Aus Dortmund berichtet Holger Luhmann

Dortmund – Nach dem Schock im Supercup brachte Manuel Neuer die Sorgen beim FC Bayern auf den Punkt.

„Langfristig“, sagte der Fußballer des Jahres, wäre der Ausfall von Javi Martinez „eine Katastrophe.“

Die Bayern mussten nicht nur die 0:2-Niederlage beim Erzrivalen Borussia Dortmund verkraften (Bericht). Noch schmerzhafter dürfte die schwere Verletzung von Martinez sein.

Noch am Mittwoch sprach Martinez selbst in einer Facebook-Nachricht von einer 99-Prozent-Wahrscheinlichkeit, dass sein Kreuzband gerissen sei.

Am Tag darauf kam mit der offiziellen Diagnose das letzte Prozent hinzu (News).

Martinez, der demnächst von einem Spezialisten in den USA operiert werden soll, wird den Bayern damit wohl mindestens ein halbes Jahr nicht zur Verfügung stehen.

Dabei hatte Trainer Pep Guardiola ihn als Chef in der Abwehr – ob in der neu formierten Dreierkette, oder im klassischen Vierer-Defensivblock – auserkoren (

).

„Martinez war dieses Jahr unser Bester“, klagte Guardiola, der all seine taktischen Planspiele kurz vor dem Saisonstart über den Haufen werfen muss.

Guardiola hat ohnehin noch genügend andere Baustellen.

Durch die kurze Vorbereitungszeit für die WM-Teilnehmer ist ein Großteil der Mannschaft weit vom notwendigen Fitnesszustand entfernt.

„Wir liegen einen Monat hinter unserem Zeitplan“, schlug der Katalane Alarm und stellte alle Bayern-Fans schon mal auf eine holprige Hinrunde ein: „Wir müssen uns bis zur Winterpause irgendwie durchkämpfen.“

Von einer dominanten Turbo-Meiterschaft wie in der vergangenen Saison ist beim Double-Gewinner keine Rede (BERICHT: Die Stimmen zum Spiel).

Zumal Guardiola noch ein anderes Problem hat – das Mittelfeld.

Toni Kroos hinterlässt dort durch seinen Weggang zu Real Madrid eine beträchtliche Lücke. Der verletzte Thiago fällt noch länger aus als angenommen.

Für den von Guardiola propagierten Ballbesitz-Fußball, das bei den Gegnern gefürchtete Tiki-Taka, fehlt dem FCB derzeit das Personal.

Und weil in Dortmund auch noch Franck Ribery, Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger fehlten und Thomas Müller nach wenigen Trainingseinheiten jegliche Spritzigkeit vermissen ließ, war Robert Lewandowski in seinem einstigen Wohnzimmer weitgehend auf sich allein gestellt.

„Wir hatten keine guten Aktionen, ich habe keine Bälle bekommen. Die ganze Offensive war ein Problem“, gab der Pole unumwunden zu.

 

Auch Philipp Lahm reihte sich in die Schlange der Mahner.

„Wir haben viele Ausfälle, das ist ein Problem“, sagte der Kapitän. Zunächst einmal dachte er aber an Martinez: „Für ihn ist es unglaublich bitter.“

Die Verletzung hatte Martinez auf kuriose Art und Weise erlitten. Im gegnerischen Strafraum setzte er nach einer halben Stunde zu einem Scherenschlag, knallte dabei in der Luft mit dem linken Knie gegen den rechten Ellbogen des Dortmunders Marcel Schmelzer (

).

Mit dick bandagiertem Knie und schmerzverzerrtem Gesicht wurde er schließlich in die Kabine getragen.

Möglich ist, dass die Bayern auf den Ausfall von Martinez reagieren und nun doch noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden.

Falls „etwas Dramatisches“ passiere, würde man vielleicht noch tätig werden, hatte Sport-Vorstand Matthias Sammer zuletzt bei SPORT1 gesagt. Dieser Fall ist jetzt eingetroffen.

In den Katakomben des Signal Iduna Parks von Dortmund wollte sich Sammer dazu aber ebenso wenig äußern wie Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Immerhin Manuel Neuer sah für überzogene Schwarzmalerei dann aber doch keinen Grund.

„In der Defensive sind wir auch ohne Martinez gut aufgestellt“, sagte Neuer und fügte hinzu: „Jerome Boateng kann das, Dante kann das auch – und Holger Badstuber ist ja auch wieder da.

Auf die Frage, ob er sich Sorgen mache, hatte Neuer eine ebenso knappe wie prägnante Antwort parat: „Nö.“