Dieter Hecking schäumte vor Wut. Der VfL Wolfsburg war beim Testspiel gegen Atletico Madrid mit 1:5 unter die Räder gekommen. Deshalb ließ der Trainer eine Tirade los.

„Ich bin restlos sauer, der Auftritt war unterirdisch von der ersten Sekunde an. Hoffentlich war das eine Ohrfeige zum richtigen Zeitpunkt“, polterte der Coach.

Der Champions-League-Finalist war für Heckings Team noch eine Nummer zu groß. In der Zukunft wollen sich die Niedersachsen aber häufiger mit solchen Kalibern messen – und dann besser abschneiden.

Nur nach der Meisterschaft 2009 schaffte es Wolfsburg in die Königsklasse, in den Folgejahren schwebte das Team mehrmals sogar in Abstiegsgefahr.

Erst in der Vorsaison ging es wieder aufwärts. Der VfL landete auf Platz fünf und darf nach fünf Jahren Pause wieder auf Europa-Tour gehen.

Den Champions-League-Rang vier verfehlten die Wolfsburger nur um einen Punkt. Diese kleine Lücke sollte Ansporn genug sein, um sich zu verbessern.

Vom Etat her gehören die Niedersachsen sicherlich in die Top Vier. „Dass Wolfsburg eine richtige Macht werden kann, ist allen klar. Wenn VW richtig die Dose öffnet, wird’s für alle anderen ungemütlich“, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp zu Jahresbeginn.

 SPORT1 stellt den VfL Wolfsburg vor.

Zu- und Abgänge

Die Zeiten der Shoppingexzesse sind beim VfL vorbei. Sportdirektor Klaus Allofs hat bislang nur vier neue Spieler verpflichtet – so viele wie Alleinunterhalter Felix Magath manchmal an einem Tag.

Die neuen Leute haben allesamt Stammplatz-Potenzial: Aaron Hunt versucht nach 13 Jahren bei Werder Bremen nun sein Glück in Niedersachsen. Der 27-Jährige soll die Torgefahr im offensiven Mittelfeld erhöhen.

Josuha Guilavogui ist für das defensive Mittelfeld eingeplant. Die Leihgabe von Atletico Madrid könnte mit Luis Gustavo die Doppelsechs bilden.

 

Sebastian Jung soll die Baustelle auf der rechten Seite schließen. Problem: Der Drei-Millionen-Euro-Zugang von Eintracht Frankfurt zog sich in der Vorbereitung einen Muskelfaserriss zu und wird wahrscheinlich den Saisonstart verpassen.

Nun hat der Verein noch Angreifer Nicklas Bendter geholt, nachdem sich Kandidaten wie Alvaro Morata (zu Juventus Turin) und Romelu Lukaku (zum FC Everton) anders entschieden haben.

Der dänische Stürmer gilt als Wundertüte. Topvereine wie Arsenal London und Juventus Turin stehen in seiner Vita, aber auch Skandale.

Bei den Abgängen ging es in erster Linie darum, Altlasten aus der kostspieligen Magath-Ära loszuwerden. Das ist Allofs teilweise gelungen: Rasmus Jönsson und Vaclav Pilar gehören dem Kader nicht mehr an.

Der Trainer

Nach dem Atletico-Spiel wurde Hecking lauter. Ansonsten ist der 49-Jährige eher ein ruhiger Vertreter und verzichtet auf forsche Aussagen.

„Das Wichtigste ist, dass wir nach der vergangenen Saison, in der wir zwei oder drei Schritte auf einmal gemacht haben, das nun erstmal bestätigen“, sagte Hecking zuletzt.

Diese besonnene Art kommt an. Heckings Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2016 – Gespräche über eine Verlängerung dürften bald beginnen.

Fünf Monate braucht der gebürtige Westfale noch, um sich Platz zwei in der Wolfsburger Trainerliste zu sichern. Wolfgang Wolf coachte den Klub bislang am längsten in der Bundesliga.

Die Stars

Als Kevin De Bruyne in der Winterpause zum VfL wechselte, ging ein Aufschrei durch die Liga. Schließlich kam der dribbelstarke Belgier für geschätzte 22 Millionen Euro vom FC Chelsea.

In der Rückrunde und bei der WM zeigte der 23-Jährige, dass er eine dominierende Figur in der Bundesliga werden kann.

Auch um einen Spieler wie Luis Gustavo beneidet die Konkurrenz den VfL. Der Brasilianer war zuletzt beim FC Barcelona und Real Madrid im Gespräch, entschied sich für einen Verbleib in Wolfsburg.

Und auch Ricardo Rodriguez bleibt dem Verein treu. Der Schweizer gilt neben David Alaba als einer der besten Linksverteidiger der Liga, Manchester United soll großes Interesse an ihm haben.

Doch in der kommenden Saison wird Rodriguez seine gefährlichen Flankenläufe und Standardsituation im VfL-Trikot zeigen.

Die Zielsetzung

Der Verein will die Champions League erreichen. Zumindest mittelfristig. „Dass es in den nächsten Jahren in Richtung Champions League gehen soll, daraus machen wir intern gar kein Geheimnis“, sagte Allofs zuletzt im Gespräch mit SPORT1.

Aber auch schon in dieser Spielzeit stecken sich die Niedersachsen hohe Ziele. „Die Platzierung des alten Jahres zu bewahren ist das Mindeste, was man anstreben sollte“, erklärte Allofs.

Die SPORT1-Prognose

Wolfsburg hat das Potenzial, um in die Champions League einzuziehen. Wenn Angreifer Nicklas Bendter sich auf das Toreschießen fokussiert und die Verletzungsmisere endet, ist Platz vier drin.

Die Niedersachsen können zur Stelle sein, sollten mögliche Konkurrenten wie Bayer Leverkusen oder Schalke 04 straucheln.