Arsenal, Liverpool, Chelsea und den beiden Vereinen aus Manchester die „Big five“.

Und die Klubs aus dem gehobenen Mittelfeld machen mächtig Druck auf die Teams an der Spitze und nehmen richtig Geld in die Hand. So verblüffte etwa der FC Everton, als der belgische Jungstar Romelu Lukaku für beeindruckende 35,4 Millionen Euro mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet wurde.

Die Meisterschaft ging in der vergangenen Saison aber nach Manchester. Neben Titelverteidiger City macht sich auch United nach einer enttäuschenden Saison wieder Hoffnungen.

SPORT1 checkt vor dem Liga-Auftakt die Premier League, nennt Favoriten und wagt eine Prognose.

Trainer:

Das Duell um die Meisterschaft steht auch im Zeichen der großen Trainerpersönlichkeiten.

Der exzentrische Louis van Gaal übernahm Manchester United und will dem Klub nach der schlimmen vergangenen Saison nach der Ära Sir Alex Ferguson wieder zu altem Glanz verhelfen. Die Duelle des Niederländers mit seinem einstigen Assistenten und Freund Jose Mourinho dürften mehr als reizvoll werden.

Demgegenüber steht Mourinhos Intimfeind Arsene Wenger, der bereits seit 1996 bei Arsenal im Amt ist und eine echte Institution darstellt. Wenger schafft es immer wieder, mit geringeren Ausgaben als die Konkurrenz vorne mitzuspielen. Seit seinem Amtsantritt kam der gebürtige Elsässer jedes Mal unter die besten Vier mit Arsenal.

Top-Zugänge:

Die großen fünf Klubs haben alle tief in ihre Schatulle gegriffen und mindestens einen Top-Spieler verpflichtet. Der Königstransfer von Arsenal ist der Chilene Alexis Sanchez vom FC Barcelona. Bei Chelsea kamen Cesc Fabregas und Diego Costa aus Spanien. Manchester United hat Mittelfeldspieler Ander Herrera von Athletic Bilbao und Riesentalent Luke Shaw aus Southampton verpflichtet.

Stadtrivale City gab zuletzt die Verpflichtung von Eliaquim Mangala vom FC Porto für rund 40 Millionen Euro bekannt.

Liverpool hat im Gegensatz dazu nicht den ganz großen Star geholt, aber das Geld aus dem Suarez-Transfer munter wieder ausgegeben. Unter anderem kamen Adam Lallana und Dejan Lovren für knapp 60 Millionen aus Southampton.

Stars:

Aber natürlich gibt es auch noch einige altbekannte Stars wie Robin van Persie und Wayne Rooney, die mit United nach einer schwachen Saison einiges wieder gutzumachen haben.

Bei Liverpool hängt auch vieles von der „Reds“-Ikone Steven Gerrard ab. Bei City ist ebenfalls der Spielgestalter der große Star: Yaya Toure, der in der vergangenen Saison 20 Tore als zentraler Mittelfeldspieler erzielte.

Bei Chelsea und Arsenal wird von Eden Hazard und Mesut Özil noch mehr erwartet. Beide spielten bereits eine klasse Saison, doch besonders Özil muss noch konstanter werden.

Die Deutschen:

Außer Özil steht besonders Andre Schürrle im Fokus. Schürrle hat zwar starke Konkurrenz im offensiven Mittelfeld bei Chelsea, doch nach seiner starken WM darf er sich berechtigte Hoffnungen auf mehr Spielanteile machen.

Özils Teamkollegen Per Mertesacker und Lukas Podolski sind inzwischen erfahrene Recken beim 13-maligen englischen Meister. Mertesacker wurde sogar zum Vize-Kapitän ernannt. Serge Gnabry könnte als viertem deutschen Gunner eine Ausleihe bevorstehen, damit der 19-Jährige mehr Spielanteile bekommt.

Interessant wird es, ob Lewis Holtby sich in seinem zweiten Anlauf – nach seiner Leihe zum FC Fulham – bei den Tottenham Hotspur durchsetzen kann. In Fulham konnte der Ex-Schalker allerdings nicht unbedingt überzeugen.

Der erfahrenste deutsche Premier-League-Spieler wird in der Öffentlichkeit häufig gar nicht so wahrgenommen. Robert Huth feierte sein Debüt für Chelsea schon am 11. März 2002 gegen Aston Villa als damals 17-Jähriger. Inzwischen stehen 241 Premier-League-Einsätze für Chelsea, den FC Middlesbrough und seinen jetzigen Verein Stoke City in seiner Vita.

Gerhard Tremmel von Swansea City wird wohl nur Torwart Nummer zwei hinter Neuzugang Lukasz Fabianski.

SPORT1-Prognose:

Arsenal wird der ewige Geheimfavorit bleiben. Die Gunners werden wie immer die Hoffnungen der Fans auf den Titel wecken, aber auf Dauer sind sie nicht konstant genug. Trotz des überzeugenden Sieges im Community Shield gegen ManCity wird es für den FA-Cup-Sieger nicht zur ersten Meisterschaft seit 2004 reichen.

Dies gilt auch für Liverpool. Der Vize-Meister wird die starke Vorsaison nach den vielen Umstellungen und dem Abgang von Luis Suarez nicht wiederholen können.

Chelsea wird im zweiten Jahr unter Rückkehrer Mourinho mit den Neuzugängen Costa und Fabregas noch einen Tick stärker sein. Die Blues werden bis zum letzten Spieltag um die Meisterschaft mitspielen.

Manchester City ist definitiv wieder Favorit auf den Titel. Beim „Scheichklub“ sprudeln die Millionen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach wie vor, daran änderte auch eine 60-Millionen-Euro-Strafe wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay nichts. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum die Citizens schlechter abschneiden sollten, als in der vergangen Saison.

Doch der Stadtrivale United wird dem Team von Manuel Pellegrini den Titel in diesem Jahr wegschnappen. Die Red Devils haben keine Doppelbelastung, da sie die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb in der vergangenen Saison verpasst haben. Der Rekordmeister wird nicht noch eine solch schwache Spielzeit wie unter Fergusons Nachfolger David Moyes erleben. Mit einem fitten Sturmduo van Persie und Rooney sowie dem neuen Spielgestalter Herrera wird United zur großen Überraschung der neuen Saison.