„Einspielen und Experimentieren“ – unter diesem sehr ambivalenten Motto startet die Fußball-Nationalmannschaft am Montag ins WM-Jahr. Wenn Hansi Flick seine Spieler in Neu-Isenburg bei Frankfurt nach vier Monaten Länderspielpause wieder versammelt, muss dem Bundestrainer ein schwieriger Spagat gelingen.

„Wir wollen einen Mix finden aus Ausprobieren und Einspielen“, sagte Flick mit Blick auf die Länderspiele am 26. März in Sinsheim gegen Israel und drei Tage später in Amsterdam gegen die Niederlande: „Das ist nicht so ganz einfach, man ist da immer auch ein bisschen in der Zwickmühle.“

Keine Frage: Würden Leistungsträger wie Niklas Süle, Leon Goretzka, Marco Reus oder Jonas Hofmann nicht verletzt oder erkrankt ausfallen, wäre Flicks Experimentierfreude deutlich kleiner. Denn eigentlich will er bis zur Winter-WM in Katar (21. November bis 18. Dezember) vor allem an Automatismen arbeiten, um nach seinem Sieben-Siege-Rekordstart noch dichter an die Weltspitze heranzurücken.

So aber nutzt Flick notgedrungen die Möglichkeit, Neuling Anton Stach, die Rückkehrer Julian Weigl, Benjamin Henrichs und Robin Koch sowie Streichkandidaten wie Julian Draxler ganz genau unter die Lupe zu nehmen. „Wir nutzten die zehn Tage, um uns ein Bild zu machen“, kündigte Flick an: „Wenn wir es jetzt nicht machen, dann brauchen wir es gar nicht mehr zu machen.“

Flick: Das habe ich Musiala zugetraut

Auch taktisch wird er etwas probieren. So könnte Ausnahmetalent Jamal Musiala wie zuletzt bei Bayern München neben Rückkehrer Joshua Kimmich in einer defensiveren Rolle auflaufen.

Er selbst habe „auch schon daran gedacht, ihn auf der Sechs spielen zu lassen“, verriet der ehemalige Bayern-Coach: „Ich habe ihm das zugetraut.“ Musiala verfüge nicht nur über eine exzellente Technik und enorme Geschwindigkeit, sondern sei auch „schlau im Zweikampf“.

Am größten ist Flicks Gestaltungsfreiraum im Test gegen Israel, der angesichts des Krieges in der Ukraine von einigen Friedens-Aktionen geprägt sein wird. Der Weltranglisten-77. stehe auf dem Papier zwar nicht so gut da, meinte Flick, „kann aber trotzdem gut Fußball spielen“.

Hier sieht Flick Nachholdbedarf

Im prestigeträchtigen Klassiker gegen die Niederlande dürfte er seine stärkste Elf auf den Platz schicken. Es werde „wichtig sein, dass wir eine gute Defensive, eine gute Ordnung haben, dass wir Druck auf den Ball bekommen“, forderte der Bundestrainer.

Dafür braucht es jedoch eine herausragende Fitness – und in diesem Punkt sieht Flick Nachholbedarf. Für das erklärte Ziel WM-Titel sei es „die absolute Grundvoraussetzung, dass alle Spieler topfit sind“. Jeder Profi müsse „nicht nur im technisch-taktischen Bereich, sondern auch an der Physis“ an sich arbeiten, verlangte er.

Und dann schob Flick als kleine, aber unmissverständliche Warnung hinterher: „Das werden wir überprüfen.“ Sollte er keine Entwicklung sehen, „werden wir das den Spielern auch so klar sagen“. Der Kampf um die WM-Plätze – er geht in die heiße Phase.