Es ist der Traum vieler Fußballer, einmal in der Premier League zu spielen. Für Matthew Briggs ging diese Wunschvorstellung 2007 im Alter von nur 16 Jahren und 65 Tagen in Erfüllung. Damit war er bis 2019 der jüngste eingesetzte Spieler der Premier-League-Geschichte. Aus heutiger Sicht war es der Anfang vom Ende seiner Profi-Karriere.
Am 13. Mai 2007 durfte Briggs erstmals mit den Profis des FC Fulham zu einer Auswärtsreise antreten. Eigentlich gehörte er damals zur U16 und war Stammspieler auf der Linksverteidigerposition. Mit seinen Leistungen machte er auf sich aufmerksam, Schwergewichte wie der FC Arsenal und Manchester United buhlten um das Talent.
Fulham will Briggs mit Profivertrag ausstatten
Aus diesem Grund wollte Fulham Briggs schnellstmöglich mit einem Profivertrag ausstatten, um einen Wechsel zu erschweren. „Wir hatten ein Treffen und sie sagten, sie wollten, dass ich mit der ersten Mannschaft reise, aber um zu spielen, muss man unter Vertrag sein“, berichtete der Linksverteidiger einst der britischen Zeitung The Sun und fügte hinzu: „Ich habe überlegt, wegen meines Stipendiums zu Arsenal zu gehen.“
Doch die Fulham-Verantwortlichen machten Briggs einen Einsatz in der Premier League und den daraus resultierenden Profivertrag schmackhaft, indem sie ihm aufzeigten, dass er dann der jüngste Spieler der Premier-League-Geschichte sei.
„Zu dieser Zeit, in diesem Alter, würde niemand die Chance ausschlagen, einmal einen Rekord zu brechen und dann in der größten Liga der Welt zu spielen“, verriet Briggs.
Er entschied sich für einen Einsatz und so wurde der heute 32-Jährige am letzten Spieltag der Saison 2006/07 rund 13 Minuten vor dem Ende beim FC Middlesbrough eingewechselt. „Es war ein komisches Gefühl, als die Leute im Anschluss auf mich zukamen und sagten, sie hätten mich im Fernsehen gesehen und mich um ein Autogramm baten“, stellte Briggs fest. Sein Debüt habe alles verändert.
Nächster Einsatz erst drei Jahre später
Man hätte meinen können, dass das Toptalent ab der nächsten Saison häufiger zum Einsatz gekommen wäre, als Bestandteil der Profi-Mannschaft. Doch dem war nicht so, denn der Verteidiger musste bis 2010 warten, ehe er ein zweites Mal in der Premier League ran durfte.
Am 10. November 2010 stand das Auswärtsspiel des FC Fulham beim FC Chelsea an und Briggs war auf einmal in der Startelf. Über die lange Wartezeit sagte er später: „Es war verwirrend für mich. Ich habe nie eine Erklärung für die Gründe bekommen.“
Ergänzend gestand der Engländer, dass es keine leichte Zeit für ihn gewesen sei: „Der Druck, in der Umkleidekabine der Jugendmannschaft zu sein, und die Kinder in diesem Alter, die einen ärgern und hänseln.“ Zudem wurde er von seinem Umfeld bedrängt – die Erwartungshaltung war groß, er wurde häufig gefragt, wann er denn endlich wieder für die Profi-Mannschaft spielen werde.
Briggs wird Bauarbeiter
„Es war mir fast peinlich, überhaupt zu antworten, weil ich nicht wusste, warum. Ich war einfach sehr verwirrt und habe mein Selbstvertrauen verloren“, gab er einen Einblick in seine Gefühlswelt.
Vier Wochen nach Auftritt Nummer zwei gehörte der Engländer wieder zur Startelf, wurde aber schon nach 29 Minuten ausgewechselt. Erst am letzten Spieltag durfte Briggs dann wieder ran und stand zum dritten Mal in seiner Karriere in der Startelf.
Auch in den folgenden Spielzeiten ging es für ihn nicht bergauf, zumal er mehrmals ausgeliehen wurde, aber auch in der Fremde nicht zum Durchbruch kam. Nach Stationen in der zweiten und dritten englischen Liga landete Briggs im unbezahlten Fußball und fing zunächst an, als Bauarbeiter zu arbeiten.
Kurios: Im Alter von 24 Jahren wurde er Nationalspieler von Guyana und absolvierte bis 2022 insgesamt 25 Länderspiele. Heute spielte der 32-Jährige in der siebten englischen Liga beim FC Horsham.
Hauptberuflich ist er Personaltrainer und auch wieder beim FC Fulham tätig. Allerdings nicht als Spieler, sondern als Spielerbetreuer in der Akademie. Dort arbeitet Briggs mit Talenten zusammen, die den Sprung in die Premier League schaffen wollen. Der Traum, mit dem auch für ihn selbst alles losging.