Neuer Schwung, neue Ideen und am Ende: Sportlicher Erfolg. Dass diese Rechnung mit der Trennung von Nuri Sahin und der Verpflichtung von Niko Kovac aufgeht, war die große Hoffnung der BVB-Verantwortlichen.
Die jüngsten Ergebnisse verdeutlichen: Auch wenn auf den 53-Jährigen noch eine Menge Arbeit wartet, zeigt die Formkurve nach oben. Das liegt auch an einer neu entdeckten Stärke, die in der Zeit vor Kovac noch zu den großen Baustellen der Schwarz-Gelben gehörte.
Doch nicht jeder dürfte sich darüber freuen.
Kovac erkennt BVB-Problem – Defensive überzeugt
Ja, die Dortmunder gewannen erstmals in dieser Saison zwei Pflichtspiele in Folge. Doch viel wichtiger für einen nachhaltigen Erfolg dürfte die Gegentor-Statistik sein. Denn in vier der bisherigen sechs Pflichtspiele unter Kovac spielten die Dortmunder zu Null.
Lediglich bei Kovacs beiden Auftaktpleiten in der Liga gegen Stuttgart (1:2) und Bochum (0:2) musste BVB-Keeper Gregor Kobel Gegentreffer schlucken.
Gerade die Defensive galt in der Vergangenheit als große Baustelle der Dortmunder. Nach dem 20. Spieltag kassierten die Dortmunder 34 Treffer – zu viel für eine Mannschaft, die eigentlich oben mitspielen will.
Genau dieses Problem erkannte der Trainer und setzte es ganz oben auf die Prioritätenliste.
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nCAPTION: BVB-Trainer Kovac gibt Lüge zu
nDESCRIPTION: BVB-Trainer Niko Kovac gesteht auf der Pressekonferenz nach dem wichtigen Auswärtssieg gegen den FC St. Pauli eine kleine Lüge.
Sein Vorgehen: Wenig Rotation, viel Erfahrung und eine stabile Achse.
So verbessert Kovac die BVB-Defensive
Gerade die klare Aufteilung der Aufgaben hilft dem Team weiter.
Gregor Kobel, der zuletzt nicht immer fehlerfrei mit dem Ball am Fuß agierte, darf unter Kovac nun auch verstärkt lange Bälle spielen. Kovac nahm dem Keeper den Zwang, alles spielerisch lösen zu müssen. In gefährlichen Situationen den Ball unter das Tribünendach zu jagen, ist keine Schande mehr.
Und vielmehr noch: Unter Kovac herrscht kurz vor dem eigenen Tor unter großem Gegnerdruck ein Spielverbot. Was wie eine einfache Vorgabe aus der Kreisklasse klingt, ist Kovacs Credo: Keep it simple.
„Das war ja der Wunsch, dass wir über diesen Trainerwechsel durch ein bisschen Einfachheit, durch klare Ansprachen auch von Niko und seinem Trainerteam wieder Stabilität bekommen“, erklärte Sportdirektor Sebastian Kehl.
Ansätze von Kovac zeigen Wirkung
Auch das Starkreden von Emre Can zeigt Wirkung. Seit Wochen gehört der BVB-Kapitän mit seiner Robustheit und Schnelligkeit zu den besten Dortmundern. Und an Nico Schlotterbeck und seinen Qualitäten im Aufbauspiel führt ohnehin kein Weg vorbei.
Auch der Dreieraufbau, bei dem der Außenverteidiger – mal war es Ramy Bensebaini, ein anderes Mal Daniel Svensson – ins defensive Zentrum rückt, trägt maßgeblich zur Stabilität des Teams darf.
Genauso wie die klare Rolle von Marcel Sabitzer, der auf der Sechs für das reine „Abräumen“ zuständig sein soll – der Österreicher bekommt nun genau die Aufgabe, die ihm am besten gefällt und worin er am stärksten ist.
Schlotterbeck: „Wir stehen kompakter“
Die wenigen Wechsel in der Startelf (gegen St. Pauli war es nur einer im Vergleich zum Berlin-Spiel) scheinen dem Team ebenfalls gutzutun. Sport-Geschäftsführer Lars Ricken unterstrich die Bedeutung, „dass Niko seinen Stamm irgendwo hat.“
„In der Hinrunde waren viele Wechsel in der Verteidigung, weil viele Spieler verletzt waren und wir nicht so richtig in den Rhythmus gekommen sind. Wir stehen gerade kompakter, stehen geschlossener. Wir lassen nicht so viel zu“, sagte BVB-Innenverteidiger Schlotterbeck.
Der 25-Jährige wirbt also auch für ein Festhalten am System und den etablierten Kräften. Genau diese Worte dürften bei einem BVB-Duo nicht gerade Jubelsprünge auslösen.
Die Leidtragenden des BVB-Aufschwungs
Denn mit der gesetztem Innenverteidiger-Duo Schlotterbeck und Can haben es Spieler wie Waldemar Anton und Niklas Süle derzeit schwer, Spielzeit zu bekommen.
Süle, den Kovac bei seinem Amtsantritt noch in den Himmel gelobt hatte, hat noch immer mit den Folgen seines Syndesmoseband-Anrisses zu kämpfen. Das zeigte der Einsatz als Rechtsverteidiger im Spiel gegen Bochum, als er folgenschwer patzte, deutlich.
Ihm wird Kovac erstmal noch die nötige Zeit geben, um richtig fit zu werden und Rhythmus zu bekommen.
Süle und Anton vor einer ungewissen Zukunft
Und Waldemar Anton spielte bislang kaum eine Rolle unter dem Kroaten.
In den letzten fünf Partien stand der Innenverteidiger gerade einmal eine einzige Minute auf dem Feld. Nur beim Kovac-Debüt gegen seinen Ex-Verein (1:2) durfte der ehemalige Stuttgarter über 90 Minuten ran – aber auch nur, weil Schlotterbeck gesperrt fehlte.
Sowohl Süle als auch Anton stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Solange die Formkurve der Dortmunder nach oben zeigt und die Defensive weiter so überzeugt, dürfte sich an ihrer verzwickten Situation kaum etwas ändern.