Von Raphael Honigstein

Manuel Pellegrini verstand erst die Frage nicht, sie war ja auch ziemlich unverschämt.

Wie er es schaffe, angesichts der ständigen Spekulationen so würdevoll zu agieren, wollte ein Reporter im Emirates-Stadion nach Manchester Citys 1:2-Niederlage beim FC Arsenal von dem Chilenen wissen. Was konnte Pellegrini darauf antworten? Das Letzte, was der 62-jährige nach dem Schlusspfiff in Nord-London brauchte, war ein Lob der Peiniger für den Gleichmut, mit dem er die Qualen erträgt. Man müsse immer weiter arbeiten, sagte er, im Gesicht noch eine Spur grauer als sonst. Alles andere könne er ja nicht beeinflussen.

Citys Misserfolg bei den Gunners im direkten Duell an der Tabellenspitze muss bei der irrwitzigen Anzahl der Spiele in den nächsten Tagen noch nicht entscheidend gewesen sein. Aber in der schon an sich arg überdrehten Premier League ist seit dieser Woche alles noch extremer, wichtiger, dramatischer, weil mit Pep Guardiola und Jose Mourinho auch noch zwei der größten, begehrtesten Trainer der Welt in jedem Spitzenspiel als Phantome mitspielen.

Guardiola geistert über Manchester

Wie hätte Guardiola dieses irgendwie müde, nach hinten undisziplinierte City am Montagabend aufgestellt, welche Kicker hätten bei ihm überhaupt eine Chance? Es war quasi unmöglich, nicht in diesen Kategorien zu denken. Umgekehrt hätte eine Niederlage der Hausherren wohl die noch immer zahlreichen Kritiker von Arsene Wenger bestärkt; in den Gazetten hätte man dem Elsässer mit Sicherheit nahegelegt, sich aufs Altenteil zurückzuziehen und Guardiola die Geschicke beim FC Arsenal zu überlassen.

Das Pep-Gespenst wird sich so schnell nicht vertreiben lassen. City darf sich auf Grund der guten Verbindungen der Führungsebene – wo mit Ferran Soriano und Txiki Begiristain zwei alte Verbündete vom FC Barcelona das Sagen haben – zu dem Katalanen berechtigte Hoffnung machen, will aber den Bank-Warmhalter Pellegrini (bis 2017 unter Vertrag) nicht zu früh demontieren.

Ein mögliches Duell zwischen Bayern und City in der Champions League verkompliziert die Lage. Bis Guardiola jedoch nicht im Etihad unterschreibt, werden andere Klubs ihr Glück versuchen. Chelsea-Eigentümer Roman Abramowitsch, so hört man in West-London, hat diese Woche zum wiederholten Male bei den Beratern des Trainers vorgesprochen, ihm das Blaue vom Himmel bei den Blues versprochen.

Geduld mit van Gaal schwindet

Manchester United hat sein Interesse ebenfalls signalisiert – allein schon, um sich hinterher nichts nachsagen lassen zu können. Guardiola beim Nachbarn City: für die Fans der Red Devils ein Schreckensszenario. 

Ob Mourinho als Chef-Intendant im „Theatre of Dreams“ eine gute, oder doch eher Angst machende Vorstellung ist, wissen sie dagegen beim englischen Rekordmeister selbst nicht so genau.

Man wolle Louis van Gaal weiter Zeit geben, heißt es, aber die Geduld mit dem überaus zähen, nur durchschnittlich erfolgreichen Vorstellungen des Niederländers hat vor dem schweren Boxing-Day-Auswärtsspiel bei Stoke City bereits die Null-Grenze erreicht. Je mehr Mourinho über sein Umfeld und befreundete Journalisten sein Interesse am United-Posten beteuert, desto schwieriger wird es für den in sportlichen Dingen unsicheren Geschäftsführer Ed Woodward, an van Gaal festzuhalten.

Gespaltenes Verhältnis zu Mourinho

Woodward, ein Diplomphysiker, ehemaliger Steuerberater und Investmentbanker, kam als Vertrauter der Glazer-Familie ins Amt. Der 44-jährige kennt sich im Fußball nicht besonders aus, also vertraut er auf die Macht der großen Namen. Drei Sommer lang versuchte er vergeblich, Superstars wie Gareth Bale, Neymar oder Cristiano Ronaldo zu verpflichten; Mourinho wäre nun zu haben.

Ob die Glazers und der im Hintergrund weiter beratend tätige Alex Ferguson ihren großen Verein dem Egomanen aus Setubal ausliefern wollen, ist aber eine andere Frage. 2013 entschied man sich gegen Mourinho und für den pflegeleichten Schotten David Moyes. Der Ausgang jener Geschichte ist bekannt. 

Falls das auf Platz fünf in der Tabelle abgerutschte Team (neun Punkte Tabellenrückstand auf Leicester City) nicht schleunigst besser spielt, wird man sich bei United bald fragen müssen, was größer ist: das Risiko Mourinho oder das Risiko, mit van Gaal weiterzumachen. Eine Frage, die sich aus ähnlichen Gründen nun ja auch Ex-Klub Real Madrid stellen soll.

In Spanien spekulieren sie, dass er noch in diesem Jahr anstelle von Rafael Benitez wieder bei Real an der Seitenlinie stehen könnte. Ähnlich verrückt anmutend, aber mittlerweile durchaus denkbar ist die Vorstellung, dass der Portugiese am 28. Dezember auf der United-Bank Platz nimmt.

Der Gegner ist dann übrigens Chelsea.