73 Tage vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International vor „enormen Risiken“ gewarnt. Fans, Spieler, Medienschaffende und lokale Gemeinschaften seien den Gefahren von „staatlichen Repressionen, Abschiebungen, Gewalt und Diskriminierung“ ausgesetzt, heißt es in einem am Montag veröffentlichten 44-seitigen Bericht. Das Turnier fände inmitten einer „akuten Menschenrechtskrise“ statt.
Das Versprechen der FIFA, ein Turnier, bei dem sich jeder „sicher, integriert und frei fühlt, seine Rechte auszuüben“, stehe laut Amnesty im „krassen Gegensatz“ zu den tatsächlichen Verhältnissen in allen drei Gastgeberländern. „Die FIFA und die beteiligten Regierungen müssen dringend verbindliche Schutzmaßnahmen durchsetzen, damit die Menschenrechte und nicht die Rekordgewinne im Mittelpunkt des Turniers stehen“, forderte Amnesty. Die FIFA plant für das Turnier Rekordeinnahmen in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar.
Besonders kritisch sieht die Menschenrechtsorganisation die USA, wo 78 der 104 Partien ausgetragen werden sollen. Dort befinde man sich in einem „regelrechten Menschenrechtsnotstand“. Insbesondere die Verhaftungen und Abschiebungen der US-Einwanderungsbehörde ICE werden kritisiert.
Auch in Mexiko seien die Risiken gestiegen. Infolge der Gewaltausbrüche um die Tötung des Drogenkartell-Bosses Nemesio Oseguera Cervantes hatte die Regierung angekündigt, zum Schutz der 13 WM-Spiele in Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey insgesamt 100.000 Polizisten, Soldaten und Angehörige privater Sicherheitsdienst einzusetzen. In Kanada äußerte Amnesty Befürchtungen vor der Vertreibung von Obdachlosen.
„Die WM 2026 droht mehr Repression als Fußball zu liefern. Wer protestiert oder Kritik äußert, muss bei der Weltmeisterschaft mit Repression rechnen. Setzen sich die Razzien der US‑Einwanderungsbehörde ICE, die massenhaften Festnahmen und die Einreiseverbote fort, wird dieses Turnier zum Symbol staatlicher Einschüchterung“, sagte Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland.
Das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika findet am 11. Juni im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt statt, das Finale ist am 19. Juli im MetLife-Stadium in New Jersey geplant.