Karl-Heinz Rummenigge ist nach seinem Rücktritt als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern zwar nicht mehr so oft im Rampenlicht wie früher, eine klare Meinung hat der 65-Jährige aber natürlich immer noch.

So zum Beispiel über Superstar Lionel Messi, dessen tränenreicher Abgang vom FC Barcelona er bedauert: “Als ich davon erfuhr, hat mich das ehrlich gesagt etwas traurig gemacht. Barcelona und Messi – das war eine erfolgreiche Ehe über 21 Jahre, die jetzt geschieden wird”, erklärt Rummenigge im Gespräch mit der SportBild und macht deutlich: “Der FC Barcelona wird enorm an Attraktivität verlieren, das ist klar, egal ob der Verein Meister oder Champions-League-Sieger in der nächsten Saison wird. Messi hat den Klub überstrahlt.”

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“PSG wird nicht unschlagbar sein”

Inzwischen steht fest: Messi trägt künftig das Trikot von Paris Saint-Germain. Ist PSG nun unbesiegbar? Rummenigge glaubt das nicht: “Zum Fußball gehört auch der Mannschaftsgeist, siehe Italien bei der EM. PSG wird nicht unschlagbar sein!”

Der Wechsel von Lionel Messi zu Paris Saint-Germain ist fix. Der Argentinier kommt nach 21 Jahren beim FC Barcelona in die französische Hauptstadt.

Der Wechsel von Lionel Messi zu Paris Saint-Germain ist fix. Der Argentinier kommt nach 21 Jahren beim FC Barcelona in die französische Hauptstadt.

Gab es beim FC Bayern denn jemals einen Gedanken an eine Messi-­Verpflichtung? “Nein”, betont Rummenigge. “Das funktioniert aus mehreren Gründen nicht: Finanziell wäre das eine Größenordnung gewesen, die für Probleme gesorgt hätte – vor allem in der Kabine: Heute bleibt ja nichts mehr geheim, die Spieler wissen fast genau, was ihr Sitznachbar verdient”, sagt der Ehrenpräsident von Europas Klub-Verband ECA und erklärt:

“Das Gehaltsniveau wäre bei uns, so wie es bei Barcelona passiert ist, über Messi nach oben gezogen worden. Das zweite Problem: Einen Messi kann ich mir aufgrund der Neidkultur schwer in einem Land wie Deutschland vorstellen.”

Manchester City und PSG investieren ohne Ende

Anders als der FC Bayern, der gerade in der Coronakrise immer wieder betont, man müsse vernünftig wirtschaften und werde keine Fantasiesummen für Spieler und Gehälter zahlen, investieren unter anderem Manchester City und PSG trotz der Pandemie ohne Ende.

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Rummenigge weiß: “Sie verfügen über die finanziellen Mittel und können im Endeffekt machen, was sie wollen. Nur mit Financial Fairplay ist dem entgegenzuwirken. Wir haben nun Financial Fairplay 2.0. Aber ich betone: Wir brauchen die Version 3.0, welche einen konkreten Strafenkatalog beinhaltet.”

Der Ex-Profi schlägt vor: ”Man kann mit einem Prozentsatz arbeiten: Beispielsweise, dass nur 50 Prozent vom Umsatz in Gehälter investiert werden darf. Diese Regelung könnte sich individuell an den Vereinen orientieren, die Größenordnung wäre von Klub zu Klub variabel.”

“Sonst wird der deutsche Fußball international abgehängt”

Es müsse klare Bestimmungen für alle geben, “die nicht mehr durch irgendwelche Tricks oder Hintertürchen umgangen werden können”, fordert Rummenigge.

Fakt ist, dass sich der Fußball derzeit in einer prekären Lage befindet. “Wir müssen alle, insbesondere auch der deutsche Fußball, großes Interesse haben, Regularien zu finden. Sonst wird der deutsche Fußball international auf Sicht abgehängt”, ahnt Rummenigge böses.

“Im Moment hat man den Eindruck, dass die Engländer am Transfermarkt weitermarschieren, als hätte es Corona nie gegeben”, sagt Rummennigge und erläutert:

“Brauchen ein internationales Regulativ”

“Das ist ihnen aus zweierlei Gründen möglich: Zum einen gibt es dreimal so hohe TV-Einnahmen wie in der Bundesliga. Zum anderen befinden sich schwerreiche Besitzer im Hintergrund, die Geld nachschießen und Corona möglicherweise sogar zu ihren Gunsten ausnutzen können. Wir brauchen demnach ein internationales Regulativ.”

Der Ex-Boss des Rekordmeisters schlägt also vor: “Es existiert bereits in Form von Financial Fairplay. Es muss nur angepasst und stringenter eingesetzt und eingefordert werden. Das ist eine absolute Notwendigkeit. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sieht das ähnlich.”

Rummenigge warnt jedoch: “Wenn es so weitergeht, wird es natürlich ungleich schwieriger mit diesen Klubs mitzuhalten.”

Der ehemalige Stürmer fügt hinzu: “Die Schere entwickelt sich nicht zugunsten der traditionell wirtschaftenden Klubs. Der FC Bayern kann sich Transfers in dieser Größenordnung nicht erlauben, da sich die Gehälter trotz Corona nach oben entwickeln. Das bedaure ich sehr, es erscheint auch absurd, aber der Markt regelt den Preis!”