Von Christoph Lother

Grassau – Der eine stemmt einen kleinen Baumstamm in die Höhe, der andere einen großen Ziegelstein.

Es wird gekeucht, hin und wieder sogar leise geflucht. Der Schweiß läuft den Spielern über das Gesicht.

Mit teilweise ungewöhnlichen Methoden und unter der Beobachtung zahlreicher mitgereister Fans bereitet sich das Team des FC Schalke 04 im Trainingslager in Grassau auf die kommende Bundesliga-Saison vor.

Auf einen weiteren Angriff auf den FC Bayern und Borussia Dortmund.

Pflichtspiel-Auftakt in Dresden

Knapp vier Wochen sind es noch bis zum Liga-Auftakt bei Hannover 96 am 23. August.

Bereits fünf Tage zuvor treten die Schalker in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden an.

In ihren täglichen Einheiten am Chiemsee schaffen die Königsblauen derzeit die Basis – sowohl im konditionellen als auch im spielerischen Bereich.

Den abschließenden Härtetest vor der Rückkehr in die Heimat bestreiten die Schützlinge von Trainer Jens Keller am Dienstagabend im nahegelegenen Kufstein gegen Premier-League-Klub Stoke City (ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Meyer drängt sich auf

Einer, der gegen das Team um die beiden Ex-Bundesliga-Profis Marko Arnautovic und Mame Diouf sowie den ehemaligen deutschen Nationalspieler Robert Huth besonders im Fokus stehen dürfte, ist der 18 Jahre junge Max Meyer.

Der Mittelfeldspieler erhielt nach einer starken Rückrunde von den Schalker Verantwortlichen für die aktuell in Ungarn stattfindende U-19-EM keine Freigabe.

Weil er in dieser Saison für Schalke durchstarten soll. Sich zu 100 Prozent auf die Saison vorbereiten soll.

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Und der 1,69-Meter-Floh ist mit Feuereifer bei der Sache, haut sich voll rein.

„Mit meiner Art auf dem Feld möchte ich meine Mitspieler mitreißen“, erklärt Meyer, „denn ich will jedes Spiel gewinnen“. Auch das gegen Stoke.

Jungstar will Verantwortung übernehmen

Man könnte fast meinen, der kleine Techniker nutzt die Abwesenheit von Weltmeister Julian Draxler, der genau wie sein Nationalmannschaftskollege Benedikt Höwedes und der niederländische WM-Dritte Klaas-Jan Huntelaar noch im Urlaub weilt, um das Zepter im offensiven Mittelfeld an sich zu reißen.

„Vielleicht wirke ich nicht immer wie der typische Lautsprecher“, sagt Meyer zwar. Zugleich betont er aber: „Dennoch möchte ich Verantwortung übernehmen.“

Trainer Keller dürfte das gefallen. Schließlich gab es – von Mittelfeldmann Kevin-Prince Boateng oder Kapitän Höwedes mal abgesehen – in der abgelaufenen Saison nur wenige Spieler in seinem Kader, die dem klassischen Bild einer Führungsfigur entsprachen.

Umso besser, wird sich der Coach denken, wenn nun forsche und talentierte Jungspunde wie Meyer sich dieser Rolle annehmen wollen.

Trio kommt – Verletzungspech bleibt

Vielleicht erklärt das auch die bislang recht überschaubaren Aktivitäten der Königsblauen auf dem Transfermarkt.

Mit dem Leverkusener Sidney Sam und dem Mainzer Eric Maxim Choupo-Moting wurden zwei namhafte Leute für die Abteilung Attacke verpflichtet, mit dem Düsseldorfer Fabian Giefer ein Torhüter. Mehr nicht. Zumindest noch nicht.

Dabei kann der Kader für das angestrebte Ziel, sich erneut direkt für die Champions League zu qualifizieren und die Dominanz des Spitzenduos aus München und Dortmund endlich einmal zu brechen, eigentlich kaum breit genug sein.

Zumal der Tabellendritte der Vorsaison das Verletzungspech nicht loszuwerden scheint. Jungstar Leon Goretzka trainierte wegen eines noch nicht ganz ausgeheilten Muskelbündelrisses zuletzt nur individuell, Christian Clemens ist mit einem Muskelfaserriss bereits vorzeitig aus dem Trainingslager abgereist.

Flügelflitzer Jefferson Farfan wird in Folge einer Knie-OP sogar erst Ende Oktober im Mannschaftstraining zurückerwartet.

Bis dahin sind andere gefordert. Solche wie der junge Meyer.