Die Lage bei Eintracht Frankfurt spitzt sich weiter zu. Mit dem 1:3 gegen die TSG Hoffenheim kassierten die Hessen am Samstag die nächste bittere Niederlage. Es war bereits das fünfte Pflichtspiel in Serie, in dem die Eintracht drei Gegentore hinnehmen musste.

Allein in der Bundesliga hat es nun schon 42 Mal im eigenen Kasten geklingelt – Ligahöchstwert. Der erhoffte kurzfristige Effekt nach dem Trainerwechsel von Dino Toppmöller zum Interims-Duo Dennis Schmitt und Alex Meier scheint bereits verpufft.

Eintracht Frankfurt steckt in einer Krise
Eintracht Frankfurt steckt in einer KriseEintracht Frankfurt steckt in einer Krise

„Es ist die schwierigste Phase der letzten viereinhalb Jahre“, gab Sportvorstand Markus Krösche schonungslos zu. Offenbar sitzen die Probleme innerhalb der Mannschaft tiefer als zunächst von vielen angenommen – die Mängelliste ist lang.

Auch im SPORT1-Doppelpass wurde die missliche Lage der SGE intensiv diskutiert. Im Fokus stand dabei vor allem die Transferpolitik der vergangenen Monate und Jahre – das wiederholte Verkaufen von Leistungsträgern mit hohem Gewinn.

Effenberg: Eintracht muss „nach unten schauen“

„Das Ganze bleibt risikobehaftet“, analysierte Stefan Effenberg. „Die entscheidende Frage ist: Mit welchen Ansprüchen gehst du in eine Saison? Bei der Eintracht ist das internationale Geschäft klar formuliert. Optimal wäre die Champions League – davon sind sie aktuell weit entfernt. Momentan ist man eher in einer Phase, in der man nach unten schauen muss.“

Entscheidend sei vor allem die fehlende Achse: „Das A und O einer guten Mannschaft ist immer die Achse. Wenn du die nicht hast und dort nicht investierst, hast du eine schwierige Saison vor dir.“

Eintracht Frankfurt steckt in einer Krise
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Frankfurt-Krise? Das sagt Funkel

Tatsächlich haben die Frankfurter in kurzer Zeit wichtige Säulen verloren. Vor einem Jahr ging Omar Marmoush, im Sommer folgten mit Hugo Ekitiké ein weiterer Top-Stürmer sowie Torhüter und Kapitän Kevin Trapp. Als weitere Beispiele wurden in der Dopa-Runde die ehemaligen Führungsspieler Sebastian Rode und Makoto Hasebe genannt.

Eine gefestigte Achse ist für Effenberg kaum zu erkennen – eine Einschätzung, die auch Friedhelm Funkel teilt. Der 72-Jährige, von 2004 bis 2007 Trainer der Eintracht, kennt den Klub bestens, führte ihn einst zurück in die Bundesliga und bis ins DFB-Pokalfinale.

„Man muss erst einmal loben, dass die Eintracht offensiven, attraktiven Fußball spielen will“, sagte Funkel: „Aber ich glaube, sie hat sich ein Stück weit in diesen Offensivfußball verliebt. Früher hat das Verhältnis zwischen Defensive und Offensive gestimmt – im Moment tut es das überhaupt nicht.“

„Wer ist aktuell das Gesicht von Eintracht Frankfurt?“

Für Funkel ist klar, wo angesetzt werden muss: „Das Erste, was passieren muss, ist eine Stabilisierung der Defensive. Die Anzahl der Gegentore ist Wahnsinn. Und auch das Torwartproblem ist selbstverschuldet.“

Trapp, einer der absoluten Führungsspieler, hätte den Verein nicht unbedingt verlassen wollen. „Man unterschätzt oft, wie wichtig einzelne Spieler für die Kabine sind“, betonte der 72-Jährige. „Wer ist aktuell das Gesicht von Eintracht Frankfurt? Wer ist Führungsspieler, wer stemmt sich gegen Niederlagen?“

Robin Koch habe diese Rolle laut Funkel zeitweise übernommen, stecke aber selbst seit Monaten in einer Formkrise. Ohne Stabilität, so Funkels Warnung, werden die Hessen ihren Weg nicht zurückfinden.

Eintracht: Effenberg fordert schnelle Trainer-Entscheidung

Das Aus von Dino Toppmöller liegt inzwischen eine Woche zurück, ein Nachfolger wurde weiterhin nicht präsentiert. Krösche soll zwar einen klaren Favoriten haben, offiziell bleibt die Position jedoch vakant.

Klar ist nur: Der neue starke Mann muss die Mannschaft körperlich wie mental aufrichten. Auch Krösche steht unter Druck – denn anhaltende Formschwächen kosten nicht nur Punkte, sondern auch Marktwerte, die für das Frankfurter Geschäftsmodell essenziell sind. Die Baustellen sind zahlreich.

„Du brauchst auf jeden Fall erstmal einen Trainer mit einem klaren Plan, der diese Mannschaft wieder stabilisiert“, forderte Effenberg vehement. „Sie sind total verunsichert. Viele Dinge, die vergangene Saison perfekt funktioniert haben, passen aktuell überhaupt nicht mehr. Verletzungspech, ständige Torwartwechsel, keine funktionierende Achse – da schwimmt alles.“ Vor allem dürfe man nicht mehr zögern: „Das kannst du nicht noch eine oder zwei Wochen rausschieben.“

Am Mittwoch bestreiten die bereits ausgeschiedenen Frankfurter ihr letztes Champions-League-Gruppenspiel gegen Tottenham Hotspur, erneut mit Schmitt und Meier an der Seitenlinie. Deutlich brisanter wird jedoch die Frage, wie die Eintracht am kommenden Bundesliga-Wochenende gegen Bayer Leverkusen auftritt – und mit welchem Coach. Frischer Wind – sowie ein klarer Plan – wären dringend nötig.