Ein Sieg in den vergangenen sechs Premier-League-Spielen: Es liest sich wie die Bilanz eines Abstiegskandidaten, jedoch sprechen wir hier tatsächlich über Pep Guardiolas „Dreamteam“ Manchester City. Die in den vergangenen Jahren praktisch unantastbaren Skyblues durchleben derzeit nicht nur eine irdische Phase, sondern eine echte Krise.

Ein solches Wort war seit der Ankunft von Pep Guardiola im Jahr 2016 im Vokabular praktisch nicht vorhanden. Nun scheint es aber so, als wäre der Zauber des katalanischen Genies verflogen.

Presse sieht „ins Taumeln geratene“ Skyblues

Wenig zauberhaft war der Auftritt von Manchester City auch gegen Crystal Palace am vergangenen Samstag. Zwar waren Jack Grealish und Rico Lewis mit dem Treffern zum 1:0 und 2:0 drauf und dran, den derzeitigen Durchhänger zu beenden, jedoch glich der Tabellen-15. durch den Ex-Mainzer Jean-Philippe Mateta und Michael Olisé aus. Zweiterer traf in der sechsten Minute der Nachspielzeit per Elfmeter zum 2:2 und sorgte damit für den bisherigen Höhepunkt Guardiola-Durststecke. Aktuell sind es fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Arsenal.

Die englische Presse wunderte sich über die plötzliche Schwäche der Skyblues, die man in Manchester eigentlich nur von den Red Devils kennt. Es scheint aber fast so, als würde man das auf der Insel bei aller Verwunderung auch zu genießen.

„Manchester City könnte bis Weihnachten der König der Welt sein – aber die Verteidigung der Krone im eigenen Land geht gründlich schief“, titulierte die Sun, angelehnt an die noch im Dezember stattfindende Klub-WM, bei der die Skyblues am Dienstagabend ihre Auftaktpartie gegen die Urawa Red Diamonds aus Japan bestreiten. „Der Triple-Sieger, der drei Jahre lang unantastbar in der Premier League war, wackelt nicht nur ein wenig, sondern ist regelrecht ins Taumeln geraten“, stellte die englische Zeitung erstaunt fest.

„Wie konnte Manchester City nur schon wieder Punkte wegwerfen?“, wunderte sich auch The Athletic. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft immer weiter auseinander. „Während Manchester Citys Gedanken um die Weltherrschaft kreisen, ist der englische Meistertitel ein wenig aus den Händen geglitten“, kritisierte The Independent den amtierenden Meister.

Guardiola murrt: „Kein Pech, es war verdient“

Nach inzwischen sechseinhalb Jahren Pep Guardiola könnte man sich die Frage stellen, ob die Beziehung möglicherweise zu sehr in die Jahre gekommen ist. Der Katalane selbst hat eine Verlängerung seines bis 2025 laufenden Vertrags einem Guardian-Bericht zufolge bereits ausgeschlossen. Doch wäre ein Guardiola-Ende 2025 vielleicht sogar spät oder findet der Trainerfuchs eine Lösung für die Probleme?

Der 52-Jährige zeigte sich nach dem Remis gegen Crystal Palace vor allem genervt darüber, dass sein Team die Spiele derzeit nicht vorzeitig entscheiden kann und sich wie schon gegen Chelsea kurz vor dem Ende einen Elfmeter gegen sich einhandelte. „Das war kein Pech, es war verdient“, murrte er nach dem Abpfiff. „Wir sind nicht in der Lage, Spiele zu gewinnen“, meinte er ernüchtert.

Punkteschnitt beweist: Schwächstes Guardiola Team

Nun ist der Katalane gefragt, das Ruder mit seinem Team herumzureißen. Eine Situation, in der der erfolgsverwöhnte Spanier eher Novize als Fachmann ist. Immerhin hat er in seinem zuvor 14-jährigen Dasein als Cheftrainer nie einen so schlechten Punkte-Schnitt in der Liga hinnehmen müssen. Derzeit stehen die Skyblues in der Premier League bei 2,00 Punkten pro Spie. Das ist weniger als in seiner ersten Saison auf der Insel, wo er nach 2,05 Punkten pro Match auf Tabellen-Rang drei landete.

Folgerichtig ist ManCity aktuell nur Vierter, was den perfektionistischen Taktik-Professor natürlich nicht zufriedenstellen kann. Da wachsen auch automatisch die Zweifel. Haben City und Guardiola den Zenit mit dem Champions-League-Triumph überschritten?

Neville benennt möglichen Guardiola-Nachfolger

United-Legende und Experte Gary Neville hat bereits jemanden im Visier, der Guardiola eines Tages ersetzen könnte. Dabei handelt es sich um Tottenham-Coach Ange Postecoglou. „Den Fans der Spurs wird das nicht gefallen, aber er ist fantastisch, und wenn Manchester City in ein oder zwei Jahren Pep Guardiola verliert, werden sie sich Ange Postecoglou ansehen und denken: Wow, das ist genau das, was wir sehen wollen“, prophezeite er.

Pep Guardiola wird all das noch nicht wirklich brennend interessieren. Zumindest solange die Titel-Chancen noch am Leben sind.