Siege, Ehrungen, Rekorde: Bayer Leverkusen nimmt derzeit mit was geht. Erfolge im Pokal und zum Bundesliga-Auftakt, dazu beim 2:0 in Dortmund das schnellste Bundesliga-Tor der Geschichte durch Karim Bellarabi.
Am Dienstag wurden dann auch noch die Bayer-Youngster Julian Brandt und Levin Öztunali mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold und Silber als beste Nachwuchsspieler ihres Jahrgangs ausgezeichnet.
Die Fritz-Walter-Medaille geht an die größten DFB-Talente. Unter den Prämierten sind viele Weltmeister. Doch nicht jeder spielt noch für Deutschland. Die bekanntesten Preisträger.
„Wichtiges Spiel für den gesamten Klub“
Das derzeit größte Ziel bei der Werkself mutet dagegen fast bescheiden an: Im Playoff-Rückspiel gegen den FC Kopenhagen (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) geht es „nur“ um den Einzug in die Gruppenphase der Champions League (DATENCENTER: Champions-League-Qualifikation).
Rekorde und Trophäen sind da noch weit entfernt, der Anreiz ist trotzdem groß. „Wir sind uns alle bewusst, wie wichtig dieses Spiel für den gesamten Klub ist“, sagt Bayer-Coach Roger Schmidt.
Die Chancen für seine Mannschaft stehen gut, schließlich nehmen die Leverkusener ein 3:2-Polster aus dem Hinspiel in Dänemark (Bericht) mit in die Partie in der heimischen BayArena.
SPORT1 nimmt Bayer vor dem Millionenspiel gegen Kopenhagen unter die Lupe.
• Form
Drei Pflichtspiele, drei Siege: Bei der Werkself läuft nach dem Trainerwechsel schon zum Saisonstart erstaunlich viel wie geschmiert.
Der deutliche Pokalerfolg gegen Sechstligist Alemannia Waldalgesheim war zwar eine Pflichtaufgabe, der Fünferpack von Torjäger Stefan Kießling dennoch keine Selbstverständlichkeit.
Einzig im Playoff-Hinspiel in Kopenhagen zeigte Bayer kleinere Schwächen, vor allem in der Defensive. Trotz einer frühen Führung geriet der Vierte der vergangenen Bundesliga-Saison zwischenzeitlich sogar in Rückstand.
Hakan Calhanoglu und Co. drehten das Spiel aber noch vor der Pause wieder zu ihren Gunsten und verpassten nach dem Seitenwechsel gar einen höheren Sieg.
In Dortmund war die Mannschaft dann von Beginn an hellwach und feierte einen hochverdienten Auftaktsieg.
• Spielweise
Beim Bundesliga-Auftakt in Dortmund glänzten Schmidts Mannen zumindest eine Halbzeit lang mit atemberaubendem Offensivpressing, ließen dem BVB kaum Luft zum Atmen. Die Mannschaft hat offensichtlich in Rekordzeit das taktische Konzept des neuen Trainers verinnerlicht.
„Wir spielen ein bisschen vogelwild gegen den Ball. Da muss man durch und auf die Zähne beißen“, erklärte Kießling anschließend das ungewöhnliche Erfolgsgeheimnis.
Selbst das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte durch Bellarabi war für Schmidt kein Zufall, sondern Ansage: „Ich hasse es wie die Pest, wenn wir Anstoß haben und der Ball nachher bei unserem Torwart ist. Da kriege ich ein Magengeschwür.“
Die Abwehrarbeit soll deshalb aber nicht vernachlässigt werden. „Unser Stil bedeutet nicht nur, offensiv zu agieren, sondern auch sehr gut zu verteidigen“, erklärt Schmidt. Man wolle so „viele Tore erzielen, aber auch viele verhindern.“
Ganz und gar nicht erfreut war der Leverkusener Trainer indes über die Aussage von Dortmunds Coach Jürgen Klopp, der sich von Leverkusens Spielweise „sehr an unsere Konzepte“ erinnert fühlte.
„Es stört mich schon ein bisschen, wenn es darauf reduziert wird, weil meine Mannschaft viele Dinge umgesetzt hat, die man sonst vielleicht nicht sieht“, sagte Schmidt und ergänzte: „Keiner hat das Patent.“
• Personal
Im Gegensatz zum FC Bayern und Borussia Dortmund hat Leverkusen zum Saisonbeginn nicht mit Personalsorgen zu kämpfen. Die WM hat bei der Werkself keine Spuren hinterlassen, auf der Verletztenliste taucht momentan lediglich Lars Bender auf.
Und selbst der Nationalspieler steht unmittelbar vor einer Rückkehr. „Wenn Lars hundertprozentig fit ist, steht er im Kader“, stellt Schmidt schon für das Spiel gegen Kopenhagen in Aussicht.
• Zahlen und Fakten
Die 30.210 Zuschauer fassende BayArena wird bei Weitem nicht ausverkauft sein, nur etwa 20.000 Zuschauer werden erwartet. Für Schmidt kein Problem: „Wir werden uns im Verlauf der Saison verdienen, vor ausverkauftem Haus zu spielen.“
Schiedsrichter der Partie ist der Engländer Mark Clattenburg.
Sollte sich Bayer für die Gruppenphase qualifizieren, würde die Werkself bei der Auslosung voraussichtlich in Topf 3 stehen.
Einzig bei einem Ausscheiden des FC Arsenal gegen Besiktas Istanbul (Hinspiel: 0:0) würde Leverkusen noch in Lostopf 2 aufrücken und damit unter anderem Juventus Turin, Paris Saint-Germain oder Manchester City aus dem Weg gehen.
Finanziell würde sich die Champions League in jedem Fall lohnen: 8,6 Millionen Euro erhält jeder Teilnehmer, jeder Vorrundensieg bringt eine weitere Million Euro, ein Unentschieden immerhin 500.000 Euro.