Der FC Chelsea steht seit dem russischen Angriff auf die Ukraine unter besonderer Beobachtung. In England wird der Spitzenklub hart sanktioniert, was sich längst auch auf die Profis auswirkt.

Der deutsche Nationalspieler Kai Havertz gibt einen Einblick in die aktuelle Gefühlswelt eines Chelsea-Stars. „In der Pressekonferenz drehten sich von zehn Fragen an mich fast alle um Roman Abramowitsch und den Krieg“, sagte der ehemalige Leverkusener im Interview mit der Welt. (DATEN: Die Tabelle der Premier League)

Er könne dies nachvollziehen: „Aber von uns Spielern werden dann teilweise Antworten erwartet, die im Moment niemand geben kann, nicht einmal die Politik.“

Havertz richtete den Blick daher aufs Wesentliche: „Das Wichtigste ist, dass dieser schreckliche Krieg endlich aufhört. Der FC Chelsea steht für Frieden. Das sollte allen klar sein.“

Reisekosten? Für Havertz unbedeutend

Für Klub, Mitarbeiter und auch Spieler sei es derzeit sicher nicht einfach: „Aber ich habe das Gefühl, dass diese Situation den gesamten Verein zusammengeschweißt hat. Aber noch einmal: Wichtig ist, dass dieser Krieg aufhört. Dass die Menschen in der Ukraine nicht mehr um ihr Leben fürchten müssen.“

Die Sanktionen infolge des Ukrainekriegs betreffen Chelsea in besonderem Maße, denn Oligarch Abramowitsch steht wegen seiner jahrelangen, geschäftlichen und politischen Verflechtungen mit Staatspräsident Wladimir Putin besonders im Fokus.

Eine der Maßnahmen der britischen Regierung gegen den FC Chelsea sieht vor, dass Auswärtsreisen der Blues aktuell nicht mehr als 22.000 Pfund kosten dürfen.

. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Premier League)

Unerheblich, findet Havertz: „Die Situation ist immer noch unübersichtlich und ändert sich laufend. Und ganz ehrlich: Am Ende ist es doch ganz egal, ob wir vier Stunden mit dem Bus fahren oder nur eine Stunde fliegen müssen. Es gibt derzeit viel wichtigere Dinge, über die man sich Gedanken machen muss, als über unsere Reisekosten.“

Havertz: Tuchel gibt Chelsea-Mitarbeitern Kraft

Er verweist auf seinen Trainer Thomas Tuchel, der angekündigt hatte, zur Not auch mit dem Fahrrad zu fahren. Ohnehin sei Tuchel in London derzeit ein absoluter Fels in der Brandung, wie Havertz in einem fast hymnischen persönlichen Loblied würdigt.

„Viele Menschen in unserem Verein und seinem Umfeld ziehen aus dem, was Thomas Tuchel sagt, Kraft. Es ist schon bemerkenswert, wie er und der ganze Staff mit der aktuellen Situation umgehen“, sagte Havertz.

Er selbst mache sich derzeit trotz der schwierigen Lage keine Gedanken über seine Zukunft. „Wir versuchen uns alle auf die Spiele zu konzentrieren, alles andere können wir nicht beeinflussen. Im Vordergrund steht für uns jetzt erst einmal, dass der Krieg gestoppt wird und es endlich wieder Frieden in der Ukraine gibt.“

Ähnlich reflektiert wie zum Ukraine-Krieg äußerte sich Havertz auch zu der bevorstehenden WM in Katar – die wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen schon lange kritisch beäugt wird. Zuletzt sprachen Vertreter von zwei Menschenrechtsorganisationen im Rahmen der aktuellen Länderspiele mit den DFB-Spielern.

Katar? „Es gibt keine einfachen Lösungen“

„Wir haben alle sehr wertvolle Informationen erhalten. Ich glaube, für viele Spieler sind einige Punkte noch unklar – da beziehe ich mich mit ein“, sagte Havertz: „Ich wusste über die Situation in Katar und den richtigen Umgang mit ihr nicht so viel.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Premier League)

Es gebe „keine einfachen Lösungen und Antworten, die haben nicht einmal die politisch Verantwortlichen. Deshalb hat mich dieser Abend weitergebracht.“

Entscheidend sei, dass man sich weiter mit dem Thema beschäftige, erklärte Havertz: „Jetzt wird es wichtig sein, dass wir uns in den kommenden Monaten weiterhin austauschen und gemeinsam mit dem DFB eine Haltung erarbeiten. Und wissen, wie wir uns dann vor Ort in der Debatte um Menschenrechte im Rahmen unserer Möglichkeiten einbringen und positionieren können.“